Interview mit Bernhard Löwenstein

"Die Java-Community wird, sobald die Zeit reif ist, mit einem eigenen PaaS-Standard zurückschlagen"

Hartmut Schlosser

Viel Bewegung ist derzeit im Bereich der PaaS-Lösungen für die Java-Community. Wohl ist die Dynamik so stark, dass die verschiedenen Ansätze (noch) nicht wirklich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Jedenfalls hat man im Rahmen von Java EE die Spezifizierung eines PaaS-Standards erst einmal verschoben – bis auf Weiteres. Im W-JAX-Countdown gibt Bernhard Löwenstein uns eine Einschätzung der aktuellen Lage in Sachen Java@Cloud. Sein Kommentar zur PaaS-Verbannung aus Java EE 7: Don’t Panic!

W-JAX Countdown

Bernhard Löwenstein können Sie auf der W-JAX 2012 bzw. den Business Technology Days (5. bis 9. November 2012) live erleben. Zusammen mit Dr. Halil-Cem Gürsoy, Eberhard Wolff und Martin Lippert präsentiert er die zweiteilige PaaS-Parade:

Die Java-PaaS-Parade

Cloud-Plattformen für den Betrieb von Java-Anwendungen gibt es viele. Sie erleichtern den Betrieb und die Installation von Anwendungen ganz wesentlich. In dieser Session stellen Spezialisten die wichtigsten Ansätze kompakt vor, sodass die Zuhörer einen Überblick über die relevanten Technologien bekommen. Im ersten Teil kommen die Systeme Heroku, Amazon Elastic Beanstalk und Cloud Foundry zur Sprache. Der zweite Teil behandelt die Systeme Google App Engine und OpenShift.

Alle Infos unter: www.jax.de

JAXenter: Sie präsentieren auf der W-JAX eine bunte PaaS-Parade. Welche Platform-as-a-Service-Systeme halten Sie für die Java-Community aktuell für relevant?

Bernhard Löwenstein: Es gibt derzeit eine Menge von sehr interessanten Entwicklungen auf diesem Gebiet, ich würde aber nicht so weit gehen, eine davon bereits als relevant zu bezeichnen. Dass Cloud Computing „wohl eine weitere große Revolution“ sei, meinte zwar Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Cebit 2011. In der Wirtschaft und Industrie ist das Thema meiner Erfahrung nach aber noch nicht angekommen. Wie so oft wird es auch hier über viele Jahre eine Evolution geben, die (angekündigte) Revolution wird aber ausbleiben.

Um ein paar Namen zu nennen: Für mich stellt Red Hat OpenShift aktuell die interessanteste Lösung dar, denn sie kommt meiner Vorstellung eines Java-PaaS-Systems eindeutig am nächsten. Ansonsten finde ich noch CloudBees, Google App Engine und VMware Cloud Foundry recht reizvoll. Was aber all diesen Systemen fehlt, ist die Unterstützung eines produktiv auch wirklich nutzbaren relationalen Datenbanksystems. MySQL ist zwar nett, es kann aber definitiv nicht mit den in Verbindung mit Geschäftsanwendungen üblicherweise eingesetzten Datenbanken mithalten.

JAXenter: Können Sie so etwas wie eine Typologie von PaaS-Systemen vorlegen? Wo liegen die Hauptunterschiede?

Bernhard Löwenstein: Ein Vergleich zwischen den unterschiedlichen Java-PaaS-Angeboten ist schwierig. Grundsätzlich würde ich unterscheiden, ob eine Plattform den Java-EE-6-Stack oder eben nur Java bzw. ein paar ausgewählte Java-Enterprise-Technologien unterstützt. Meist ist das zweite der Fall. Leider ist es nicht immer einfach herauszufinden, was die Systeme konkret bieten. Java-Magazin-Leser sind hier jedenfalls klar im Vorteil 😉

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal stellt meiner Meinung nach dar, ob ein PaaS-System nur die Ausführung einer Anwendung ermöglicht oder eben den gesamten Lebenszyklus bei der Entwicklung unterstützt. Hier ist ein klarer Trend zu Letzterem erkennbar.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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