E-Mail für Deutschland

Peter Pagel

Karlsruhe hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der High-Tech-Zentren der Bundesrepublik entwickelt. Vor allem beim Thema Internet ist man in Baden vorn. Äußerst passend, schließlich wurde in Karlsruhe Deutschlands erste E-Mail empfangen – das war am 2. August 1984.

Für Bahnfahrer hat Karlsruhe einen ganz offensichtlichen Vorteil – es ist ein Haltepunkt im ICE-Netz der Deutschen Bahn. Von Frankfurt braucht man nur gut eine Stunde bis zum Karlsruher Hauptbahnhof. Verlässt man das Hauptgebäude, sind es nur noch wenige Meter bis zum Zoologischen Garten der Stadt. „Die Grünanlage, die hier anfängt, zieht sich fast durch die ganze Stadt und ist damit eine der größten innerstädtischen in Deutschland“, erläutert Bernd Wnuck, Leiter des Presseamts. Die badische Kleinmetropole wirkt schon auf den ersten Blick in sympathischer Weise überschaubar. Gleichzeitig weisen zahlreiche Plakate darauf hin, dass man Karlsruhe nicht verlassen muss, um kulturelle Bedürfnisse zu erfüllen – Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen gibt es hier in großer Zahl.

BAROCK, ZWECKBAUTEN UND MODERNES …

Im zweiten Weltkrieg wurde Karlsruhe weitgehend zerstört und auch in den Wiederaufbaujahren wurde vieles, das man hätte retten können, abgerissen. Fachgerecht renovierte Schmuckstücke stehen neben Gebäuden, denen man ansieht, dass nach 1945 schnell wieder aufgebaut werden musste. Eines der bekanntesten, wenn auch nicht das schönste Gebäude der Stadt, ist das Bundesverfassungsgericht, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss befindet. Mit viel Glas und hohem Wiedererkennungswert, wenn es wieder einmal die Hintergrundkulisse liefert für einen Bericht über ein aktuelles Urteil. In den Grünanlagen rund um die fürstliche Residenz trifft man bei schönem Wetter neben Spaziergängern auch Boule- und Freilandschachspieler. Weit entfernt von musealer Distanziertheit nutzen die Einwohner die historischen Grünanlagen als Naherholungsgebiet direkt am Stadtzentrum.

MUSEUM ODER FORSCHUNGSINSTITUT?

„Beides“ ist die richtige Antwort wenn man über das ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) in Karlsruhe spricht. Hier findet sich eine wohl einmalige Sammlung von Ausstellungsstücken und Kunstwerken, die die Entwicklung der Medien- und Informationstechnologie dokumentiert. Zu bewundern gibt es unter anderem einen Rechner von Konrad Zuse, der als Erfinder des Computers gilt. Mit Plankalkül schuf er zwischen 1941 und 1945 außerdem die erste höhere Programmiersprache der Welt. Der ZUSE Z22 im ZKM trägt die Seriennummer 13 und stammt aus dem Jahr 1957. Er ist eine Dauerleihgabe des Landes Baden-Württemberg und der Fachhochschule Karlsruhe. Insgesamt wurden lediglich 55 Exemplare gebaut. Das Karlsruher Exemplar ist der älteste noch voll funktionsfähige und originalgetreu erhaltene Röhrenrechner der Welt. Leichtbau war damals übrigens noch kein Thema – das Gerät wiegt etwa eine Tonne.

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Außerdem erhalten Computerspieleklassiker im ZKM ihr Gnadenbrot. Wer will, kann hier ein Wiedersehen feiern mit den Arcade-Spielen vergangener Tage. Die Rekonstruktion eines Kunstprojekts aus den 70er Jahren zeigt die ersten Schritte in Richtung Mitmach-Web. Damals fuhren die Künstler im VW-Bus von Stadt zu Stadt. Mit dabei: eine Videoausrüstung. Vor Ort konnten dann Passanten spontan ihr eigenes Programm machen. Für die Menschen jener Tage eine außergewöhnliche Erfahrung. Wer alt genug ist, wird sich sicher noch erinnern, welche Begeisterung schon Polaroid-Bilder früher hervorriefen. Ein bewegtes Bild mit Ton, das man sofort ansehen konnte, war verständlicherweise geradezu unglaublich.

Neben der bemerkenswerten Ausstellung wird im ZKM aber auch Forschung betrieben. So arbeitet das Institut für Musik und Akustik beispielsweise an innovativen Konzepten zur räumlichen Wiedergabe von Musik. Das Institut für Bildmedien konzentriert seine Arbeit dagegen auf Digitales Video, Computeranimation und interaktive Systeme. Da bewegte Bilder ohne Ton nur halb so eindrucksvoll sind, arbeiten die Institute häufig gemeinsam an Projekten. Ein Besuch des ZKM lohnt in jedem Fall.

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Peter Pagel
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