5. Studie der DevOps Research & Assessment LLC

Der State of DevOps Report 2018: Immer weniger Handarbeit in Elite-Teams

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Imagentle

Zum fünften Mal hat die DevOps Research & Assessment LLC (DORA) ihren State of DevOps Report veröffentlicht. Erneut äußerten sich knapp 2000 Teilnehmer in einer groß angelegten Umfrage zu allen möglichen Themen im Bereich DevOps: Zu ihren Teamstrukturen, dem Einsatz von Cloud- bzw. Container-Technologien und ihren Arbeitsweisen inklusive ihrem Stand, was die Automatisierung angeht.

Fünf Jahre Arbeit und über 30.000 Antworten. Dies sind nur zwei der beeindruckenden Eckdaten, die das bisherige Werk der DevOps Research & Assessment LLC ausmachen. An der nun aktuell veröffentlichten Studie nahmen rund 1900 Personen teil, 12 Prozent davon Frauen, 83 Prozent Männer. Diese Verteilung zeigt, dass die IT-Branche nach wie vor ein von Männern dominiertes Umfeld ist, aber laut dem Bericht ist diese 12-Prozent-Marke schon ein gewaltiger Schritt nach vorne.

Die Hälfte der von den 1900 Teilnehmern repräsentierten Unternehmen haben ihren Sitz in Nordamerika, ein Viertel in Europa und rund 18 Prozent in Asien. Lediglich 3 Prozent der Befragten arbeiten für ein Unternehmen mit Sitz in Australien bzw. Südamerika und nur 1 % für Unternehmen mit Sitz in Afrika bzw. dem arabischen Raum.

Die Teilnehmer sind zu gut einem Drittel als Entwickler oder Engineers angestellt, 27 Prozent arbeiten in DevOps- oder SRE-Teams. Gerade letztere Zahl beeindruckt, immerhin arbeiteten bei der ersten Erhebung im Jahr 2014 lediglich 16 % der Teilnehmer im DevOps-Umfeld. Einen Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr gibt es allerdings nicht, dafür auch keinen Rückgang – die Zahlen bleiben stabil.

Software Delivery Performance

Wie gut DevOps funktioniert, spiegelt sich unter anderem in der Software Delivery Performance wider. Damit gemeint ist, wie schnell Teams ihre Software, bzw. Updates deployen können und wie gut (also fehlerfrei) diese Deployments schließlich sind. Der DORA-Report teilt Teams daher in vier Klassen ein: Low (15%), Medium (37%), High (48%) und Elite (7%). Letztere Gruppe ist neu, da die bislang höchste Kategorie, High, immer schneller wächst und damit angenommen werden kann, dass die Industrie selbst sich auf einem immer höheren Niveau bewegt.

Zur Erklärung: Teams, die als Elite eingestuft werden, deployen Updates on-demand, zum Teil mehrfach am Tag. Für Änderungen in einer Anwendung, die dem Hauptaufgabenbereich zugeordnet werden kann, wird in solchen Teams weniger als eine Stunde Zeitaufwand benötigt, das Gleiche gilt für das Wiederherstellen eines Service. Die Fehlerrate beträgt hier 0 bis 15 Prozent.

Im Vergleich dazu benötigen Low-Performance-Teams zwischen einer Woche und einem Monat, bis ein neues Deployment durchgeführt werden kann, das Gleiche gilt für die Wiederherstellung eines Service. Für Änderungen am Projekt kann man als Nutzer zwischen einem und sechs Monaten einplanen, wobei die Fehlerrate insgesamt bei 40 bis 60 Prozent liegt. Oder anders ausgedrückt: Elite-Performance-Teams deployen 2.555-mal schneller, haben eine siebenmal niedrigere Fehlerrate und können sogar bis zu 2-604-mal so schnell eine Wiederherstellung durchführen. Ihre Deploy-Frequenz ist 46-mal so hoch wie die eines Low-Performance-Teams.

DevOpsCon Whitepaper 2018

Free: 40+ pages of DevOps expert knowledge

Learn about Containers,Continuous Delivery, DevOps Culture, Cloud Platforms & Security with articles by experts like Kai Tödter (Siemens), Nicki Watt (OpenCredo), Tobias Gesellchen (Europace AG) and many more.

Wie wichtig ist DevOps?

Viele Unternehmen berichten von verbesserten Profiten, zufriedeneren Nutzern und höherer Effizienz. Dennoch braucht es Zahlen, um diese Geschichten zu untermauern. Diese liefert der sogenannte DORA-Report. High-Performance-Teams schaffen es laut dem Bericht, ihre Ziele mit einer 1,38-fachen Wahrscheinlichkeit zu erreichen oder gar zu übertreffen, bei Elite-Performern liegt dieser Wert sogar bei 1,53-facher Höhe.

