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GitHub als Echtzeit-Lebenslauf?

Die Zukunft des Developer Recruitments: GitHub

Dominik Mohilo

©Shutterstock/Jirsak

Was könnte eine bessere Visitenkarte sein, als gute Arbeit? Doch gerade als Entwickler ist es schwer in einem klassischen Bewerbungsverfahren gute Arbeit nachzuweisen. Lösbar wäre das Problem allerdings – wenn GitHub mitspielt.

Wenn es um Recruitment geht, sind viele Firmen konservativ. In unserer vernetzten und interaktiven Welt wäre eigentlich sehr viel Platz für kreative und einfallsreiche Selbstdarstellung im Bewerbungsverfahren. Doch alle Bemühungen sind vergeblich, wenn Personaler auf einer „klassischen“ Bewerbung, mit Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnissen bestehen.

Die Crux mit dem Lebenslauf

In der engen Verfahrensweise der klassischen Bewerbung ist für einen Nachweis guter Programmierarbeit praktisch kein Platz: Üblicherweise werden die eingesendeten Bewerbungsunterlagen im internen System der IT-Recruiter gespeichert und bei Bedarf nach dem passenden Keyword durchsucht. Hat man im Lebenslauf etwa Kenntnisse in HTML angegeben und es wird nach „HTML“ gesucht, ist die Chance groß, dass man in den Augen der Personalabteilung als qualifiziert gilt und es in die nächste Runde des Bewerbungsprozesses schafft.

Die zweite Runde besteht für gewöhnlich aus einem irgendwie gearteten Online-Test, bei dem es darum geht, mit den anderen Kandidaten anhand der erreichten Punktezahl ausgesiebt und vorbewertet zu werden. Diese Tests finden in abgeschotteten und künstlichen Testumgebungen statt.

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Ist das überstanden, stehen möglicherweise eine Reihe von Face-to-Face-Meetings an, bei denen die Jobanwärter davon überzeugt werden sollen, dass es sich bei dem Unternehmen nicht um ein weiteres 08/15-IT-Unternehmen handelt. Die Bewerber hingegen versuchen die Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass sie einer der berühmt-berüchtigten 10x-Entwickler sind.

Liz Ryan, CEO und Gründerin von Human Workplace hat dieses Bewerbungsverfahren in wenigen Worten zusammengefasst:

The recruiting process is profoundly broken. Every aspect of the traditional recruiting system is badly designed and badly executed.

Bewerbungen via GitHub

Einen völlig anderen Ansatz dafür, wie das Entwickler-Anwerben der Zukunft aussehen sollte, hat Matthew Casperson in seinem Blogpost vorgeschlagen. Er ist von einem Headhunter mit folgender Nachricht angesprochen worden:

We have analyzed your open source contributions on Github and have concluded that your experience could be a good fit for the position of Frontend Developer.

Warum nicht, fragt Casperson sich, die Arbeitgeber und -nehmer basierend auf der realen Arbeit, die sie leisten und geleistet haben, zusammenführen? Das sei jedenfalls besser, als Arbeitsverhältnisse auf der Basis leerer Worte im Lebenslauf oder bei Bewerbungsgesprächen abzuschließen. Man stelle sich vor, Arbeitnehmer und Arbeitgeber könnten das Profil des jeweils anderen bei GitHub betrachten. Dann könnten sie, basierend auf der Qualität der geleisteten Open-Source-Beiträge, bewerten, ob sie zueinander passen. Beide hätten einen Account und würden checken, ob vom anderen

  • an Projekten gearbeitet wurde, bei denen Code in Programmiersprache X geschrieben wurde
  • der Code gut dokumentiert wurde
  • Unittests durchgeführt wurden
  • ein Build Script verwendet wird, um sich wiederholende Builds zu erstellen
  • die Nützlichkeit von Pull Requests demonstriert wird
  • sinnvolle Versionsstrategien angewendet werden

(Diese Liste dient nur als grobe Orientierung. Wer ein umfangreicheres Portfolio von Qualitätsmerkmalen sucht, dem wird der Joel-Test vielleicht weiterhelfen.)
Stimmen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in diesen Punkten überein, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie technisch zusammenpassen.

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Spielt GitHub mit?

GitHub könnte an dieser Stelle also eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Plattform die Möglichkeiten bieten würde, diese Parameter in Form einer Suchanfrage abzufragen. Allein aus kommerzieller Sicht wäre diese Form eines „Echtzeit-Lebenslaufes“ für Entwickler sicher ein großer Coup für den sehr beliebten Filehosting-Dienst. Für IT-Recruiter und Entwickler wäre es jedenfalls wichtig, wenn GitHub dabei hülfe, steife und überholte Auswahlverfahren endlich zu modernisieren und den Bedürfnissen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen anzupassen – für eine technisch möglichst perfekte Zusammenarbeit.

Aufmacherbild: Curriculum vitae saved on internet. Human resources officer click on virtual curriculum vitae button. von Shutterstock / Urheberrecht: Jirsak

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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1 Kommentar auf "Die Zukunft des Developer Recruitments: GitHub"

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Simon
Gast

Mh, bitte nicht. „Do one thing and do it well.“
Klar ist ein Github-Profil mit anständigem Code eine coole Referenz. Aber das kann man doch bitte selbst noch in seinen Bewerbungsunterlagen und Profilen der Karrierenetzwerke hinterlegen. Genauso wie Firmen das in Auschreibungen tun könnten.
Derartige Auswüchse auf Github selbst würden die Plattform meiner Einschätzung nach nachhaltig zerstören.