"Die Hudson-Community wird mehr Investitionen erfahren"

Claudia Fröhling

Kohsuke Kawaguchi hat sich in den letzten 10 Jahren unter anderem um die Projekte Hudson, Metro und GlassFish v3 gekümmert und ist Hudson-Chefentwickler. Dieses Jahr überraschte er die Community mit seinem Weggang von Sun/Oracle und der Gründung einer eigenen Firma namens InfraDNA. Wir sprachen mit Kohsuke über seine neuen Aufgaben und Hudson.

JAXenter: Als du bekannt gegeben hast, Oracle zu verlassen, hast du gesagt, du würdest eine neue Firma gründen, um Hudson einen Schritt weiter zu bringen. Was ist der nächste Schritt für Hudson?

Kohsuke Kawaguchi: Das sind mehrere verschiedene Dinge, die aber miteinander zusammenhängen. Eine Sache ist, dass sich die Verbreitung von Hudson ausdehnt. Hudson ist ein sehr spezielles Projekt für eine Firma wie Sun/Oracle. Es begann als mein Hobby-Projekt und wuchs organisch weiter. Somit war es auch nicht mit den langfristigen Plänen der Firma verbunden, sondern war einfach ein nettes Projekt, das ohne viel Aufmerksamkeit mitlief. Das hatte Vorteile, aber ein großer Nachteil war, dass keine strategischen Geschäftsentscheidungen für das Projekt gefällt wurden. Im Gegensatz dazu hat ein kleines aber flinkes Unternehmen wie InfraDNA mehr Entscheidungsmöglichkeiten. Ich führe momentan schon einige Gespräche mit Firmen, die Hudson integrieren wollen. Eine stärkere Verbreitung bedeutet dann auch ein größeres Ökosystem und das wiederum kurbelt die schnelle Verbesserung von Hudson an. Das ist gut.

Oder anders gesagt: Ich glaube, es ist immer gut, wenn ein Projekt ein kommerzielles, nachhaltiges und ökonomisch praktikables Modell hinter sich hat. Sun/Oracle handelte natürlich vernünftig, nur mich an Hudson zu setzen und niemanden sonst, weil das Projekt kein Geld abgeworfen hat. Also wurde es eher aus gutem Willen heraus unterstützt, und das ist nicht förderlich. Wenn aber InfraDNA Einnahmen erzielt, könnte man ein paar mehr Leute an Hudson setzen, und das wäre in unserem Interesse. Das würde vieles ermöglichen.

Der nächste Schritt bedeutet auch, nicht in einer großen Firma zu arbeiten. So konnte ich bei Sun/Oracle zum Beispiel keine Wettbewerber-Technologien verwenden, ohne dass hier und da die Nase gerümpft wurde, und in Anbetracht der Firmengröße gab es viele Wettbewerber-Technologien. Jetzt wo diese Beschränkungen wegfallen, habe ich viel mehr Freiheiten beim Entwickeln. In Bezug darauf steht jetzt ein Cloud-gehostetes Hudson-Angebot an.

Insgesamt hoffe ich, dass die Hudson-Community nun mehr Investitionen erfahren wird.

JAXenter: Wann hast du gemerkt, dass Hudson weit genug ist, um darauf eine Firma aufzubauen? War deine Entscheidung komplett an den Sun/Oracle-Merger gekoppelt, oder hat diese Idee schon länger in deinem Kopf herumgespukt?

Kohsuke Kawaguchi: Eine eigene Firma zu gründen, ging mir schon lange als Idee durch den Kopf. Das war wie so ein verrückter Traum, an den ich immer wieder denken musste. Gleichzeitig hatte ich aber tolle Kollegen und ein wunderbares Arbeitsklima, in dem ich mich respektiert fühlte, deshalb habe ich den entscheidenden Schritt nie gemacht.

Aber als die Übernahme von der EU in die Länge gezogen wurde, habe ich mir wieder über meine Optionen Gedanken gemacht, und als ich begann, die Idee ernst zu nehmen, wurde mir klar, dass es machbar ist. Es gab jetzt nicht den einen Moment, in dem es mir wie Schuppen von den Augen fiel, aber irgendwann war es klar. Wie auch immer, so entstand InfraDNA.

JAXenter: InfraDNA bietet Consulting- und Entwicklungs-Dienstleistungen an, bei denen du Plug-ins baust und neue Features in den Hudson-Kern implementierst. Außerdem bist du Project Lead von Hudson. Siehst du da Überschneidungen zwischen der Hudson-Entwicklung bei InfraDNA und der Hudson-Entwicklung als Community-Projekt?

Kohsuke Kawaguchi: Wenn Leute bestimmte Features für Hudson entwickelt haben wollen, wollen sie diese selten innerhalb ihrer geschlossenen Mauern behalten. Es macht einfach keinen Sinn für sie, Patches und Builds für ein eigenes maßgeschneidertes Hudson zu pflegen. Es macht mehr Sinn, das Ganze auch für das Open Source Hudson umzusetzen und die Community verbessern und verwalten zu lassen. Also würde ich sagen, ein Open-Source-Projekt zu pflegen und parallel maßgeschneiderte Services anzubieten, ist durchaus miteinander vereinbar.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass ich jetzt erst die Mechanismen erkenne, die ich nutze, um die Plug-in-Entwicklung „von der anderen Seite“ aus zu ermöglichen, und zwar aus der Sichtweise eines Plug-in-Entwicklers. Das gibt mir viele neue Ideen, wie ich den Hudson-Kern weiter verbessern kann.

Außerdem rede ich jetzt mit viel mehr Usern als vorher, und das bietet mir ganz neue Einblicke darin, wie Hudson verwendet wird und welche Features den Usern etwas bringen würden. Ich denke, das ist einer der Vorteile der Subscription-Kunden. Auf sie und ihre Deployments achte ich besonders, daher bringen ihre Anforderungen die Entwicklung auch besonders voran.

Alles in allem sehe ich viel Positives in meinen beiden Rollen.

JAXenter: InfaDNA befindet sich noch am Anfang, aber wie läuft es bis jetzt?

Kohsuke Kawaguchi: Ich denke, bis jetzt läuft es super! Die Geschäftsmöglichkeiten sind gut, und ich lerne einiges über die Landschaft, in der ich mich bewege. Das mit dem Zeit-Management wird langsam komplizierter, und ich fahre inzwischen ziemlich viel Auto, aber ich denke, das ist ein gutes Zeichen.

Das einzige, was mir keinen Spaß macht, ist der Papierkram, und glaub mir, davon gibt es viel zu erledigen. Aber ich schätze, das ist jetzt meine neue Realität.

Kohsuke Kawaguchi ist Software Engineer, der gerne Code schreibt und Probleme löst. Er hat an vielen Open-Source-Projekten gearbeitet, die meisten kennen ihn aber wohl als Gründer des Continuous-Integration-Server Hudson. Seine Projekte berühren verschiedene Technologie-Gebiete, insbesondere die Programmierung von Entwickler-Tools, XML und Web Services in Java. Er hat 8 Jahre für Sun Microsystems gearbeitet, war nach der Sun-Übernahme kurz bei Oracle angestellt und ist seit April 2010 selbständig.

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Claudia Fröhling
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