E.T. on Tour: JavaOne 2012

Die Performance von JavaFX ist, dies gilt zumindest für die gezeigten Demos, überraschend gut. Gerade wenn es um Multi-Media-Content geht, spielt JavaFX seine Stärken aus. Da es von Anfang an so designt wurde, dass der UI Thread separat von allem anderen läuft, gibt es auch bei komplexeren UI Controls, wie Customer Designed Lists, keine Hänger. Weitere Verbesserungen könnte es zukünftig noch durch das OpenJDK-Projekt Sumatra [4] geben, das es Java-APIs und der JVM ermöglicht, die Vorteile der GPU zur Grafik-Beschleunigung zu nutzen.

JavaFX ist unter anderem angetreten, um die aktuelle Desktop-Lösung Swing durch eine State-of-the-Art-Technologie zu ersetzen und so eine deutlich verbesserte User Experience zu ermöglichen. Wer jemals mit Swing gearbeitet hat, wird dankbar dafür sein. Allerdings sieht JavaFX auch das (Mobile) Web als eine wichtige Zielplattform – und anders als auf dem Desktop gibt es hier aber mit HTML5 & Friends bereits extrem starke Alternativen. Wie groß das Interesse an eben diesen aktuell ist, zeigt allein die Tatsache, dass nahezu alle Sessions der JavaOne mit dem Akronym HTML5 im Titel völlig ausgebucht waren. Es ist nur schwer vorstellbar, dass JavaFX es zukünftig schaffen kann, in diesem Segment Fuß zu fassen.

Dass Oracle es ernst mit JavaFX meint, wird allein schon durch die Roadmap für die nächste Version – JavaFX 8, in Anlehnung an JDK 8 – deutlich. Dort finden sich unter anderem eine ganze Reihe neuer UI Controls, Accessibility und Multi-Touch-Support, Rich Text, HTML5-Integration und vieles, vieles mehr.

Möchte man das Risiko bei der Verwendung von JavaFX auf ein Minimum reduzieren, bietet es sich an, JavaFX ausschließlich für das UI zu verwenden und auf das Presentation Model Pattern zu setzen. Dies hat auch die in Basel/ Schweiz ansässige Firma Canoo erkannt und pünktlich zur JavaOne der OpenSource-Community ein entsprechendes Framework namens Dolphin [5] zur Verfügung gestellt, das auf sehr positives Feedback gestoßen ist.

Zur besseren Einordnung von JavaFX muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass es mittlerweile zwar direkt mit dem JDK ausgeliefert wird, nicht aber Teil des JCPs ist. Dies soll sich künftig ändern: Zum einen wird JavaFX bis Ende des Jahres vollständig Open Source werden. Zum anderen sollen verschiedene JSRs rund um JavaFX entstehen, die dann in Java SE 9 einfließen werden. Dies ist sicherlich auch notwendig, um eine breite Akzeptanz in der Community zu erreichen.

Java Embedded @ JavaOne

Das Thema Embedded Java war der zweite große Hype in diesem Jahr auf der JavaOne. Getreu dem Motto „Java ME ist tot – lang lebe Java ME!“ gab es eine eigene, eingebettete, Konferenz zum Thema Embedded.

Wem noch nicht ganz klar ist, was das Ganze soll, der sollte sich umgehend einmal mit dem Thema „Internet of Things“ auseinandersetzen. Zumindest Oracle hat erkannt, dass hier ein riesiger Markt von mehreren Milliarden Devices vor sich hin schlummert, der – aktuell diktiert von proprietären Lösungen – erobert werden will. Es geht dabei weniger um Smartphones als vielmehr um die vielen, vielen Devices, die still und heimlich ihren Dienst im Hintergrund tun: Netzwerke, Media Gateways oder M2M- (Machine-to-Machine-)Module. Und nicht zu vergessen: die ganzen Infotainment-Systeme. Die arbeiten zwar nicht still im Hintergrund, sind aber trotzdem optimale Kandidaten für Embedded Java. Gleiches gilt für Drucker oder eBook-Reader. Spätestens jetzt sollte klar sein, wie enorm groß der durch Embedded Java angesprochene Markt ist.

Gerade im Embedded-Umfeld fällt es ein wenig schwer, zwischen den offiziellen JSR APIs und proprietären Oracle-Tools und -Frameworks zu unterscheiden. Neben Referenzimplementierungen für die einzelnen APIs gibt es einige darauf aufsetzende Rundum-Sorglos-Pakete, wie zum Beispiel die Java Embeded Suite, die auf die Implementierung von M2M-Systemen fokussiert ist. Ein guter Einstiegspunkt für Interessierte findet sich unter [6].

Auch im Embedded-Umfeld treffen wir übrigens wieder auf JavaFX. Dank einer speziellen, modular aufgebauten Variante für die Zielplattform Linux/ARM kann JavaFX auch auf Embedded Boards, wie zum Beispiel dem BeagleBoard xM, installiert werden. Möglich ist dies durch einen relativ kleinen Footprint, der bei weniger als 10 MB startet. Als Demo konnten die Teilnehmer der JavaOne dies in Form von „Information Kiosks“ nutzen und dort ihren Konferenz-Scheduler einsehen [7].

Übrigens ist Java Embedded letztendlich nichts anderes als die konsequente Weiterführung des Ursprungs von Java. Bereits 1992 präsentierte James Gosling auf einem PDA namens Star 7 erste Demos basierend auf OAK – a.k.a. Java. Kaum sind 20 Jahre vergangen, schon scheint sein Traum von „Java everywhere“ wahr zu werden.

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