JavaOne: Web Services und Wireless Java im Vordergrund

Die Straßen von SF

Kay Glahn und Sebastian Meyen

Dicke bärtige Herren knattern mit ihren Harleys rund um das Moscone Center, ihre polierten Gefährte mit Fahnen verziert, auf denen das Sun-Logo prangt. In der Luft kreist ein Flugzeug, ein Spruchband hinter sich ziehend mit dem Titel Your Search is over, Codernauts – eine Anspielung auf eine aktuelle Werbekampagne von IBM, in welcher merkwürdig vermummte Typen (die Codernauten) auf der Suche nach der wirklichen Offenheit sind. Die Suche ist zuende, Sun Microsystems will die vollkommene Offenheit auf seiner JavaOne bieten, so viel sagt uns das Transparent.

Momentan ist aber noch gar nichts offen, rechts und links des Haupteingangs zum Moscone Center ziehen sich endlose Reihen von Menschen, welche geduldig darauf warten, zur Opening Keynote eingelassen zu werden. Erwartet werden 20.000 Teilnehmer zu dieser sechsten JavaOne [1], der größten und wichtigsten Veranstaltung zum Thema Java-Technologie. Das sind im übrigen etwa 17 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, die Kürzung zahlreicher IT-Budgets und die neue Sparsamkeit im Umgang mit Reise-Budgets sind wohl dafür verantwortlich, dass so viele Leute auf eine angenehme Dienstreise verzichten mussten. Immerhin sei der Rückgang vergleichsweise gering, erklärte George Paolini, Vice President of Technology Evangelism bei Sun Microsystems.
Angesichts der unermesslichen Fülle an Nachrichten und Neuankündigungen zur JavaOne erhebt unser Bericht auf den folgenden Seiten keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist vielmehr die Summe der Erfahrungen, Diskussionen und Eindrücke der Tage im Moscone Center und stellt auf der einen Seite die dominierenden Themen der Konferenz heraus und bietet auf der anderen Seite einen eher subjektiv geleiteten Rundgang durchs Geschehen.

Opening Keynote

Schließlich haben 17.000 erwartungsvolle Teilnehmer im riesigen Saal des Moscone Centers ihren Platz gefunden, die Show kann beginnen. John Gage, Chief Researcher, begrüßt uns mit Hilfe einiger Kollegen in den Sprachen Englisch, Mandarin und Japanisch und kündigt an, sämtliche Unterlagen auf der JavaOne-Website ebenfalls in diesen drei Sprachen zu präsentieren. Dieser Verzicht auf die üblicherweise vorherrschende englischsprachige Eingleisigkeit zeigt an, wo auf diesem Planeten für Sun die Märkte der Zukunft liegen.
Der weitere Verlauf der Eröffnung gliedert sich im Grunde in drei Teile: die Präsentation einiger Partner, welche ihre Java-basierten Geräte und Technologien vorführen dürfen; die Ankündigung des diesjährigen, alles andere in den Schatten stellenden Themas Web Services und schließlich ein paar richtige Fakten bezüglich neuer Java-Features. Der Reihe nach.

Abb. 1: Im Keynote-Saal des Moscone Centers in San Francisco

In eigener Sache präsentiert Ed Zander das große Thema Web Services, wie es in seinem Hause definiert wird. Dort heißt es bekanntlich Sun ONE [2] und stellt ein bis heute unklares Gepicturee dar, in welchem Technologie-Standards sowie Sun- und iPlanet-Produkte miteinander verschmelzen. Wichtiger jedoch für die Java-Community ist die Frage, wie das Thema Web Services künftig aus technologischer Sicht angepackt werden soll.

Web Services im Zentrum

So eröffnet uns am ersten Tag während seiner Keynote Rich Green, seines Zeichens Vice President und General Manager Java Software Development, wie es weiter gehen soll mit den Diensten in Web. In Vorbereitung befindet sich im Rahmen des Java Community Process [3] ein sogenanntes Web Services Pack, eine später frei verfügbare Sammlung von XML APIs und neuen sowie bekannten Technologien. Nach und nach werden nach seinen Worten fünf APIs verfügbar sein, mit welchen sich einfache, Standard-basierte Web Services auf Grundlage von Java und XML realisieren lassen. Im einzelnen sind dies:

