Die kritischen Stimmen im Docker-Ökosystem mehren sich. Kommt es zum Docker-Fork?

Docker-Fork: Splittet sich die Container-Welt?

Tom Wießeckel

@Shutterstock.com / AunEN

Die kritischen Stimmen im Docker-Ökosystem mehren sich. Seit einiger Zeit schon wird über die Unzufriedenheit über Docker diskutiert – allerdings nicht in der Öffentlichkeit. Das hat sich mit einigen Tweets von Craig McLuckie, seines Zeichens Kubernetes-Evangelist bei Google, geändert. Unweigerlich führt das zu einer Frage: Kommt es zum Docker-Fork?

Kommt es zum Docker-Fork? Aktuell kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren – mehrere Parteien, verteilt über das Ökosystem bis hin zu großen Nutzern, führen in der Öffentlichkeit eine Diskussion, in der der Unmut über Dockers Umgang mit dem Support für Enterprise-Deployments zum Tragen kommt. Es geht vor allem um Probleme mit der Stabilität, der Versionierung, der Migration und der Backend-Kompatibilität. Außerdem steht die Implementierung von Swarm in den Docker-Core im Zentrum der Kritik.

Die Ausgangslage

Grund für die angespannte Stimmung ist Dockers Releasepolitik, die Drittanbieter immer wieder vor Schwierigkeiten stellt, ihre auf Docker basierenden Produkte anzupassen. Hinzu kommt eine gewisse Unzufriedenheit mit der Stabilität der einzelnen Releases.

So beschwert sich Rob Hirschfeld, CEO von RackN, einer auf Docker basierender Lifecyle-Management-Plattform, dass Docker mit beinahe jedem Release mit der Abwärtskompatibilität breche. Für ihn und sein Produkt hätten solche Änderungen jedoch verheerende Auswirkungen; und Docker sei bekannt dafür, bei Updates wenig Rücksicht auf solche Dinge zu nehmen. 3rd-Party-Hersteller müssen mit diesen Entscheidungen leben und ihre Lösungen entsprechend anpassen.

Noch kritischer formuliert es Andrew Guenther von AWS in einem Post auf Hacker News. Dort schreibt er, dass sein Team von Docker 1.7 auf 1.11 updaten musste, da alle anderen Releases entweder zu instabil waren oder mit Performance-Problemen zu kämpfen hatten. Seine Meinung zu Docker 1.12 fällt wie zu erwarten auch nicht besser aus:

Speaking of 1.12, my heart sank when I saw the announcement. Native swarm adds a huge level of complexity to an already unstable piece of software. Dockercon this year was just a spectacle to shove these new tools down everyone’s throats and really made it feel like they saw the container parts of Docker as „complete.“ One of the keynote slides literally read „No one cares about containers.“ I get the feeling we’ll be running 1.11 for quite some time…

Die Lage kann also durchaus als angespannt betrachtet werden.

Kommt es zum Docker-Fork?

Einem aktuellen Bericht von Alex Williams und Joab Jackson auf The New Stack zufolge stehen derzeit mehrere Möglichkeiten zur Debatte – unter anderem auch ein Docker-Fork. Dabei ist vor allem die Docker-Engine gemeint, die Open Source zur Verfügung steht. Als Indiz für die Ernsthaftigkeit der Absichten nennen die Autoren Quellen, die davon reden, dass Abgesandte von Red Hat, Google, CoreOS, Huawei und zwei nicht näher genannten großen Anwendern an den Diskussionen beteiligt seien.

Das Hauptproblem scheint die Integration von Swarm in den Docker Core zu sein. Ein Docker-Fork könnte indes für größere Probleme sorgen, wie ein Nutzer im eingangs erwähnten Thread hervorhebt:

AWS doesn’t want to support Swarm, because it gives people portability off of their cloud. Google doesn’t want to support swarm, because K8s [Kubernetes, Anm. d. Red.] is a trojan for Google Cloud. No one else wants to support swarm because it competes with their products.
That said, what’s happening right now, if we are not careful, will fragment the container ecosystem, and it make it impossible for single containers to target multiple runtimes.

Die Richtung, die Docker auf technologischer Ebene einschlage, sei durchaus zu begrüßen. Lediglich die Implementierung sowie die Release-Politik sei problematisch: „I was impressed by the first RC release, and then terrified that they released a RC as production.“

Ernste Probleme in Docker-Land?

Es bleibt natürlich die Frage, wie ernst die Situation wirklich ist: Ist es so, dass sich lediglich einige Ökosystem-Anbieter auf den Schlips getreten fühlen, oder birgt die aktuelle Situation wirklich die Gefahr, dass es letzten Endes zu einem Docker-Fork kommt, der die Community spaltet?

Docker hat es geschafft, Container für jeden Entwickler zugänglich zu machen; dass es dabei Unternehmen gibt, die mit ihren Services und Diensten darauf aufbauen, war nur eine Frage der Zeit. Zu einem kompletten Fork muss es dennoch nicht kommen – auch wenn Red Hat beispielsweise einen eigenen Docker-Fork pflegt, der zahlreiche Patches für bekannte Docker-Probleme beinhaltet.

So wäre ein stabiles Release des Docker-Image-Formats denkbar, zu der parallel eine von der OCI – die Open Container Initiative – gepflegte Runtime bereitgestellt werden könnte. Docker könnte in diesem Szenario mit der Docker Engine weiterarbeiten, während andere auf einen „langweiligen“, aber verlässlichen Standard setzen könnten.

Die Zukunft wird zeigen, in welche Richtung diese inoffiziellen Diskussionen führen werden. Fakt ist, dass Docker nicht zum ersten Mal unter Beschuss gerät. Die Frage ist nur, ob die aktuelle Kritik – viele Innovationen, die zu Lasten der Stabilität und Abwärtskompatibilität gehen – die richtige Grundlage für die Diskussionen sind.

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Tom Wießeckel
Tom Wießeckel
Thomas Wießeckel war von 2009 bis 2017 Redakteur bei Software & Support Media. Seine Themengebiete umfassen Webtechnologien und -Entwicklung sowie die Bereiche Mobile Development und Open Source. Er arbeitete an regelmäßig erscheinenden Magazinen wie dem PHP Magazin mit und hat das Magazin Mobile Technology ins Leben gerufen. Vor seiner Zeit als Redakteur hat er als freier PHP- und Frontend-Entwickler gearbeitet.
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