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Durchführung von Softwareprojekten über die Unternehmensgrenzen hinweg

Typen eines virtuellen Unternehmens

Prof. Mertens und Faisst haben aus einer Feldstudie [6] heraus eine Typologie von virtuellen Unternehmen erarbeitet und unterscheiden zwischen Typ A, B und C. Das Virtuelle Unternehmen eines Typs A besteht in der Regel aus persönlichen Netzwerken, also einem Konstrukt, in dem immer eine Verbindung von persönlichen Kontakten vorherrscht, bzw. einem Modell, wie wir es hier in dieser Form bevorzugen, um Vertrauen und Verlässlichkeit zu haben. Mit einer solchen Organisationsform schaffe ich eine Handvoll möglicher Vorteile:

  1. Ich kann auf Kompetenzen zugreifen, die ich selbst vielleicht nie kennenlernen würde
  2. Ich habe ein hohes Maß an Vertrauen und Verlässlichkeit in dem Netzwerk, was mein Risiko reduzieren kann
  3. Durch eine größere Anzahl an Mitgliedern in dem Netzwerk kann weitestgehend ein Pull-Prinzip in meinem Projekt einsetzen und dieses Pull-Prinzip in das virtuelle Unternehmen hinein für bestimmte Kompetenzen öffnen.
  4. Ich habe in der Regel einen Information Broker, der die von mir gewünschten Kompetenzen anspricht und mich von der eigenen Suche entlastet.
  5. Die Netzwerkmitglieder oder Akteure des virtuellen Unternehmens verfolgen zwar auch eigene Ziele, sind aber durch die Mitgliedschaft generell für Kooperationen offen und es gibt eine generelle gemeinsame Mission.
  6. Durch die Spielregeln oder „Unternehmensregeln“ in dem erweiterten Netzwerk kann ich unkompliziert eine Zusammenarbeit definieren und mich auf Vereinbarungen verlassen.
  7. Ein virtuelles Unternehmen ist im Prinzip eine modernere Form der Kooperation. Das heißt nicht nur, dass ich selbst Kompetenzen einbinden möchte, sondern auch selbst Kompetenzlieferant sein kann. Ein Kooperationsnetzwerk ist in der Regel bidirektional.
  8. Durch die persönlichen Beziehungen in dem Konstrukt kann ich, wie im klassischen Unternehmen in der Regel auch, viele Informationen über mögliche Kooperationspartner erhalten. Über die persönliche Beziehung ist es möglich, etwas über den Menschen oder ein Team mehr zu erfahren. Ich kann also herausbekommen, ob es sich eher um einen Projektmitarbeiter handelt, der moderieren kann, er lieber für sich arbeitet oder auch einmal richtig auf den Tisch hauen kann.
  9. Eine unkomplizierte Kommunikation in dem Netzwerk hilft dabei, eine schnelle Lösung für Probleme zu erhalten. Außerdem „It is shown that communication massively enhances cooperation (trust) and allows coordination“ [2].

Ein Expertenportal ist nach der Definition eher ein virtuelles Unternehmen des Typs C, also ein Unternehmen aus Partnern, die eigentlich keine Verbindung zueinander besitzen. Natürlich kann es auch unter den Partnern eines solchen virtuellen Unternehmens Verbindungen geben, diese stehen aber nicht im Fokus der Mission, da der Geschäftszweck der Expertenportale rein auf die Vermittlung von Ressourcen ausgerichtet ist. Die Qualitätssicherung funktioniert hier nicht über das Netzwerk selbst (wie im Typ A, wo durch Kommunikation und Empfehlungen die erste Stufe der Qualitätssicherung geleistet wird), sondern muss vom Kunden voll übernommen werden. Er muss also vorliegende Profile prüfen, die Menschen dahinter kennenlernen und sich sein eigenes Bild machen. Auch die Spielregeln müssen möglicherweise vorher noch definiert werden. Ein solcher Vorgang ist mit dem Fokus einer schnellen, flexiblen Einsatzplanung nur schwer zu realisieren.

Abb. 2: Typen der Organisationsformen von virtuellen Unternehmen aus [6]

Das ist natürlich nur eine Typisierung, die hier exemplarisch für unsere Anforderungen genutzt werden soll. Eine weitere interessante Typisierung ist unter [3] zu finden.

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