  • Java API for XML Processing (JAXP) [4] ist das einzige der fünf angekündigten XML APIs, welches bereits heute vorliegt und in erster Linie dazu dient, verschiedene XML-Parser anzusprechen beziehungsweise diese bei Bedarf auszuwechseln. JAXP liefert Flexibilität bei der Wahl der XML-Software, ohne dass Entwickler sich auf einem tieferen Level an einen bestimmten Hersteller oder ein bestimmtes Produkt binden müssen. Unterstützt werden die gängigen Standards wie DOM, SAX und XSLT.
  • Das JAXB genannte Java API for XML Binding [5] (früher Project Adelard) stellt ein Toolset für das automatisierte Mapping von XML-Schema in Java-Objekte und umgekehrt dar; damit lassen sich XML-kodierte Daten auf einfache Weise in Java-Klassen umsetzen, welche dann in der Lage sind, wohlformatierte XML-Daten zu generieren.
  • JAXM heißt der ebenfalls in Vorbereitung befindliche Standard für XML-basiertes Messaging [6]. JAXM dient im Wesentlichen dem Empfangen und Versenden von allerlei XML-basierten Messages wie ebXML unter Verwendung von SOAP.
  • Zugang zu allen Standard-basierten Registries verspricht das Java API for XML Registries (JAXR) [7]. Dieses Interface ermöglicht es, von Java-Anwendungen aus UDDI-basierte Registries im Web anzusprechen.
  • Schließlich gibt es noch das Java API für Remote Procedure Calls (JAX-RPC) [8], welches auch den Export WSDL-basierter Dokumente regelt.

Diese fünf APIs werden, sobald vollständig verfügbar, im sogenannten JAX-Pack zusammen gefasst und so den standardisierten Zugriff beziehungsweise die Implementierung aller Web Service-relevanten Dienste in Java zu ermöglichen, ohne in Eigenentwicklungen ausweichen zu müssen.
Ein weiteres wichtiges Feature des Web Services Pack werden die sogenannten JavaServer Faces sein, worunter man sich einen Mechanismus zum Erstellen grafischer Benutzer-Interfaces für Web-Applikationen vorstellen muss. JavaServer Faces sollen helfen, Browser-basierte Administrations-GUIs zu vereinheitlichen und dadurch einen hohen grafischen wie funktionalen Standard sichern. Da Server Faces im Grunde genommen nichts anderes als JSP-Anwendungen sind, liegt dem gesamten Web Services Pack noch ein alter Bekannter, nämlich Tomcat, bei. Wenn das gesamte Paket fertig gestellt ist, soll es außerdem Bestandteil künftiger Versionen der J2EE werden.

Mit dabei im Web Service-Orchester: JSP 1.2

Vor zwei Jahren wurden JavaServer Pages vorgestellt als Mechanismus, die Entwicklung von HTML-Frontends Java-basierter eBusiness-Anwendungen zu vereinfachen [9]. Eine Handvoll JSP-Aufrufe, verstreut im HTML-Code, diente dazu, auf einfache Weise ein Servlet anzusprechen, welches dann die eigentliche Arbeit übernahm und die HTML-Seite dynamisch generierte. An diesem Prinzip hat sich bis zur diesjährigen JavaOne im Grunde nichts geändert, jedoch hat die JSP-Spezifikation in ihrer Version 1.2 einige bedeutende Änderungen erfahren. Vor einem Jahr, mit der Version 1.1, wurde die JSP-Spec ansatzweise um die TagLibs erweitert [10]. Grundgedanke dieser Operation war es, häufig wiederkehrende Java-Code-Blöcke in HTML-ähnliche Tags zu kapseln, um den Webdesigner nicht mit Java-Programmcode zu verwirren. JavaServer Pages erfüllen seit diesen Tagen also drei Aufgaben: sie führen entweder den in der JSP enthaltenen Code aus, oder sie sprechen per Tag-Aufruf ein zugehöriges TagLib an oder aber ein Enterprise JavaBean wird aufgerufen.
Neu und interessant an der Spezifikation 1.2 ist nun, dass eine JSP nicht nur XML-Output generieren kann, sondern selbst zum wohlformatierten XML-Dokument wird. Außerdem hält XML auch Einzug in die TagLibs und stellt diesen auch eine Reihe von Metadaten zur Verfügung. Die Durchsetzung des gesamten JSP- und TagLib-Konzepts mit konsequenten XML-Standards sowie die neuen Servlet 2.3-Features wie Filter und Event Handling machen aus den JavaServer Pages weit mehr als nur ein Web-Frontend für Internet-Anwendungen. JavaServer Pages stehen bereit, eine wichtige Rolle im Web Services-Orchester zu spielen. Außerdem scheint es möglich, dass sich JSP zu einer Art Plattform innerhalb (oder oberhalb) der Java-Plattform mausert, mit einem reichhaltigen Markt an TagLibraries, Frameworks und Web Services. Warten wir’s ab.

