Interview mit Viktor Facic, Senior Consultant bei CloudBees

„Docker 1.12 ist wahrscheinlich das wichtigste Release seit Version 1.0“

Gabriela Motroc

Viktor Farcic

Diskussionen über einen möglichen Docker Fork haben jüngst die Gemüter der Community erhitzt. Unterstützt die eine Gruppe Docker 1.12 und hebt die Stärken des integrierten Docker Swarm hervor, betont die andere, dass die Entwicklerwelt jetzt zu allererst eine stabile Kern-Infrastruktur ohne belastende Orchestrierungslösung benötigt. Wir haben Viktor Farcic, Senior Consultant bei CloudBees, nach seiner Meinung zu Docker 1.12 gefragt und darum gebeten, Position in der Docker-Fork-Debatte zu beziehen.

JAXenter: Hast Du Docker 1.12 ausprobiert? Wie war dein erster Eindruck?

Viktor Farcic: Ja, das habe ich. Und ich glaube, dass Docker damit einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Das ist wahrscheinlich das wichtigste Release seit Version 1.0.

JAXenter: Docker 1.12 enthält ja eine eingebaute Lösung zur Container-Orchestrierung. Hat das die Arbeit mit Docker für dich vereinfacht?

Viktor Farcic: Die eingebaute Orchestrierung ist der große Star von Version 1.12. Ich glaube, dass Swarm dadurch wieder auf den richtigen Weg gebracht wurde und bewiesen hat, dass es ein würdiger Kandidat auf die Vorherrschaft in Sachen Container-Orchestrierung ist.

JAXenter: Nun gibt es aber eine kontroverse Debatte um Swarm und auch einen kritischen Hacker News Thread über die vermeintlichen Fehler von Docker 1.12. Hast du irgendwelche Schwachstellen bemerkt?

Viktor Farcic: Version 1.12 hatte durchaus einige Schwächen. Seitdem ich allerdings Version 1.12.1 benutze, hatte ich keine Schwierigkeiten mehr. Natürlich gibt es Schwachstellen, aber das war zu erwarten. Immerhin ist der Swarm Mode ja ein komplett neues Produkt, da ist es normal, dass es zu Pannen kommt. Meiner Meinung nach stellt aber keine davon in Version 1.12.1 mehr ein K.O.-Kriterium dar. Ich empfehle die Verwendung der neuen Version von Swarm (die mit der Docker Engine gebundelt wurde).

Ich glaube nicht, dass jemand ernstlich die Absicht hat, Docker zu forken.

JAXenter: Die größte Kritik bezieht sich auf die Integration von Docker Swarm in den Core. Andrew Guenther von AWS schrieb: „Speaking of 1.12, my heart sank when I saw the announcement. Native swarm adds a huge level of complexity to an already unstable piece of software.“ Kannst du diese Kritik nachvollziehen?

Viktor Farcic: Nun, ich stimme Andrew insofern durchaus zu, dass dieser Kritik eine gewisse Logik zugrunde liegt; ich teile seinen ausgeprägten Pessimismus aber nicht. Die Leute bei Docker hatten den Mut, etwas Neues ausprobieren und haben es getan. Die Einfachheit (aus Usersicht) hinter ihrer Arbeit ist erstaunlich. Eine Zeit lang haben sie die Docker Engine so leicht verwendbar gemacht, dass die Adaptionsrate in die Höhe schnellte. Jetzt machen sie das gleiche mit der neuen Orchestrierung. Die Orchestrierung wurde so implementiert, dass jeder auf den Zug aufspringen kann.

JAXenter: Auch über einen möglichen Docker Fork wurde diskutiert. Wie siehst du das? Brauchen wir wirklich nur eine grundlegende Container-Infrastruktur oder sollte Docker weiterhin neue Features hinzufügen und wachsen?

Viktor Farcic: Ich glaube nicht, dass jemand ernstlich die Absicht hat, Docker zu forken. Darüber kann leicht gesprochen werden; die Unterstützer des Forks erreichen aber keine kritische Masse. Alle Mitwirkenden, die ich kenne, sind sehr zufrieden und haben nicht vor, an irgendeinem Fork mitzuarbeiten. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass ein Fork ohne eine beträchtliche Investition an Zeit und Wissen erfolgreiche wäre.

Es sind Jahre seit der letzten wirklich innovativen Verbesserung in der Java Welt vergangen. Ich möchte nicht, dass Docker das Gleiche passiert.

Das Problem liegt meiner Meinung nach woanders. Viele Unternehmen möchten ein Stück vom Kuchen abhaben und Docker ist (samt Ökosystem drum herum) ein zu großer Hype, um ignoriert zu werden. Die meisten Menschen können damit allerdings nicht Schritt halten und fangen darum an, sich zu beschweren. Dass auf Erfolge mit Kritik reagiert wird, ist normal. Ich tendiere dazu, das zu ignorieren, solange es hauptsächlich um Diskussionen geht und nicht um tatsächliche Beteiligungen, die dabei helfen, das Projekt zu verbessern.

Ich würde insofern jeden ermutigen, den Code zu forken und auszubessern, statt sich zu beschweren, weil sich Docker, so lese ich zwischen den Zeilen heraus, zu schnell vorwärts bewegt. Ich wünsche mir eine Industrie, die sich rasant entwickelt! Das letzte, was ich für Docker wünschen würde, wäre, dass es sich in ein Projekt verwandelt, das vor allem mit der Pflege der Abwärtskompatibilität beschäftigt ist.

Man schaue sich nur mal das andere Extrem an. Java konzentriert sich vor allem auf die Abwärtskompatibilität und die Stabilität. Natürlich hat diese Ausrichtung ihren Wert, allerdings sind auch Jahre seit der letzten wirklich innovativen Verbesserung in der Java-Welt vergangen. Ich möchte nicht, dass mit Docker das gleiche passiert.

JAXenter: Was fehlt Deiner Meinung nach in Docker 1.12 und sollte Teil von Version 1.13 werden?

Viktor Farcic: Version 1.13 sollte sich auf die Stabilität bereits vorhandener Features konzentrieren. Danach (in Release 1.14) sollten wir uns einer besseren Lösung für verteilten Speicherplatz zuwenden.

Vielen Dank für das Interview!

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Viktor Farcic is a Senior Consultant at CloudBees. He coded using a plethora of languages starting with Pascal (yes, he is old), Basic (before it got Visual prefix), ASP (before it got .NET suffix), C, C++, Perl, Python, ASP.Net, Visual Basic, C#, JavaScript, etc. He never worked with Fortran. His current favorites are Scala and JavaScript even though most of his office hours are spent with Java. His big passions are microservices, Continuous Deployment and Test-driven Development (TDD).

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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