containerd und rkt als Projekte der Cloud Native Computing Foundation

Docker und CoreOS spenden Container-Runtimes

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / KUMOHD

Etwa drei Monate ist es her, seit Docker Inc. das Kernstück von Docker als eigenständiges Projekt unter dem Namen containerd ausgelagert hat. Damals wurde zudem verkündet, das Herz von Docker einer unabhängigen Stiftung spenden zu wollen. Gemeinsam verkündeten nun Docker und CoreOS die Spende von containerd und rkt.

Docker hält Wort. Mit diesen drei Worten lässt sich die aktuelle Entwicklung in der Container-Welt gut zusammenfassen. Die Geschichte geht so: Ende letzten Jahres machte Docker Inc. das Vorhaben bekannt, die Docker Runtime als unabhängiges Projekt unter der Schirmherrschaft einer anbieterneutralen Stiftung weiterentwickeln zu lassen (JAXenter berichtete).

Spende von containerd nun offiziell

Mit der Ankündigung wurde die Docker Core Runtime in ein separates Projekt ausgelagert, das den Namen containerd trägt. Mit der Ankündigung, diese einer unabhängigen Stifung zu spenden, wurde die stürmische See beruhigt und die Wogen geglättet. Grund für den Aufruhr war die Integration von Docker Swarm in den Docker Kern; man warf Docker Inc. vor, alternative Orchestrierungslösungen wie Kubernetes bekämpfen zu wollen.

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Vorgestern war es dann schließlich soweit: Docker-Gründer Solomon Hykes kündigte auf dem Blog von Docker an, dass ein großer Schritt getan ist: containerd wurde dem Technical Oversight Committee (TOC) der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) vorgestellt. Damit folgten der Absicht von Docker Inc., containerd zu spenden, nun hochoffiziell Taten. Noch in diesem Monat rechnet Hykes mit der Bestätigung seitens der CNCF.

Technisch gesehen ist containerd so designt, dass es sich mühelos in sogenannte Higher Level Systems einbetten lässt. So können diesen Systemen die Grundkapazitäten der Container-Technologie zur Verfügung gestellt werden. Das Herzstück der Docker-Plattform kann so, frei von ungewünschten Toolings und Zusätzen, etwa in Kubernetes weiterschlagen.

Das Herz der Docker-Plattform: containerd / Quelle: Blog von Docker

Auch rkt wird CNCF-Projekt

Doch nicht nur Docker Inc. machte vorgestern die Spende einer essentiellen Komponente an die Cloud Native Computing Foundation publik. Gemeinsam mit Docker veröffentlichte Brandon Philips, CTO von CoreOS, einen Beitrag auf dem Unternehmensblog, in dem er mitteilte, dass auch sein Unternehmen willig sei, ein Projekt der CNCF zu spenden. Die Rede ist hierbei vom Container-Manager rkt.

Im Gegensatz zu containerd lässt sich das Daemon-lose Tool rkt (gesprochen „rocket“) auch dazu verwenden, spezialisierte Container zu integrieren und auszuführen, die für die Nutzung in Produktionssystemen wichtig sind. Auch die Integration und Nutzung von rkt in Linux init-Systemen ist möglich, da es selbst kein init-System ist.

Warum die CNCF?

Brandon Philips: We are also eager to see acceleration in the rkt project’s collaboration with other CNCF ecosystem projects like Kubernetes, gRPC, and Prometheus.

Mit der Fertigstellung von Kubernetes 1.0 hatte sich Google im Juli 2015 mit der Linux Foundation zusammengetan, um die Cloud Native Computing Foundation zu gründen. Seitdem hat Kubernetes stetig an Popularität und Wichtigkeit in der Welt der Container-Technologie zugenommen und ist heute, keine zwei Jahre später, eines der wichtigsten Tools für die Orchestrierung von Containern.

Zu den offiziellen Gründen, warum containerd gerade der CNCF gespendet werden soll, zählt natürlich die bereits aktuell bestehende Verbindung zwischen Docker und Kubernetes. Aber auch die starke Verbindung zu anderen Projekten der Foundation spielt natürlich eine Rolle. Zu gRPC etwa, das containerd nutzt, um sein API offenzulegen oder zu Prometheus, für das die von containerd ausgegebenen Metriken bereits passend formatiert werden.

Solomon Hykes: Moving forward, we and key stakeholders from the Kubernetes project believe that containerd 1.0 can be a great core container runtime for Kubernetes.

Die Nähe zu Kubernetes wird dabei auch im Blog von rkt betont. Diese soll durch die Spende von rkt noch vergrößert werden, doch bereits jetzt ist rkt für die Nutzung Teil des Kubernetes Container Runtime Interfaces (CRI) verfügbar. Kein Wunder, schließlich war CoreOS bei der Entwicklung dieses Interfaces aktiv beteiligt.

Natürlich wird auch der Druck der Community und die anhaltenden Streitigkeiten gerade für Docker Inc. eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben, containerd an eine unabhängige Stiftung abzugeben. Fakt ist, dass die gewaltige Userbase, die mit Docker, rkt, Kubernetes und anderen Projekten aus dem CNCF-Ökosystem arbeitet, nun erst einmal aufatmen kann.

Gemeinsam in die Zukunft

Laut der Roadmap, die Docker für containerd 1.0 veröffentlicht hat, soll im Juni dann das große Release stattfinden. Bereits jetzt sind sich aber Docker Inc. und die Stakeholder des Kubernetes-Projektes einig, dass containerd eine großartige Container-Kernruntime darstellt.

Was den tatsächlichen Einsatz der Technologien angeht, wird sich für die Anwender zunächst nichts ändern: die Verwendung von rkt und containerd ist durch das Proposal nicht beeinträchtigt. Auch die jeweiligen Entwicklungs-Teams werden ihren Bemühungen und ihrer Arbeit weiterhin nachgehen. Dennoch haben die jüngsten Ereignisse selbstverständlich eine Signalwirkung und die ist manchmal ja wichtiger als technische Innovation. Ob die Annäherung zwischen all den Container-Tools und -projekten letztlich zum vielgewünschten einheitlichen Container-Format führen wird, bleibt dabei natürlich weiterhin reine Spekulation.

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Die offizielle Präsentation der Proposals von containerd und rkt ist in Form eines Google Docs veröffentlicht worden. Alle Informationen zu den aktuellen Entwicklungen gibt es auf dem Blog von Docker bzw. CoreOS.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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