Sun ONE

Ja, dieses schwierige Thema. Bei seiner Vorstellung sorgte das Projekt für einige Aufregung, denn man verstand nicht so recht, was Sun Microsystems mit der Sache meint. Die meisten der Sun-Mitarbeiter waren ebenfalls nicht recht informiert und redeten unklare Dinge über Standards und Produkte. So haben wir im Java Magazin bereits so etliche Male über Suns Vorstellung von der Konstruktion Web Service-fähiger Architekturen geschrieben und dargelegt, dass es sich bei Sun ONE in erster Linie nicht um etwas handelt, was mit dem Java Community Process und der Entwicklung der eigentlichen Java-Standards zu tun hat. Simon Phipps, Chief Technology Evangelist bei Sun, erläutert dies so: Sun ONE stelle erstens einen Architektur-Vorschlag dar, wie eine Software-Umgebung aufgebaut sein sollte, welche für alle künftigen Entwicklungen im Bereich der Web Services gewappnet sei. Zweitens enthalte Sun ONE einen Technologie-Vorschlag, welcher darlege, welche Technologien innerhalb dieser Architektur zum Einsatz kommen sollten (JSP, EJB, XML, SOAP, WSDL usw.). Und drittens möchte Sun Microsystems über die Sache auch als profitorientiertes Unternehmen sprechen, also vorstellen, welche seiner kommerziellen Entwicklungstools in dieses Schema hinein passen. In diesem Zusammenhang ist vor allem von iPlanet und den Forte-Tools die Rede. Interessanterweise habe ich auf der JavaOne zum ersten Mal Darstellungen gesehen, die diese Aspekte nicht bis zur Unkenntlichkeit vermischen – wir wollen sie Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten (Abpictureungen 2 und 3).

Unterm Strich zielt die Initiative auf eine Sache, die bei Sun Smart Web Services genannt werden. Smart bedeutet soviel wie kontext-orientiert, und das erläutert der sympathische Simon Phipps gerne anhand konkreter Beispiele: Ein normaler Web Service bietet vielleicht eine Art Kalender-Funktion, welche sowohl vom PC (Verzeihung, von der Sun Workstation!) aus wie auch vom PDA aufgerufen werden kann. Smart wird dieser Dienst dann beispielsweise dadurch, dass er verknüpft ist mit einem Navigationsdienst und sogleich den Anfahrtsweg oder den passenden Flugplan zum Meeting, das im Kalender verzeichnet ist, präsentieren kann. Vielleicht ist der Web Service sogar so smart, dass er per Global Positioning System (GPS) bereits darüber informiert ist, wo genau sich die betreffende Person befindet. Diese smarten Services setzen in technologischer Hinsicht bekanntermaßen auf XML, SOAP, WSDL, UDDI usw.

J2ME auf dem Weg zum Massenmarkt

Auf der diesjährigen JavaOne hat sich deutlich abgezeichnet, dass Java Anwendungen für mobile Endgeräte nicht länger reine Theorie sind. In den letzten beiden Jahren konnte man auf der JavaOne deutlich erkennen, dass das Thema Java 2 Micro Edition und Personal Java jedes Jahr wichtiger wurde [11]. Bisher konnte man aber noch keine echten Resultate zu Gesicht bekommen. Es ging immer nur um Spezifikationen oder erste Gehversuche mit Beispielprogrammen. Dieses Jahr konnte man hingegen deutlich erkennen, dass alle wichtigen Beteiligten, also sowohl Hersteller von Mobiltelefonen, als auch Software-Entwickler und Netzwerkbetreiber, voll hinter der Technologie stehen. Die, die noch keine fertigen Produkte vorstellen konnten, haben sie zumindest für die nahe Zukunft angekündigt.

Abb. 3: Handy total – Tetsuya Mori, Group manager for Business Development, voller Mobilgeräte

