Matthias Lübken über Chancen und Herausforderungen von Docker

Docker – wir stehen erst am Anfang!

Hartmut Schlosser

Matthias Lübken

Docker ist in aller Munde – immer mehr etabliert sich die Container-Technologie zu einem Standard sowohl für Entwicklung als auch für den Betrieb. Was genau das revolutionäre Elemente von Docker ist, und wie Sie sich der Technologie am besten annähern sollten, haben wir mit W-JAX-Speaker Matthias Lübken besprochen.

JAXenter: Docker hat in den letzten Monaten für viel Wirbel gesorgt. Was genau ist das disruptive Element, das dafür sorgt, dass Docker für viele eine Revolution darstellt?

Matthias Lübken: Docker hat es geschafft, die Idee und Technologie von Containern einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Leichtgewichtige “Virtualisierung” in Form von Containern gibt es schon lange. Diese waren jedoch entweder nur auf wenig verbreiteten Betriebssystemen, wie beispielsweise Solaris, verfügbar oder für den normalen Entwickler äußerst umständlich wie bei Linux in Form von LXC. Mit Docker kann man über eine API und einfachen Skripten Container beschreiben, zusammenstellen und verteilen. Zudem stellt Docker eine Laufzeitumgebung zur Verfügung, die es erlaubt, Container ohne nennenswerten Overhead zu starten.

Spätestens seit große Firmen wie RedHat, Google und VMware bei Docker mitwirken, ist klar, dass Docker das richtige Tool zum passenden Zeitpunkt entworfen hat. Docker hat es geschafft, Container zu standardisieren.

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JAXenter: Kannst du ein Beispiel-Szenario nennen?

Matthias Lübken: Das für unser Arbeitsleben wohl einschneidendste Beispiel ist, dass zum ersten mal Operations- und Entwicklungsabteilungen gleichermaßen eine Technologie unterstützen. Damit wird der Wunsch der DevOps-Bewegung Realität, dass man sich abteilungsübergreifend über den Betrieb von Anwendungen austauschen kann.

Ich persönlich hatte das Aha-Erlebnis, als mein Kollege auf seinem Entwicklungsrechner für jeden Befehl eigene Container gestartet hat. Die Anforderung nach abgeschotteten Umgebungen ist verständlich. Aber für einzelne Befehle? Beim Blick über die Schulter wurde mir klar, welch enormes Potential Docker hat. Durch die kaum merkbaren Verzögerungen beim Starten und Stoppen der Container ergeben sich völlig neue Anwendungsgebiete.

JAXenter: Nun hat Matt Jaynes jüngst in seinem Blogpost „Docker Misconceptions“ davor gewarnt, mit Docker alle Sysadmin-Probleme zu lösen. Docker solle als fortgeschrittene Optimierung betrachtet werden, die einen nicht davor befreie, sein System genau zu kennen. Wie sollte man sich aus deiner Sicht Docker annähern?

Matthias Lübken: Natürlich sind die Sysadmin Herausforderungen nicht auf einmal verschwunden. Es ändert sich der Austausch zwischen Entwicklung und Betrieb. Es gibt nun eine gemeinsame Sprache und einen Austausch zwischen den unterschiedlichen Rollen und Aufgabenbereichen. Diese machen Diskussionen zum Betrieb weitaus produktiver.

Aus Anwendungsentwicklersicht gibt Docker mir einen angenehmen Zugang zum darunter liegenden System. Mit den Dockerfiles lerne ich das zugrunde liegende System sukzessive besser kennen, kann OPs-Herausforderungen besser verstehen und neue Ideen und Tools leichter ausprobieren.

„Aus Benutzersicht von Docker stehen wir meiner Meinung nach noch völlig am Anfang.“

JAXenter: Vor Kurzem ist Docker 1.0 erschienen. In welche Richtung sollte die Entwicklung von Docker jetzt weiter gehen?

Matthias Lübken: Der Docker-Erfinder Solomon Hykes hat Docker jüngst als Toolkit für verteilte Anwendungen beschrieben. Hierbei hat er weitere Felder skizziert, mit dem sich Docker beschäftigt: Die Identität und Autorisierung von Containern, eine vereinfachte  und einheitlichere Netzwerkkommunikation und Clustering sowie Komposition von Containern. Des Weiteren werden wir eine Reihe von Tools und Ideen aus der Docker-Community sehen, die das Entwickeln von verteilten Anwendungen erleichtern.

Aus Benutzersicht von Docker stehen wir meiner Meinung nach noch völlig am Anfang. Was machen wir mit den neuen Möglichkeiten, die uns Docker bietet? Wie treiben wir Ideen wie Microservices und Polyglott Persistance weiter? Hier sehe ich eine Menge spannende Diskussionen und Best Practices auf uns zu kommen.

JAXenter: Und was wird das Thema in Eurem Docker-Workshop auf der W-JAX sein?

Matthias Lübken: Docker ist eine von diesen Technologien, die man erfahren muss. Man muss einen Container selber zusammenstellen und starten, um die neuen Möglichkeiten zu evaluieren. Dies wollen wir in dem Workshop ermöglichen und den Teilnehmern eine praktische Einführung in Docker bieten. Zudem wollen wir einen Ausblick geben, wie ein erster Einsatz im Entwickleralltag aussehen könnte. Vor allem wollen wir an dem Tag coden!

JAXenter: Na dann viel Spaß dabei! Matthias, vielen Dank für dieses Interview! 

Matthias Lübken ist Produktmanager bei Giant Swarm in Köln. Er hat langjährige Erfahrung mit verschiedenen Aspekten der Softwareentwicklung und dem Aufbau und Organisation von Produktteams. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit Simple Service Orchestration für Entwickler. Weitere Informationen unter http://luebken.com/about

W-JAX 2014 - BT Days 2014Docker auf der W-JAX 2014

Der Docker Basis Workshop (3. November 2014) mit Andreas Schmidt, Matthias Lübken, Peter Roßbach, Stephan Zeissler und Timo Derstappen:

– Docker Frühschoppen
– Docker Basics: Praktische Docker-Kenntnisse erlangen
– Docker als Plattform für Microservices
– Chancen und Risiken des Docker-Ökosystems

Alle Infos unter www.jax.de.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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