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Die Rückkehr der Fachlichkeit [W-JAX Blog]

Judith Lungstraß

Donnerstagabend – Feierabend auf der W-JAX. Eine spannende Konferenz ist es gewesen. Mein Fazit: Die Rückkehr der Fachlichkeit.

In der Panel-Diskussion des Java EE Day war dies bereits deutlich zu spüren. Denn auch wenn es den Tag über eher um Technologie ging, waren wir uns abends alle einig, dass viele große Infrastruktur-Probleme gelöst sind und man sich wieder auf die Umsetzung der eigentlichen Anforderungen konzentrieren kann (anstatt erst mal Generatoren bauen zu müssen, um mit EJB 2.1 arbeiten zu können). Vielleicht gibt es ja dank Java EE 6 dann auch die Rückkehr der OO. Ich habe mit Entsetzen feststellen müssen, dass ich der einzige im Raum war, der Domänenmodellierung auch wirklich auf der Hochschule gelernt hat – mit diesem sehr empfehlenswerten Buch. Ansonsten herrschte auch eine fast schon erschreckende Einigkeit, dass es sehr viel Sinn ergibt, Process Engines und BPM in die Java-(EE)-Welt zu bekommen – ein weiterer Schritt Richtung Fachlichkeit. Vielleicht sollten wir uns doch mal um einen JSR oder ein Java EE Profil bemühen.

Ich teile ansonsten die Meinung, dass wir uns weniger auf Technologie und mehr auf Fachlichkeit konzentrieren sollten – habe aber noch ein großes Fragezeichen auf der UI-Seite. Hier gab es bei dieser W-JAX viele Impulse – zum Beispiel den New School Web Day – und natürlich viel HTML 5. Aber ich sehe trotzdem noch viele erschreckte Entwickler, wenn man ihnen sagt, dass sie JavaScript programmieren sollen. Und wie drückte es ein Teilnehmer im Gespräch so schön aus: Es ist einfach eine Entwicklerkonferenz – die Usability Talks sind auf einem entsprechenden Niveau. Ich habe selbst übrigens leider keinen sehen können – ich hoffe, ich trete niemanden zu Unrecht auf die Füße!
In meinem eigenen Talk zur Open Source BPMN 2.0 Process Engine Activiti & camunda fox auf dem Java EE Day waren weit über 100 Teilnehmer – was ich großartig finde! Am Donnerstag hatte ich mit meinem Kollegen Falko noch einen „Advanced“ Talk zu diesem Thema – der mit immer noch über 50 Leuten gut besucht war. Und das beste war, bereits über 80 Prozent von ihnen hatten bereits „was mit Actviti“ gemacht. Das Thema kommt also definitiv an! Und das ist auch gut so.

Die anderen Vorträge des BPM Day waren gut besucht und haben einen super Überblick über den Stand von BPM in verschiedenen Anwenderunternehmen gegeben. Und dieser Stand ist gar nicht so schlecht – auf jeden Fall geht es voran und wir haben Methodik und Tool-Brüche mit BPEL langsam überwunden und BPMN 2.0 nimmt volle Fahrt auf. Mit guter Methodik kann auch wirklich der Fachbereich ins Boot geholt werden – was Wüstenrot an einem Projektbeispiel dargestellt hat.
Die Allianz hat in Ihrem Bericht über den massentauglichen Betrieb einer selbstgebauten Process Engine übrigens erzählt, dass unter (krasser) Hochlast schon auch mal die Datenbank in Verbindung mit der Transaktionssteuerung komisches Verhalten zeigt. Soviel also dann auf der Praxisseite zu „Infrastrukturprobleme sind gelöst“. Aber dank massentauglichem Betriebstooling haben Sie auch dies wieder gut im Griff – ein übrigens sehr inspirierender Vortrag darüber, was „BPM Operations“ in einem großen Unternehmen wirklich heißt.

Und da selbst Gregor Hohpe kurz vor seinem Talk über „Enterprise Integration Patterns“ bei uns am Stand war und ein BPMN Poster zum Hochhalten mitgenommen hat, würde ich sagen: das Thema geht einfach alle an.

Insgesamt bin ich sehr happy mit dieser W-JAX. BPM und Java sind in den Köpfen angekommen. Die Fachlichkeit wird wieder mehr in den Fokus gerückt – sofern die Entwickler mutig genug sind, sich von liebgewonnener Beschäftigung mit Technologie abzulassen und Anforderungen umzusetzen. Diskussionen und Fragen zu BPMN, Activiti und camunda fox – auch an unserem Stand – sind nicht mehr nur auf Einsteigerniveau, sondern schon ziemlich fortgeschritten. Die Resonanz war entsprechend hoch. Haarsträubende Geschichten über manchen großen BPM-Hersteller waren ebenfalls amüsant und zeigen, dass wir mit unseren Ideen auf einem guten Weg sind und ein leichtgewichtiger Open Source Stack sowie die Möglichkeit, BPM + Java zu ermöglichen, überfällig sind.

Zu diesem Thema habe ich übrigens auch kürzlich einen Pecha Kucha gehalten: Warum BPM in die Toolbox jedes Entwicklers gehört.

Bernd Rücker ist Geschäftsführer der camunda services GmbH, dessen Kernkompetenzen das Business IT Alignment von Geschäftsprozessen, die Prozessmodellierung mit BPMN und die technische Umsetzung mit Open-Source-Technologien sind. Er verfügt über umfangreiche Projekterfahrung im Bereich BPM und Java Enterprise. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Process Execution, Business Rules, SOA und Business IT Alignment. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, zahlreicher Zeitschriftenartikel und Sprecher auf Konferenzen. Bernd ist Component Lead von Activiti Cycle und langjähriger Committer im JBoss-jBPM-Projekt.

Geschrieben von
Judith Lungstraß
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