Ein weiteres Zeichen für den Erfolg von Java auf Mobiltelefonen ist, dass die Technologie bereits in mehreren Ländern erfolgreich im Einsatz ist und inzwischen überdrei Millionen Kunden auf mobile Java-Anwendungen zugreifen können. Neben den drei wichtigsten Netzbetreibern NTT DoCoMo, LG Telecom und Nextel, die bereits mobile Java-Anwendungen im Einsatz haben, unterstützen inzwischen auch immer mehr Hersteller von Mobiltelefonen die MIDP-Plattform auf ihren Endgeräten. Ein wichtiges Thema war in diesem Zusammenhang die Kooperation von Motorola und Nextel, die seit kurzem in Nordamerika die ersten Java-Anwendungen über ihr Netz anbieten. Während Nextel die Netzinfrastruktur stellt, hat Motorola mit den Modellen i85s und i50sx die ersten javafähigen Mobiltelefone auf den nordamerikanischen Markt gebracht.
Ein weiteres Highlight in diesem Kontext war der Entwicklerwettbewerb, der zusammen von Nextel und Motorola veranstaltet wurde. Hierbei hatten Entwickler in verschiedenen Runden jeweils sechs Stunden Zeit, die innovativste und außergewöhnlichste Java Anwendung für ein Motorola iDEN Mobiltelefon zu entwickeln. Gewinner war schließlich der Entwickler einer Anwendung, welche die Steuerung des kompletten Haushaltes über das Mobiltelefon zulässt. Hierzu gehörten unter anderem die Steuerung der Klimaanlage und die Übertragung von Live-Bildern einer im Haus installieren Webcam.
Eine wichtige Ankündigung von Sun in der Zeit um die JavaOne Konferenz war die Fertigstellung des MIDP für den Palm Pilot. Da für den Palm Pilot bisher lediglich eine CLDC-Implementierung verfügbar war, auf der noch kein Profil aufsetzte, ist mit dem MIDP für den Palm Pilot neben der Spezifikation eines PDA-Profiles ein weiterer wichtiger Schritt getan. Hiermit steht nun das erste reale MIDP-Endgerät für den Massenmarkt zur Verfügung, noch bevor die meisten großen Mobiltelefonhersteller auf die Entwicklung reagieren konnten.
Bisher bestand das Problem, dass es keine einheitliche Entwicklergemeinde für mobile Java-Anwendungen gab. Jeder Netzbetreiber und Mobiltelefonhersteller hatte bisher sein eigenes Entwicklerportal mit Tools und Newsgroups zum Informationsaustausch, aber es gab keinen gemeinsamen Anlaufpunkt, wo sich Handy-Hersteller, Software Entwickler und Netzwerkbetreiber austauschen konnten. Sun hat auch hier einen weiteren wichtigen Schritt getan, indem man auf der JavaOne Konferenz die Java Wireless Developer Initiative [12] ins Leben gerufen hat.
Bei den Mobiltelefonherstellern ging allen voran Nokia als Platin Sponsor der JavaOne Konferenz. In der Keynote kündigte Nokia CEO Pekka Ala-Pietilä die volle Unterstützung von Java für Nokia Mobiletelefone an. Neben der engen Zusammenarbeit mit Borland im Bereich Entwicklungstools sagte er voraus, dass Nokia noch in diesem Jahr die ersten javafähigen Mobiltelefone auf den Markt bringen wolle und dass man im kommenden Jahr bereits einen Massenmarkt und 50 Millionen verkaufte javafähige Mobiltelefone erwarte. Bis Ende 2003 wolle man gar 100 Millionen dieser Endgeräte an den Kunden bringen. Nokia will sowohl den Bereich der Mobiltelefone mit dem MIDP als auch den der etwas größeren und leistungsfähigeren PDAs und Communicators unterstützen, die auf Basis von Personal Java operieren. Hierzu gehört zum Beispiel der in diesem Rahmen vorgestellte Nokia Communicator 9210, der einen PDA mit kompletter Informationszentrale darstellt, sowie das für den amerikanischen Markt gedachte Modell Nokia 9290 Communicator, das ebenfalls in naher Zukunft verfügbar sein wird. Um Drittanbietern die Entwicklung von Software für die Java-Plattform auf Mobiltelefonen zu erleichtern und einen Massenmarkt für mobile Java-Anwendungen entstehen zu lassen, hat Nokia zusammen mit Borland die JBuilder 5 Nokia Edition im Rahmen der JavaOne an die Öffentlichkeit gebracht.
An den zahlreichen Ausstellern im mobilen Java Umfeld konnte man gut erkennen, dass auch viele bis vor kurzem noch unbekannte Unternehmen auf den Trend setzen und entsprechende Produkte anbieten. Diese reichen von speziellen Softwarelösungen, wie dem relationalen Datenbanksystem für Mobiltelefone von Pointbase, bis zu Java-Prozessoren, welche die Ausführung von Java-Bytecode auf Mobiltelefonen um ein Vielfaches beschleunigen sollen, wie sie beispielsweise die Firma Zucotto anbietet und auf der JavaOne Konferenz bereits erfolgreich einen ersten Prototypen vorführen konnte. Aber auch renommierte Hersteller wie ARM und Fujitsu haben entsprechende Produkte in diesem Bereich vorgestellt. Ein weiteres beeindruckendes Gebiet waren die javafähigen Mobiltelefone von asiatischen Mobilfunkanbietern, wie zum Beispiel JPhone in Kooperation mit Sharp. Hier bekam man marktreife Mobiltelefone mit hochauflösenden Farbdisplays zu sehen, die sogar komplexe MIDI-Sound-Ausgabe und einen 3D-Polygonrenderer mit sich brachten. Aber auch bei anderen Handyherstellern wie beispielsweise Siemens konnte man beobachten, dass viel in Richtung mobile Java-Anwendungen im Gange ist. Außer einem getarnten Prototypen eines Mobiltelefons, das MIDP-Programme von einer Multimedia Card ausführen konnte, wollte man aber noch nicht viel mehr preisgeben. Auch Unternehmen, die bisher auf dem europäischen Markt noch nicht aktiv waren, haben ihre Präsenz im Zusammenhang mit mobiler Java-Technologie angekündigt. Hierzu gehört beispielsweise der Hersteller Research in Motion mit seinem Blackberry PDA, der demnächst in Europa mit einem komplett in Java entwickelten Betriebssystem und GPRS-Anbindung verfügbar sein soll.
An den verschiedenen Produkten, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, konnte man klar erkennen, dass sich die Produkte an zwei verschiedene Zielgruppen richten, die jeweils unterschiedliche Laufzeitumgebungen einsetzen. Auf der einen Seite steht das Mobile Information Device Profile, das auf der KVM und der CLDC aufsetzt und hauptsächlich für Mobiltelefone mit beschränkten Ressourcen und Eingabemöglichkeiten eingesetzt wird. Auf der anderen Seite steht PersonalJava, das in Zukunft durch eine Kombination aus CVM, CDC und PersonalProfile abgelöst werden soll. Dieses kommt vornehmlich auf PDA- und Communicator-Geräten oder Set Top Boxen zum Einsatz, die dann ein zusätzliches Profil wie JavaPhone oder JavaTV einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist der bereits erwähnte Nokia Communicator, der sowohl PersonalJava mit JavaPhone als auch das MIDP auf Basis des Symbian Betriebssystems bereitstellt, das speziell auf den Einsatz in Geräten dieser Klasse abgestimmt ist. Man kann also sehen, dass sich Java nicht nur in die drei Basisplattformen J2EE, J2SE und J2ME aufgesplittet hat, sondern dass es auch innerhalb der J2ME-Gruppe noch zahlreiche Unterspezies gibt, die sich im Laufe der Zeit herausgepictureet haben, aber kein festes Konzept repräsentieren. Sun versucht, durch die Aufteilung in klar abgegrenzte Module nun wieder etwas Ordnung in die vielen J2ME Komponenten zu bringen. Mit der Untergliederung in Konfigurationen und Profile, die nun auch auf das historisch bedingte PersonalJava angewandt wird, scheint Sun dies gelungen zu sein.

Abb. 4: Die J2ME mit ihren Profilen im Überblick

Bei all dem Rummel um die Java 2 Micro Edition und der Tatsache, dass dieser Bereich eines der wichtigsten Themen auf der JavaOne 2001 war, fragt man sich natürlich, welchen Zweck Sun Microsystems damit verfolgt, diesen Markt so stark voranzutreiben, denn Sun hat ja seinen eigentlichen Geschäftsbereich im Umfeld von High End Servern. Doch ganz so uneigennützig wie es scheint ist die Absicht nicht, denn einen nicht zu vernachlässigenden Teil seines Umsatzes wird Sun bei der enormen Akzeptanz der J2ME Technologie in Zukunft mit Lizenzen machen. Wenn man bedenkt, dass eine J2ME-Lizenz pro Jahr etwa 50.000 Dollar kostet und weitere Lizenzgebühren von 10 Dollar für jede verkaufte virtuelle Maschine anfallen, kann Sun selbst, wenn große Mobilfunkhersteller durch ihre Rabattstaffel auf 50 Cent pro virtuelle Maschine an Abgaben gelangen, noch enorme Summen einstreichen. Hinzu kommt, dass für die Abermillionen von neuen Internet Clients, die in Kürze auf dem Markt sein werden, natürlich auch entsprechend leistungsstarke Server im Hintergrund arbeiten müssen. Auch hier ist Sun wieder mit von der Partie.

Spaziergang zu JXTA, Generics, Sounds …

Ein weiteres herausragendes Thema beim großen Java-Bazaar war JXTA [13]. Das als Open Source-Lizenz vorliegende Peer-to-Peer-Projekt stellt, im Gegensatz zum durchaus verwandten Jini, lediglich ein Bündel von Protokollen dar und ist nicht an eine spezielle Plattform, konsequenterweise auch nicht an Java, gebunden. Allein aus Gründen der technologischen Nähe im Hause Sun entschied man sich bei der 10-köpfigen JXTA-Group unter Leitung von Bill Joy bei der ersten Implementierung für Java – weitere Implementierungen in C, und später wahrscheinlich auch in Perl und Python sind in Planung. Die Gruppe, welche das Peer-to-Peer-Projekt betreut, wurde Anfang des Jahres gegründet und stellte den JXTA-Quellcode samt erster Implementierung im April ins Netz, woraufhin man innerhalb weniger Wochen 50.000 Downloads zählte.

Auf seiner technischen Keynote stellte Java-Urgestein und -Erfinder James Gosling eine wichtige Neuerung für die Java-Sprache in ihrer Gesamtheit vor: ab der Version 1.5 (man bedenke, momentan liegt die 1.4 lediglich als Beta vor) wird es eine Unterstützung für generische Ausrücke in Java geben. Eine anderes Schmankerl wurde mit JSyn vorgestellt, einer Technologie der Firma Softsynth zum Erzeugen digitaler und interaktiver Musikstücke und Sounds in Java. Der Clou an dem System ist, dass die Klänge dabei nicht per Mediastream übertragen beziehungsweise gespeichert werden, sondern als Java-Class-File. Hierdurch fallen nur äußerst geringe Datenmenge an, was vor allem bei Java-fähigen mobilen Endgeräten positiv ins Gewicht fallen soll. Ein kostenloses JSyn Developer Kit ist auf der Softsynth-Seite erhätlich [14].

Abb. 5: WebGains Produktfolio im Überblick – mit den Entwicklungstools des Studios links, dem Application Composer und dem Business Designer oben

Ähnlich wie die meisten Anbieter wartete auch das Unternehmen WebGain [15] mit einer Reihe von Neuankündigungen auf, die sowohl die Tools betreffen als auch die Positionierung des Unternehmens. Das wohl bekannteste Produkt der WebGainer stellt wohl VisualCafé dar, die vor etwas mehr als einem Jahr von Symantecs übernommene Java-Entwicklungsumgebung. Es ist noch nicht lange her, da war VisualCafé in den Vereinigten Staaten das erfolgreichste Entwicklungstool, ehe ihm von Borlands JBuilder der Rang abgelaufen wurde. Dennoch entschied seinerzeit Symantec, sich von seinem Entwicklungsgeschäft zu trennen, weshalb das Café samt Entwicklungsmannschaft bei BEA und dem Finanzier Pincus Warburg landete. Es wurde das Unternehmen WebGain gegründet und stand fortan im Rufe, als Technologie-Zulieferer für BEA Systems zu arbeiten. Doch der Schein trügt, mittlerweile sind noch eine Reihe weiterer Investoren an Bord gekommen, am prominentesten darunter wohl Hewlett-Packard und Intel. So betont man bei WebGain, dass man keine besondere Vorlieben für BEA pflege, sondern gleichermaßen für IBMs WebSphere, Suns iPlanet und HPs Bluestone Application Server Integrationen biete.
In technischer Hinsicht neu auf der JavaOne ist die Version 4.5 von VisualCafé, welches im Wesentlichen neben den Deployment Wizards für die genannten J2EE-Application Server im Bereich des JSP-Debuggings weiter entwickelt wurde. Darüber hinaus weist die IDE eine Palette zeitgemäßer Standards auf, von XML-, JavaBeans-, JFC-Support über verteiltes Debugging bis hin zu CORBA.
Aber eigentlich dreht sich bei WebGain nicht alles um das Café alleine, sondern um das Studio; als Begründer dieses Paket-Konzepts, in welchem Entwicklungs-, Modellierungs-, O/R-Mapping- und sogar auch Webdesign-Tools (Dreamweaver Ultradev von Marcomedia) gebündelt erhältlich sind, ist man stolz darauf, die meisten Werkzeuge selbst zu besitzen und daher effektiv deren Integration vorantreiben zu können. Das neu vorgestellte WebGain Studio 4.5 bietet infolgedessen neben der Java-Entwicklung die Produkte StructureBuilder (UML-Modellierung), TopLink (der von The Object People übernommene O/R-Mapper) und Quality Analyzer (Test- und Debugging-Tools aus dem Hause Metamata, Anfang April 2001 ebenfalls übernommen).
Seit geraumer Zeit präsentiert sich das Unternehmen darüber hinaus nicht mehr als Single-Product-Company, sondern setzt auf eine Trias aus Entwicklungswerkzeugen (Studio), einem Business- und Management-Tool sowie einer Software namens Application Composer. Bei Application Composer handelt es sich um ein Produktivitäts-Tool, welches die tatsächliche Komplexität von EJBs und JSPs usw. vor dem Entwickler verbirgt – hier sitzen Leute, die sozusagen in Visual Basic-Manier über eine grafische Oberfläche verschiedene Komponenten zusammenklicken. Business Designer dagegen stellt eine Software für die Konzeption und das Management Web-zentrierter Software-Anwendungen dar. Folgerichtig bietet es ebenfalls grafische Werkzeuge für das Design von Geschäftsprozessen, bevor dieses in UML modelliert und auf den verschiedenen Codier-Ebenen implementiert wird.
Sinn und Produktivitätsgewinn dieser Trias ist neben der klaren Trennung der unterschiedlichen Produktionsschichten auch deren enge Zusammenarbeit. Eine Drilldown-Funktionalität zum Beispiel erlaubt es, aus der grafischen Umgebung des Business-Designers einen Prozess schrittweise in die Tiefe zu verfolgen, durch alle WebGain-Produkte hindurch bis hin zur Code-Ebene. Mit diesem End-to-End-Angebot für die Entwicklung (Datenbanken und J2EE-Plattform sind nicht im Angebot) möchte WebGain die Pforte öffnen zu Unternehmen, welche sämtliche dazu benötigten Produkte samt Support aus einer Hand erwerben wollen und gleichzeitig damit auf das Versprechen setzen, dass die Werkzeuge für eine enge Zusammenarbeit optimiert sind.

Borland goes Wireless

Borland [16], als Gold-Sponsor immerhin Beitragszahler der zweithöchsten Kategorie auf der JavaOne, stellte natürlich ins Zentrum seiner Ankündigungen seine neue Version 5 des JBuilders, welcher nun eine Menge XML-Features beherrscht und sich demnächst auf dem Macintosh-Betriebssystem Mac OS X installieren lässt. Damit ist das selbst zu 100 Prozent geschriebene Java-Tool nicht nur für mehrere Entwicklungsplattformen erhältlich, sondern schickt sich auch an, eine beachtliche Anzahl an Ziel-Plattformen zu unterstützen. Java Standard Edition und Java Enterprise Edition gehören seit längerem zum guten Ton und hier haben sich die Borländer ja bereits einigen Ruhm erworben. Neu ist nun das massive Java Micro Edition-Engagement der Entwicklungs-Company.
Mit dem Handheld-Express, einer optionalen Erweiterung für JBuilder 4, liegt seit einigen Monaten bereits ein Werkzeug für die Entwicklung von J2ME-Anwendungen für das PalmOS vor (wir berichteten). Nun ist eine JBuilder MobileSet, Nokia Edition vorliegende Implementierung verfügbar, welche den JBuilder-Entwickler erstmalig in die Lage versetzt, MIDP-Anwendungen zu schreiben. Den Zusatz Nokia Edition können wir getrost als Marketing-Namen und als (für Borland gewiss wichtige) Vertriebspartnerschaft mit den Finnen auffassen, bezeichnet dies in technischer Hinsicht die schlichte Tatsache, dass der Mobile-Phone-Emulator, welcher zum Vorbetrachten der generierten Mobile-GUIs dient, ein Nokia-Design aufweist. Ansonsten hält natürlich auch im Borland-Kontext die Unterstützung des Mobile Information Device Profile, was es verspricht: eine Java-basierte Applikationsplattform für alle mobilen Devices, ob nun von Siemens, Motorola oder Nokia. Wir stellen Ihnen die MIDP-Implementierung des JBuilders in dieser Ausgabe auf Seite 78 vor.
Eine weitere gewichtige Vertriebspartnerschaft ist Borland mit dem Unternehmen SAP eingegangen, das seine eigene Plattform für die J2EE geöffnet hat. SAP will, so ein Agreement zwischen den beiden, seinen Kunden weltweit den JBuilder als Java-Entwicklungswerkzeug der Wahl empfehlen.
Mit seinem AppServer bietet das Unternehmen eine solide J2EE-Umgebung, welche durch die auf VisiBroker aufsetzenden CORBA-Fähigkeiten sowie den Support aktueller Java-Features glänzt. Wenngleich vom Marktanteil weit abgeschlagen hinter BEA WebLogic, IBM WebSphere oder iPlanet rangierend, räumen die Analysten der Borland-Software inzwischen reelle Wachstumschancen ein.

Abb. 6: Borlands AppServer samt CORBA ORB VisiBroker im Überblick

Insgesamt betrachtet versteht sich Borland jedoch nach wie vor nicht als reine Java-Company, sondern widmet sich weiter mit Nachdruck der Windows-Plattform mit den Entwicklungswerkzeugen Delphi und C++Builder sowie den Middleware-Produkten Entera und Midas und schließlich dem CORBA ORB VisiBroker, welcher sowohl für die Java-Plattform als auch für C++ erhältlich ist. Mit Kylix liegt seit ein paar Monaten das vielbeschworene Delphi für Linux vor, dessen Akzeptanz nach wie vor mehr als ungewiss ist. Wie viele Linux-Developer gibt es tatsächlich, welche ein RAD-Tool mit Object Pascal als Programmiersprache gebrauchen können? Wie viele Delphi-erfahrene Windows-Entwickler sehen einen Bedarf an einer Portierung ihrer vertrauten Entwicklungsumgebung auf Delphi? Fragen, die die Borländer bislang lediglich mit Sonderangeboten und Preisnachlässen beim Kylix-Produkt beantworten können …

Resümee

Auf einer Konferenz dieser Größenordnung überrascht es nicht weiter, dass eine Menge medialer Inszenierungen besonders auf den zentralen Keynotes aber auch an vielen anderen Stellen des Programms viel Getöse um die Sache Java machen. Wo viele Leute zusammen kommen, entsteht nun mal eine Menge Lärm, und wenn dazu die gesamte Elite Java-orientierter Unternehmen angereist ist, verwundert dies noch weniger. Wer eine beschauliche Developer-Konferenz aufsuchen möchte, dem sei der Flug nach San Francisco nicht empfohlen. Wer allerdings die Augen und Ohren aufsperren will, und dieses jährliche Ereignis als Gradmesser und Zäsur im stetigen Fluss der Java-Technologie begreift, der ist beeindruckt von der Masse an Möglichkeiten, Themen und anwesenden Unternehmen.
Seit der Etablierung des Java Community Process 2.0 allerdings ist diese Konferenz langweiliger geworden – welche Überraschungen sind denn schon zu erwarten, wenn alle Entwicklungsprozesse in jedem ihrer Stadien transparent für jeden einsehbar sind? Im Grunde sind wir ja froh, dass es keine Überraschungen mehr gibt und dass Sun Microsystems, als oberster Wächter über Java, fest in diesen Prozess eingebunden ist.
Die JavaOne des Jahres 2001 hat gezeigt, dass die Community realistischer und auch selbstbewusster geworden ist. Immerhin ist es noch gar nicht lange her, dass Entwickler gegenüber ihren Kunden argumentieren mussten, warum man überhaupt Java einsetzen solle. Heute ist die J2EE ein gutes Stück Normalität geworden – und selbst mobile Anwendungen wie PDAs oder Mobiltelefone existieren bereits, sodass auch hier nicht von wolkigen Zukunftszenarien schwadroniert werden muss, sondern man sich an die Arbeit machen kann. Das Zauberwort Web Services beschreibt an und für sich eine logische Fortsetzung des Engagements, welche die Industrie bereits in den Java- und XML-Standard gesetzt hat, pictureet er doch lediglich einen erweiterten Begriff des Run Everywhere.
Übrigens: Wer Appetit auf eine Reise nach San Francisco bekommen hat, sollte sich dringend in seinem smarten Webbasierten PDA vormerken, dass die JavaOne im nächsten Jahr nicht im Juni stattfindet, sondern rätselhafterweise bereits Ende März.

[1] JavaOne 2001: java.sun.com/javaone
[2] Sun ONE: www.sun.com/software/sunone
[3] Java Community Process: www.jcp.org
[4] JAXP: java.sun.com/xml/xml_jaxp.html
[5] JAXB: java.sun.com/xml/jaxb
[6] JAXM: java.sun.com/xml/jaxm
[7] JAXR: java.sun.com/xml/jaxr
[8] JAX-RPC: java.sun.com/xml/xml_jaxrpc.html
[9] JavaServer Pages: java.sun.com/jsp
[10] TagLibs: jakarta.apache.org/taglibs
[11] J2ME: java.sun.com/j2me
[12] Java Wireless Developer Initiative: java.sun.com/wireless
[13] JXTA: www.jxta.org
[14] Softsynth: www.softsynth.com/jsyn/developers
[15] WebGain: www.webgain.com/products
[16] Borland: www.borland.com
Geschrieben von
Kay Glahn und Sebastian Meyen
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