E.T. on Tour: JavaOne 2012

Raumschiff Enterprise

Natürlich war auch Enterprise Java wieder ein Riesenthema auf der JavaOne. Allerdings ging es in diesem Jahr in der Regel weniger um die Vorstellung neuer APIs – denn da wird sich ja in naher Zukunft bekanntlich deutlich weniger tun als noch im letzten Jahr angekündigt – als vielmehr um die korrekte Verwendung in realen Projekten. Continuous Development (A. L. Rubinger [8]) und Integration waren ebenso vertreten wie die Betrachtung von Java-EE-6-Patterns und Anti-Patterns. Im Umfeld der zukünftigen APIs war eigentlich nur die Vorstellung des neuen JMS 2.0 API wirklich spannend. Nach gefühlten 100 Jahren Stillstand wird es etliche Vereinfachungen geben, die – so in der Demo gezeigt – ein paar hundert Zeilen Code schnell auf wenige Zeilen zusammen schrumpfen lassen.

Als Trendbarometer dagegen kann gewertet werden, dass sich gleich eine ganze Reihe von Sessions mit den Themen HTML5 inklusive JavaScript und WebSockets, Cloud, NoSQL und CDI beschäftigt haben – nicht selten sogar alle Themen in einer Session vereint. Kein Wunder also, dass als Motto für das kommende Release 7 „Productivity & HTML5“ gewählt wurde. Wie gut, dass Oracle mit den Projekten Easel und Avatar gleich zwei Kandidaten zur Hand hat, mit denen die Produktivität im Umfeld der HTML5-Entwicklung deutlich gesteigert werden kann.

Project Easel ist eigentlich nichts weiter als ein NetBeans-Plug-in, das die Implementierung mit HTML5 & Friends deutlich vereinfachen soll. Wer Easel einmal ausprobieren möchte, kann dies mit der gerade erschienenen NetBeans-Version 7.3 Beta [9] tun. Project Avatar – bisher gibt es keinen öffentlich zugänglichen Code – ist ein Web-Framework, das HTML5-Frontends und Java-EE-Backends miteinander verbinden soll. Außer einigen Slides, wenigen Demos und vielen Ankündigungen gibt es allerdings noch nichts zu sehen.

Eine kleine und wichtige Randnotiz gab es auch im Bereich der Web Services. Dank massiver Kritik aus der Community hat man sich dazu bereit erklärt, das JAX-RS 2.0 API dahin zu tun, wo es hingehört – in das Java EE WebProfile.

Witzig – oder sollte ich besser sagen frustrierend? – wurde es bei der Vorstellung der zukünftigen Roadmap von Java EE. Bei einer Slide zu Java EE 8 hatte man das Gefühl, dass versehentlich eine Folie aus dem Vorjahr gezeigt wurde:

  • Cloud Architecture
  • NoSQL
  • Multi Tenancy for SAAS
  • Modularity based on Jigsaw

Bin ich der Einzige, den dieser Ausblick auf Java EE 8 sehr stark an einige ursprünglich für Java EE 7 angekündigten Features erinnert?

Fazit

Wie soll man nun eine Konferenz bewerten, auf der es eigentlich wenig Neues gab und auf der mit JavaFX zum wiederholten Male ein und dasselbe Thema als die zukünftige Innovation angepriesen wurde? Aus meiner Sicht ganz einfach: perfekt.

Natürlich wünscht man sich auf einer Konferenz dieser Größenordnung – immerhin waren knapp 5000 Teilnehmer vor Ort – die eine oder andere positive Überraschung. Dies ist aber nun einmal per Definition durch den offenen JCP nicht möglich. Gleichzeitig gibt es aber wohl keine vergleichbare Veranstaltung auf der ganzen Welt, auf der jeder Teilnehmer die Chance hat, direkt an der Gestaltung von Java teilzuhaben. Die JavaOne ist nach wie vor das wertvollste Networking-Event in der Java-Community. Selbst James Gosling hat es sich nicht nehmen lassen, wieder mit dabei zu sein – wenn auch nur als Überraschungsgast bei der Java Community Keynote.

Lars Röwekamp ist Geschäftsführer der open knowledge GmbH und berät seit mehr als zehn Jahren Kunden in internationalen Projekten rund um das Thema Enterprise Computing (Twitter: @mobileLarson).
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