Die sechs Bedeutungsebenen von Open Source

Hartmut Schlosser

Der Begriff „Open Source“ ist schillernd wie kein zweiter in der IT. Bedenklich ist das deshalb, weil die verschiedenen Ansichten, was denn nun unter Open Source zu verstehen sei, sich nicht etwa einfach ergänzen, sondern mitunter sogar widersprechen. John Graham von Red Hat hat sich deshalb daran gemacht, eine Kategorisierung des Open-Source-Begriffes vorzunehmen. In seinem Blogposting „Images of Open Source“ unterscheidet er zwischen sechs verschiedenen Bedeutungsebenen von Open Source:

  • Ideologie: Betonung des freiheitlichen Aspekts von Open Source, die Freiheit etwa, existierenden Code zu verwenden, verändern und weiterzugeben (Copyleft-Lizenzen).
  • Life Style: Fokus auf das selbstverantwortliche Entwickeln in Anlehnung an „Do It Yourself“-Bewegungen.
  • Business-Modell: Open Source als wohlüberlegte Geschäftsstrategie eines Unternehmens.
  • Marketing Gimmick: Open Source als Marketing-Strategie mit dem Ziel, die Sichtbarkeit und Reichweite eines Projektes/Produktes zu erhöhen.
  • Soziale Bewegung: Fokus auf die Community-Aspekte von Open Source mit den typischen Dynamiken einer virtuellen, verteilten Anwender- und Entwicklergruppe.
  • Produktionsweise: Open Source als Verfahren zur Herstellung und Verwaltung von Gütern und Wissen.

Eine Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und sicherlich weiter differenziert werden müsste. Insbesondere mit dem überfrachteten Begriff der „Freiheit“ zu operieren, bedarf weiterer Erläuterung: Freiheit als Wert der Selbstbestimmung? Freiheit im Sinne von Handlungsfreiheit? Bürgerliche Freiheit?

Hilfreich ist eine Kategorisierung des Open-Source-Begriffes aber allemal, etwa um unscharfe Argumentationen zu entlarven, in denen Bedeutungsebenen (absichtlich oder unabsichtlich) vermischt werden. Wer Open Source als Business-Modell einsetzt, ist nämlich an individuellen Freiheitsidealen kaum interessiert. Gefährlich (weil realitätsfremd) wird es etwa, wenn ein Open-Source-Konsortium mit moralischen, ideologischen Argumenten zur Unterstützung von Open Source an Unternehmen herantritt.

Auch werden Bedeutungsebenen vermischt, wenn man angesichts des Mitgliederrückgangs der Eclipse Foundation an die „Tragedy of the Commons“ verweist, in der ein gemeinsam generiertes Gut in Notzeiten nicht weiter gepflegt wird und schließlich verkommt. Ein falsches Bild, das von einer korrekten Analyse der Situation ablenkt.

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Hartmut Schlosser
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