Auch wenn es etwas schwierig ist, die Qualität der Arbeit über alle Organisationen und Unternehmen hinweg anhand weniger Faktoren zu bestimmen, hat man für den DORA-Report gewisse Kernfaktoren bestimmt, etwa wie die Arbeitszeit genutzt wird, also wie viel Zeit für manuelle Arbeit aufgewandt wird und wie viel für ungeplante Arbeiten oder Überarbeitungen. In das Ergebnis floss auch ein, wie viel Zeit für das Beheben von Sicherheitsproblemen und in Sachen Kundenbetreuung benötigt wird.

Handarbeit

Elite-Teams, so kann man dem Report entnehmen, arbeiten in den Bereichen Configuration Management und Deployment nur noch zu 5 Prozent in Handarbeit. Testing und Change Approvals fallen mit 10 Prozent Handarbeit ins Gewicht. Im Vergleich dazu ist bei Medium-Performern in Sachen Testing noch 50% manuelle Arbeit, lediglich 25% Automatisierung gibt es auf diesem Performance-Level für Change Approvals. Auch das Konfigurationsmanagement und Deployments sind mit 6-mal so hohem manuellen Arbeitsaufwand verbunden, als dies bei Elite-Performance-Teams der Fall ist.

Wie Entwickler ihre Zeit nutzen

Entwickler in Elite-Performance-Teams können sich laut der Studie viel öfter um neue Projekte und Arbeitsaufträge kümmern, als dass bei Medium- oder Low-Performern der Fall ist. Bei Elite- und High-Performance-Teams hält sich die Verteilung von „neuer“ Arbeit und „Verwaltungsarbeit“ die Waage: 50% der Arbeitszeit ist für das Neue reserviert, ca. 20% geht für ungeplante Arbeiten oder Überarbeitungen drauf, 10 % für Fehlerbehebungen und jeweils 5% für das Beheben von Sicherheitsproblemen und die Kundenbetreuung.

Bei den Low-Performance-Teams ist nicht ganz ein Drittel der Arbeitszeit für neue Aufträge und Projekte nutzbar, jeweils 20% der Zeit beschäftigen sich diese Teams mit ungeplanten Arbeiten und Überarbeitungen bzw. mit der Fehlerbehebung, 15% der Zeit wird in die Kundenbetreuung investiert und 10% der Arbeitszeit stehen Sicherheitsprobleme im Fokus.

Cloud & Co.

Ziemlich genau zwei Drittel der Befragten gaben an, dass deren primäre Anwendungen oder Services in der Cloud laufen. Beliebtester Provider ist Amazon (AWS), das von mehr als der Hälfte der Befragten genutzt wurde, bei denen die Cloud zum Einsatz kommt, Azure macht rund ein Drittel aus, die Google Cloud Platform 18 Prozent. 40% der Befragten gaben an, nicht nur auf eine Cloud zu setzen, etwas mehr (41%) setzten auf einen einzigen Cloud Provider.

Wichtig sei allerdings nicht, dass man die Cloud nutze, sondern eher wie. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA haben fünf essentielle Cloud-Charakteristika definiert, die für eine richtige Nutzung der Cloud typisch sind:

  • On-demand Self-Service
  • Broad Network Access
  • Resource Pooling
  • Rapid Elasticity
  • Measured Service

Lediglich 22% derjenigen Befragten, die den Einsatz von Cloud-Technologien bestätigten, sagten auch, dass sie all diesen fünf Punkten entsprächen. Platform as a Service (PaaS) wird übrigens lediglich von gut einem Viertel der Befragten genutzt. Immerhin 44 Prozent gaben an, die Umgebungskonfiguration und Deployments via Script (Infrastructure as Code) durchzuführen.

Überraschend ist auch, dass lediglich die Hälfte der Befragten angab, dass ihre Anwendungen und Services, sofern sie in der Cloud liefen, auch wirklich für den Einsatz in der Cloud designt und mit der entsprechenden Architektur ausgestattet wurden. Das heißt mehr als die Hälfte der Anwendungen und Services, die in der Cloud laufen, sind nicht Cloud-native.

Kultur

In Sachen Kultur setzt man beim DORA-Report auf die Faktoren, die von dem Soziologen Ron Westrum aufgestellt wurden. Ihm zufolge können Organisationen drei Formen haben:

  1. Pathologisch (machtorientiert)
  2. Bürokratisch (regelorientiert)
  3. Fruchtbar (performanzorientiert)

Im Zentrum stehen allenthalben Kooperation, Kommunikation bei Problemen, das Lernen aus Fehlern, der Abbau von Silos und anhaltende Experimentierfreude, um Fortschritt zu generieren.

When researchers at Google studied over 180 engineering teams, they found that the most important factor in predicting a highperforming team is psychological safety, or feeling safe taking risks around your team. This was followed by dependability, structure and clarity of work, meaning, and impact.

Daraus kann man schließen, dass die Kultur einen sehr wichtigen Platz in Bezug auf den Erfolg von DevOps.Teams im Unternehmen einnimmt.

Den vollständigen Report gibt es auf der Homepage der DevOps Research & Assessment LLC.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: