Super-CIO

Die Zukunft des CIO: Von der Information zur Interaktion?

Jeff Sussna

© Shutterstock.com/Cartoonresource

Jeff Sussna ist der Ansicht, dass ein Paradigmenwechsel, von der Information hin zur Interaktion, im Gange ist. Um diesen Wandel mit voranzutreiben, sollten CIOs ihre Position neu bewerten und sich darauf konzentrieren, den Unternehmen dabei zu helfen, die Relevanz der digitalen Interaktion zu verstehen.

Das Schicksal des Chief Information Officer (CIO) befindet sich derzeit im Zentrum einer heftigen Debatte. Manche wollen ihn durch einen Chief Digital Officer ersetzen, wieder andere wollen seine Position mit der des Chief Marketing Officer verschmelzen. Und dann sind da noch jene, die eingedenk der ständig steigenden Abhängigkeit moderner Unternehmen von digitalen Technologien die Ansicht vertreten, dass der CIO in seiner aktuellen Ausprägung wichtiger ist denn je.

Verständnis und Bewertung

Mit allem Respekt für all diese Ansichten: Ich glaube, wir zäumen das Pferd von hinten auf. Um die angemessene Rolle und Position des CIO genau beurteilen zu können, müssen wir zunächst die Evolution der IT als Ganzes verstehen. Wenn wir nicht wissen, wie sie selbst sowie ihr Verhältnis zum Rest des Geschäftslebens sich vermutlich entwickeln wird, wie können wir dann jemals hoffen, die von einer Führungskraft zu erbringenden Funktionen und Eigenschaften richtig abzuschätzen? Würde die IT beispielsweise einem der vorhergesagten Extrempfade folgen und sich vollständig im größeren Business auflösen, dann wäre die gesamte Diskussion um das Schicksal der CIOs irrelevant.

Die IT sowie die Unternehmen, denen sie dient, machen zur Zeit massive Transformationen durch. Ich stelle deshalb die Vorhersagbarkeit beider Prozesse in Frage und behaupte, dass der Versuch einer Definition des CIO der Zukunft verfrüht ist. Tatsächlich glaube ich, dass das Problem noch deutlich tiefer geht. Ich finde, es ist an der Zeit, die Relevanz des Begriffs „Informationstechnologie“ selbst in Frage zu stellen.

Die IT ist längst nicht mehr dafür verantwortlich, „Informationen“ zu generieren oder zu verwalten. Die Tage, in denen Unternehmen in erster Linie nach nächtlichen Inventarberichten verlangten und sich auf sogenannte „Management-Informationssysteme“ verließen, sind vorbei. Stattdessen entwickelt die IT sich zu einem Medium, durch das Unternehmen sowohl intern als auch nach außen – mit ihren Kunden – kommunizieren.

Die digitale Welt durchdringt zunehmend auch unsere Alltagswelt. Unsere Interaktionen mit Ämtern, Unternehmen sowie Freunden und Familie finden vermehrt online statt. Genau wie wir von Bund und Kommunen erwarten, dass sie sich um den Bau von Straßen kümmern, die wir für die Fahrt zum Supermarkt nutzen, erwarten Kunden und Angestellte von der IT, dass diese das digitale Substrat, mit dessen Hilfe sie auf elektronischem Wege zusammenarbeiten, bereitstellt und wartet.

Die genaue Struktur und Verortung dieses „IT“ genannten Dings wird sich erst noch zeigen. Allerdings steht „IT“ nun eher für „Interaktionstechnologie“ als für „Informationstechnologie“. Gesetzt den Fall, dass es den CIO auch in Zukunft noch geben wird, wird die Abkürzung deshalb eher für „Chief Interaction Officer“ denn für „Chief Information Officer“ stehen.

Angesichts der Unsicherheit ihrer Zukunft stellt sich also die Frage: Was sollten CIOs tun? Ganz einfach: Das Pferd von der richtigen Seite her aufzäumen! Sich darauf konzentrieren, den Unternehmen die Wichtigkeit der digitalen Interaktion klar zu machen. Dieses Verständnis dafür nutzen, das vorhandene Budget und die vorhandene Manpower so gut es eben geht für die Interaktion zwischen den Mitarbeitern und dem Markt einzusetzen. Die verschiedenen zur Verfügung stehenden Werkzeuge, egal ob öffentlich oder privat, Cloud oder Rechenzentren, als Implementierungsdetails behandeln.

Wenn ich mit der Verschiebung von der Information hin zur Interaktion Recht behalten sollte, und die CIOs den Unternehmen bei der Interaktion effektiv helfen, wird sich ihre Zukunft ganz natürlich entwickeln. Genau wie die Geschäftswelt als Ganzes brauchen sie für den Schritt in die ungewisse Zukunft Mut und Vorstellungskraft. Letztendlich wird sich Name und die genaue Beschafftenheit ihrer Position aus ihrer Arbeit ergeben.

Jeff Sussna ist live auf der JAX London (12. bis 14. Oktober 2015) zu erleben. Seine Session: From Design Thinking to DevOps and Back Again

Dieser Artikel ist im Original auf Ingineering.IT erschienen.

Aufmacherbild: „What we really need in IT is someone who has super powers.“ von Shutterstock / Urheberrecht: Cartoonresource

Geschrieben von
Jeff Sussna
Jeff Sussna
Jeff Sussna is the founder of Ingineering.IT, a Minneapolis technology consulting firm that helps enterprises and Software-as-a-Service companies adopt 21st-century IT tools and practices. He is also the author of ‘Designing Delivery: Rethinking IT in the Digital Service Economy’ and is a regular speaker on the topics of design and DevOps.
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