Ein Sieg für Open Source?

Unterm Hammer: Mirantis kauft Docker Enterprise

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Tatyana Komtsyan

Spektakuläre Übernahmen sind in der IT-Welt keine Seltenheit: Wir erinnern uns da an den Kauf von Red Hat durch IBM und Microsofts Akquisition von GitHub und jClarity. Ein weiteres Unternehmen ist nun (zumindest teilweise) gekauft worden: Docker bzw. Docker Enterprise. Das Unternehmen Docker, Inc. hat die Enterprise-Sparte inklusive des 300-köpfigen Teams und der 750 Kunden an das Cloud-Unternehmen Mirantis verkauft. Wir haben uns die Hintergründe des Deals genauer angesehen.

Wir schreiben das Jahr 2017. Docker hat sein Versionierungsschema von 1.xx auf das YY.MM-Modell umgestellt und ganz nebenbei auch noch den kommerziellen Support von der frei verfügbaren Open-Source-Version getrennt: Docker EE (für Enterprise Edition) und Docker CE (für Community Edition) waren geboren. Diese Trennung wird mit dem Kauf der Docker Enterprise Platform durch den Cloud-Plattform-Anbieter Mirantis nun endgültig.

Für alle, die sich nun insbesondere für den Preis der Übernahme interessieren, eines allerdings vorweg: Eine Hausnummer, wie teuer diese Akquisition Mirantis zu stehen kommt, gibt es nicht. Fakt ist, dass die Übernahme nicht nur das Produkt und die Rechte an Docker Enterprise, bestehend aus der Docker Enterprise Engine, der Docker Trusted Registry, der Docker Unified Control Plane und dem Docker CLI beinhaltet.

Auch das Team hinter Docker Enterprise wurde mit eingekauft und wird zukünftig beim neuen Arbeitgeber weiter an dem Produkt arbeiten. Das Portal TechCrunch spricht dabei von etwa 300 Angestellten. Damit steigt die Anzahl an Beschäftigten bei Mirantis (aktuell etwa 450) um rund 66 Prozent. Aus Business-Sicht ist auch interessant, dass sämtliche bestehende Verträge mit Kunden (rund 750) und Partnerprogramme ebenfalls übernommen und fortgeführt werden.

Was genau das Ganze für die Kunden heißt? Hierzu gibt es eine FAQ-Sektion auf der Webseite von Docker. Zu explizit dieser Frage heißt es dort, dass man bei Mirantis Docker Enterprise in eine neue Container-Management-Plattform einfügen wird, während weiter am Kubernetes-Ökosystem gearbeitet wird. Wirkliche Änderungen für die Kunden soll es, so die FAQ, nicht geben, jedenfalls vorerst.

Goodbye, Docker Swarm?

Natürlich kauft Mirantis nicht nur ein Produkt, das Team dahinter und die Kunden. Die Kunden von Docker Enterprise haben unterm Strich ebenfalls etwas von diesem Deal, wie Adrian Ionel, CEO von Mirantis Inc., auf dem Blog des Unternehmens mitteilte: Gemeint sind unter anderem die Kubernetes-as-a-Service-Technologie von Mirantis, eine einheitliche und konsistente Developer Experience auf jeder Infrastruktur (basierend auf K8s) und ein Commitment zu offenen Standards und Open Source.

Sehr interessant für alle Nutzer von Docker Swarm dürfte die offensichtliche Vorliebe und Unterstützung von Kubernetes sein. Mirantis ist nach eigener Aussage hoch engagiert in der Förderung und Entwicklung von Kubernetes und dessen Ökosystem, die Frage nach Docker Swarm ist daher berechtigt. Hierzu schreibt Ionel:

The primary orchestrator going forward is Kubernetes. Mirantis is committed to providing an excellent experience to all Docker Enterprise platform customers and currently expects to support Swarm for at least two years, depending on customer input into the roadmap. Mirantis is also evaluating options for making the transition to Kubernetes easier for Swarm users.

Im Enterprise-Umfeld scheinen die Tage von Docker Swarm also gezählt zu sein, jedenfalls mittelfristig. Stattdessen sollen Kunden mit “sanfter Gewalt” zum Umzug motiviert werden. Ob dies dann auch das allgemeine und allumfassende Ende für Docker Swarm einläutet, blieb zunächst unklar.

Docker EE – Die Enterprise Edition von Docker

Wie geht es weiter mit Docker?

Die Frage, wie es für Docker Enterprise weitergeht, ist damit sehr deutlich und klar beantwortet. Weniger klar ist es, was diese Nachricht nun für die Community Edition von Docker und das Unternehmen Docker, Inc. selbst heißt. Zunächst einmal wird es personelle Konsequenzen geben: Scott Johnston wird die Rolle des CEO bei Docker, Inc. übernehmen, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten ließ. Quasi zum Amtsantritt schrieb Johnston:

Going forward, in partnership with the community and ecosystem, we will expand Docker Desktop and Docker Hub’s roles in the developer workflow for modern apps. Specifically, we are investing in expanding our cloud services to enable developers to quickly discover technologies for use when building applications, to easily share these apps with teammates and the community, and to run apps frictionlessly on any Kubernetes endpoint, whether locally or in the cloud.

Kerngeschäft für Docker, Inc. werden also zukünftig Docker Desktop (inklusive der Docker Engine) und der Online-Dienst Docker Hub (inklusive der Registry für Docker Images und Repositorys) sowie die entsprechenden Cloud-Services sein. Auch mit Mirantis wird es zukünftig zu engerer Zusammenarbeit kommen, wie Mirantis CEO Adrian Ionel in seinem Blog-Beitrag betont.

Finanziell scheint das Unternehmen jedenfalls keine Schwierigkeiten zu haben. Abgesehen von dem Erlös aus dem Verkauf von Docker Enterprise wurde in der aktuellen Pressemitteilung auch der Erhalt von Fördergeldern in Höhe von 35 Millionen US-Dollar angekündigt. Benchmark Capital und Insight Partners, die für die Investition verantwortlich zeichnen, waren bereits in der Vergangenheit als Förderer von Docker, Inc. in Erscheinung getreten.

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PS: Solomon?

Natürlich hat auch Solomon Hykes, der Gründer und ehemalige Kopf von Docker, eine Meinung zu den aktuellen Entwicklungen, die er auf Twitter teilte:

Die Antworten auf den Tweet lesen sich, als hätte die Open-Source-Gemeinde mit diesen Entwicklungen einen Sieg erfahren. Bedenkt man, wie viel Geld nun in die Weiterentwicklung der Open-Source-Produkte von Docker fließen können und vermutlich auch werden, könnte das sogar stimmen…

Weitere Informationen zu den Fördergeldern, offizielle Stimmen zur Neuaufstellung von Docker, Inc. und zum Wechsel der Führungsspitze gibt es in der offiziellen Pressemitteilung des Unternehmens. Eine historische Einordnung der Situation von Docker, Inc. und einen kleinen Blick in die Zukunft gibt Scott Johnston in seinem Beitrag auf dem Docker-Blog. Die FAQ für Docker-Enterprise-Kunden ist hier zu finden.

Seitens Mirantis gibt es ebenfalls eine Pressemitteilung, in der die wichtigsten Informationen zusammengefasst wurden. Mirantis CEO Adrian Ionel teilt seine Gedanken in seinem Beitrag auf dem Mirantis-Blog mit.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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