Die Zukunft des Programmierens

Astrid Spier

Das Faszinierende am Programmieren ist die Vielfalt an Möglichkeiten, Neues zu schaffen, kreativ und innovativ zu arbeiten und sich ständig weiterzuentwickeln. Schon immer haben sich Programmierer auf neue Programme, Sprachen und Anforderungen eingestellt, doch gerade heute in Zeiten von Big Data und dem Ende der Dominanz des Desktop PCs verändern sich die Bedingungen und Erwartungen an Programmierer in rasantem Tempo: Edd Dumbill, Analyst und Autor des Blogs O’Reilly Radar, hat einen Ausblick in die Zukunft des Programmierens gewagt.

Früher geschah das Programmieren fast immer am PC für PCs, doch das ist längst anders. Heute hat ein  Entwickler die Wahl zwischen Web-Programmen, mobilen Anwendungen und Big Data sowie einer Vielzahl unterschiedlicher Betriebssystemen. Daher rücken immer mehr Faktoren wie die Nebenläufigkeit, die Asynchronität, Locking, Protokolle oder die Netzwerk-Kommunikation in den Vordergrund. Auf einer höheren Ebene erleichtert die Cloud die Aufgaben des Programmierers, da unterschiedliche Netzwerke und Rechner nicht länger unterhalten werden müssen. Auf der Anwendungsebene stellen Frameworks Muster und Bausteine bereit, die es erleichtern, für unterschiedliche Geräte zu programmieren oder Anwendungen anzupassen. Auch auf der Sprachebene sehen wir wichtige Entwicklungen, wie etwa Go oder Scala, die die Nebenläufigkeit oder das Vernetzen von Computern erleichtern.

Die Gerätevielfalt – wenn der Toaster zur Herausforderung wird

Dabei macht die Gerätevielfalt längst keinen Halt mehr bei PCs, Macs, Smartphones oder Tablets, denn auch viele Alltagsgegenstände in unserem Haushalt – vom Toaster über die Kaffeemaschine bis hin zur Musik-Anlage oder dem Fernseher – verfügen inzwischen über weit mehr Funktionen als das bloße Ein- und Ausschalten. Aus diesem Grunde sollten Entwickler ihr Aufgabenfeld fächern und neben Computern, Mobiltelefonen und Tablets auch die bedeutenden Fortschritte in der  Weiterentwicklung von Autos, Dronen, Smartdust oder Devices wie Google Glass nicht außer Acht lassen. Anzunehmen ist außerdem, dass sich der Fokus in Zukunft vom objekt-orientierten Programmieren auf ein datenbezogenes Programmieren verschieben wird. Schließlich müssen die Unmengen an Informationen verwaltet und geordnet, bzw. analysiert werden, wozu neue Programme entwickelt werden müssen.

Programmieren verliert an Exklusivität

Der offene Zugang zu Computern, Tablets und anderen Medien demokratisiert das Programmieren, und immer mehr Menschen beherrschen einen zumindest grundlegenden Umgang mit einfachen Programmiersprachen oder Tools zum Ertstellen von Webseiten. In Zukunft wird sich daher die Frage stellen, wie man solchen Hobbyprogrammierern helfen kann, verlässliche Programme zu erstellen, ohne dass sie sich zu sehr in Details vertiefen müssen und selbst ohne Fachausbildung Ergebnisse liefern können.

Die Verantwortung wächst

Da immer mehr Aspekte unseres Lebens von Computern abhängen, erwächst den Programmierern eine große Verantwortung, und so ist es auch an der Zeit, sich Gedanken über mögliche Gefahren der Programmiertätigkeit zu machen. Edd Dumbill vergleicht die derzeitige Entwicklung mit dem Bauen eines Kartenhauses: Je mehr Elemente eingesetzt werden, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlern, die schlimmstenfalls Schlupflöcher für Malware bieten können, die das ganze Kartenhaus zum Einsturz brächten. Tatsächlich lassen sich komplexe Programme in ihrer Ganzheit inzwischen kaum mehr im Kopf durchgehen, sodass größere Projekte in unabhängige Frameworks und Bundles unterteilt werden, die dann zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden.

Geschrieben von
Astrid Spier
Astrid Spier
Astrid Spier arbeitet seit Juli 2012 als Redaktionsassistentin bei S&S Media. Im Mai 2011 hat sie ihren Master in Germanistik in den Vereinigten Staaten erhalten. Durch die enge Verbindung von Journalismus und Germanistik hat sie in den USA journalistische Erfahrungen sammeln können und Artikel zur interkulturellen Verständigung für den Blog der Universität geschrieben. Im März 2013 hat sie ihr Staatsexamen mit den Fächern Englisch und Deutsch in Mainz abgeschlossen.
Kommentare
  1. Heiner Kücker2013-07-25 11:19:04

    Mich hat vor allem der Abschnitt "Die Verantwortung wächst" beschäftigt. Ich hatte schon des öfteren mit Programmen zu tun, bei denen es um Geld ging. Scheinbar gibt es keine so richtigen Richtlinien, welche Qualität so eine Programm haben muss. Ich denke da an Typsicherheit, aber auch an so einfaches wie Rundungsregeln. In vielen Qualitätsbüchern geht es nur um das Testen, aber Qualität kann man in ein Programm nicht reintesten. Das einzige greifbare gab es in einem Buch über medizinische Software.
    Ich nehme mal an, es wird mit der Softwareerstellung so ablaufen wie mit dem Autofahren. Schon mal gesehen, die ersten Autos hatten die Fahrgestelle von Pferdekutschen, einen Führerschein gab es nicht, wahrscheinlich auch keine Verkehrsregeln, oder nur die für Pferdekutschen gültigen. Demzufolge nehme ich an, dass es einen Führerschein, eine Kammer-Zertifizierung oder ähnliches für die Erstellung/Änderung sicherheitsrelevanter Software geben wird. Andererseits wird es auch technische Sperren geben, ähnlich zu mechanischen Schlössern, kann man knacken, ist dann aber schon strafbar und setzt kriminelle Energie voraus. So kann man eventuell Daten von der Insulinpumpe oder dem Herzschrittmacher ins Smartphone übertragen um sich eine Statistik anzeigen zu lassen, Daten dorthin senden darf aber nur ein Arzt.

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