Ein Kommentar von Benjamin Wootton

Kommentar: „Die Docker-Fork-Debatte ist ein Sturm im Wasserglas“

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / Sasilssolutions

In den vergangenen Tagen gab es auf zahlreichen Newsportalen und Blogs eine Reihe von kritischen Kommentaren zu Docker. Im Fokus standen dabei Dockers Releasepolitik sowie die Integration von Docker Swarm in den Kern von Docker 1.12. Benjamin Wootton äußert sich zur Kritik und gibt eine Einschätzung zur Realisierbarkeit eines Docker-Forks.

Kernpunkt der aktuellen Kritik an der Releasepolitik von Docker Inc. ist die Abwärtskompatibilität, die für den Geschmack einiger in zu vielen Updates gebrochen wird. Aus dem Lager der Entwickler, die sich kritisch äußern, wird von negativen Auswirkungen auf die Produkte berichtet. Auch die Integration von Swarm in den Docker-Kern sei, was die Performance und die Stabilität angehe, eher ein Schritt in die falsche Richtung.

So schrieb etwa Andrew Guenther von AWS in einem Post auf Hacker News:

Speaking of 1.12, my heart sank when I saw the announcement. Native swarm adds a huge level of complexity to an already unstable piece of software.

Losgetreten wurde die ganze Aufregung unter anderem von Kubernetes-Evangelist Craig McLuckie, der via Twitter öffentlich Kritik an Docker übte.

In einem Bericht von Alex Williams und Joab Jackson war sogar die Rede von einem möglichen Docker Fork, also einer Neuentwicklung auf der Basis der quelloffenen Docker-Engine. Angeblich sollen Vertreter von Red Hat, Google, CoreOS und Huawei sich an derartigen Diskussionen beteiligt haben.

Auf JAXenter haben wir die aktuelle Diskussion für unsere Leser zusammengefasst.

Berechtigte Kritik?

Eine etwas andere Sicht auf die Debatte hat Benjamin Wootton, Co-Founder von Contino. In der IT-Consultingfirma, die sich auf New-Stack-Cloud-Technologien spezialisiert hat, wurde die neueste Version von Docker selbstverständlich auf Herz und Nieren geprüft. Für ihre Kunden hat das Unternehmen sich auch intensiv mit dem SwarmKit – also der oben erwähnten Integration von Swarm in Docker – auseinandergesetzt.

Wir haben Wootton gebeten, die aktuelle Kritik einzuschätzen.

BenjaminWootton

Benjamin Wootton

Nach unserem ersten Eindruck war das Hauptfeature der Docker-Version 1.12, nämlich die Integration von Swarm in Docker, ein voller Erfolg. Da das Aufsetzen eines Frameworks zur Orchestrierung sehr aufwendig sein kann, gerade im Hinblick auf die Sicherheit, ist der mit Version 1.12 eingeschlagene Weg deutlich besser.

Mit SwarmKit kann mit einem einzigen Kommando ein Master erstellt werden, ein weiteres Kommando fügt einen Knotenpunkt (Node) hinzu. Es wird dazu keine separate Software benötigt und alles ist von Haus aus sicher – unserer Meinung nach könnte das in Zukunft die Verbreitung von Swarm und der Container-Orchestrierung deutlich voran bringen.

Sturm im Wasserglas

Die derzeitigen Diskussionen fallen unserer Meinung nach eher in die Kategorie „Sturm im Wasserglas“. Viele der Kommentare und Blog-Posts beziehen sich nicht auf Docker im Allgemeinen, sondern auf die Stabilität von Swarm im Speziellen. Dazu ist allerdings anzumerken, dass diese Probleme meist eher bei Grenzfällen zu finden sind, etwa bei der Verwendung von Raspberry Pi.

SwarmKit war ein sehr ambitioniertes Projekt und beinhaltete eine sehr weitreichende Verschmelzung. Natürlich wollen wir immer eine perfekte, kostenfreie Software und zwar gleich mit der ersten Veröffentlichung. Dennoch denke ich, dass Fehler bei einem Erstrelease eines solch großen Projektes durchaus nachvollziehbar und verschmerzbar sind.

Außerdem möchte ich noch einmal hervorheben, dass das integrierte Swarm in Docker 1.12 nach wie vor ein optionales Feature ist und es keine Pläne gibt, dies zu ändern. Jeder kann sich also selbst ein Bild davon machen und dann entscheiden, ob er es nutzen oder lieber auf eine andere Orchestrierungslösung zurückgreifen möchte.

Quelle: Docker

Quelle: Docker

Docker-Fork?

Auch ein Docker-Fork hat nach unserer Einschätzung keine wirkliche Perspektive, und erwähnt wurde er lediglich in einem einzigen, recht spekulativen Artikel auf New Stack. Wir haben Docker etwa mit der Veröffentlichung der Version 0.8 in die Produktion deployt, und unserer Erfahrung nach ist es seitdem eine wirklich sehr stabile Plattform, auf der man aufbauen kann. SwarmKit ist ohne Frage die größte Änderung seit einer ganzen Weile. Doch da die Nutzung komplett optional ist und vermutlich auch bleibt, hat dies keinen Einfluss auf das Erstellen oder Betreiben individueller Container.

Lesen Sie auch: Docker 1.12 hat eingebaute Orchestrierung im Gepäck

Ich persönlich denke zudem, dass ein Docker-Fork einfach nicht realisierbar wäre. Die Macher von Docker liefern einfach viel zu schnell und entwickeln Docker mit einem so rapiden Tempo weiter, dass jeder Fork oder neue Standard sehr bald ins Hintertreffen geraten würde. Eine Möglichkeit, sich mit einem Fork auf dem Markt zu etablieren, sehe ich daher als utopisch an.

Benjamin Wootton ist Co-Founder von Contino, einer weltweiten DevOps-Consultingfirma. Er hat mittlerweile mit über 50 Unternehmen an ihrer jeweiligen DevOps-Transformation gearbeitet.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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