Softwareentwicklung ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst!

Dogma Driven Development: Meinung schlägt Wissen

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Marko Bradic

Nein, bei „Dogma Driven Development“ handelt es sich nicht um ein weiteres satirisches Programmierparadigma. Vielmehr umschreibt der Softwareentwickler und Blogger David Green mit diesem Begriff in einem nicht ganz jugendfreien Rant die Geisteshaltung, die seiner Ansicht nach in der Branche vorherrscht.

Denn diese, so Green, folgt mitnichten einer irgendwie gearteten wissenschaftlichen Methode. Weder existieren mathematische Modelle dafür, was den Unterschied zwischen guter und schlechter Software ausmacht, noch existieren Studien dazu, ob gewisse Ideen einen beobachtbaren Einfluss auf geschriebene Software haben.

Dogma Driven Development

Vielmehr meint Green, dass es sich bei Computer „science“ in Wahrheit um eine Kunst handelt, deren Ausprägungen von Moden diktiert werden. Die „beste“ Programmiersprache, Architekturmuster: Alles Moden, die typischerweise wenig bis gar nicht durch Fakten gestützt werden, aber nichtsdestotrotz dogmatisch durchgedrückt und bis aufs Blut verteidigt werden.

Das Problem laut Green: Die nach wie vor unaufhaltsam voranschreitende Digitale Revolution sorgt dafür, dass Software in immer mehr Lebensbereiche der Menschen eingreift – und die Revolutionäre dennoch nicht wirklich wissen, was sie da eigentlich tun. So hat die Industrie ihm zufolge die Lektionen, die sie eigentlich schon vor 40 Jahren hätte lernen sollen, immer noch nicht verinnerlicht und macht immer und immer wieder die gleichen Fehler.

No, sorry, it’s all utter bollocks. We know less about building decent software now than we did 40 years ago. It’s just now we build a massive amount more of it. And it’s even more shit than it ever was. Only now, now we have those crazy bastards that otherwise would stand on street corners telling me that Jesus would save me if only I would let him; but now they’re selling me scrum master training or some other snake oil.

Die Mehrzahl von „Anekdote“ ist nicht „Daten“

Jeder Entwickler trägt ein anderes Bündel an Erfahrungen mit sich herum. Alles, was ihnen zur Verfügung steht, ist Green zufolge die daraus gewonnene Urteilskraft. Die beste Möglichkeit, mit diesem Status quo umzugehen ist seiner Ansicht nach deshalb, so viel wie nur irgend möglich zu lernen. Sich neue Tools und Techniken anzueignen. Sich mit anderen Entwicklern auszutauschen. Immer wieder neue Herangehensweisen auszuprobieren. Doch, wie Green so schön anmerkt: Die Mehrzahl von „Anekdote“ ist nicht „Daten“. Weshalb die Softwareentwicklung nach wie vor keine Wissenschaft ist, sondern vorerst eine Kunst bleibt.

Aufmacherbild: Man kneeling, bowing to a laptop computer on a pedestal von Shutterstock.com / Urheberrecht: Marko Bradic

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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