Dolmetscher in IT-Babel

Andreas Herzig, D&I Solutions Manager Central Europe, Compuware

Es knirscht allerorten zwischen IT-Abteilungen und den Kollegen aus den Fachbereichen. Die Techniker liefern nicht die gewünschten Anwendungen und Funktionen, klagen die Business-Leute. IT-Manager weisen die Vorwürfe zurück und meinen, so lange die Fachabteilungen nicht klar definierten, was sie brauchen, könne die IT auch nichts für sie tun. So dreht sich die Diskussion nun schon lange im Kreis und führt zu ganz handfesten Problemen, wie zahlreiche Studien belegen. So hat die Unternehmensberatung Accenture herausgefunden, dass bis zu 70 Prozent aller IT-Projekte ganz oder teilweise scheitern. Eine enorme Geldvernichtung, deren Ursachen im Interesse der Unternehmen schnellstens abzustellen sind. Wie Unternehmen dem Ziel einer verbesserten Abstimmung zwischen IT und Fachseite näher kommen können, beleuchtet dieser Beitrag. Kern des Lösungswegs: Systematisch geplante und laufend überwachte Application-Delivery-Prozesse.

Die Ursachen für mangelndes Business / IT-Alignment sind so vielfältig wie die Projekte, in denen die Probleme auftreten. Ganz vorn auf der Liste der Knackpunkte rangiert das Thema Messbarkeit des Wertbeitrags von IT zu den geschäftlichen Zielen eines Unternehmens. Der Softwarehersteller ILOG fand in einer Umfrage unter Business-Entscheidern heraus, dass 41 Prozent der Unternehmen keinerlei Mechanismen zur Messung des tatsächlichen Beitrags der IT zur Unternehmensleistung einsetzen. Mit anderen Worten: Zwei Fünftel aller IT-Abteilungen sind im Blindflug unterwegs.

Doch wie lichtet man das Dunkel und macht IT-Leistung messbar? Wie formuliert man in einer für Fachseite und Techniker gleichermaßen verständlichen und aussagekräftigen Sprache, die die Abstimmung erleichtert und verhindert, dass IT-Projekte am tatsächlichen Bedarf eines Unternehmens vorbeigehen? Eine innovative Methode verbirgt sich hinter dem Begriff Application Delivery Management (ADM). Sie geht von der Prämisse aus, dass es bei endanwenderbezogenen IT-Projekten um die Entwicklung von Applikationen geht, deren Funktions- und Leistungsumfang genau definiert und fortlaufend überwacht werden muss. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die Anwendungsentwicklung für Unternehmen inzwischen eine so komplexe Aufgabe ist, dass sie mit herkömmlichen Methoden der Projektsteuerung nicht mehr zu bewältigen ist.

Vom linearen zum iterativen Entwicklungsmodell

Das in den 1970er-Jahren von Winston Royce so benannte „Wasserfallmodell“ der Softwareentwicklung ging von einer mehr oder weniger klar in Zeit- und Aufgabenabschnitte unterteilbaren Struktur eines Softwareentwicklungsprojekts aus. Diese Vorgehensweise erlaubt zwar in gewissen Grenzen Feedbackprozesse, um Projektteile wie Anforderungsanalyse, Modultests oder Integrations- und Systemtests zur Verbesserung der Qualität zu wiederholen. Insgesamt bleibt es jedoch sehr linear und sieht nicht vor, dass sich die Vorgaben der Fachseite, die im Lasten- und Pflichtenheft definiert wurden, während des laufenden Projekts ändern. Das jedoch ist in den heutigen komplexen Unternehmens-IT-Projekten der Regelfall. Wird dieser Umstand nicht berücksichtigt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Leistungsumfang des laufenden Projekts und der Bedarf der Anwender auseinanderdriften. Die Lücke nachträglich zu schließen, bedeutet aus dem Ruder laufende Kosten, Unzufriedenheit auf der Fachseite, Frustration bei der IT und teure Verspätungen.

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Andreas Herzig, D&I Solutions Manager Central Europe, Compuware
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