Neues aus der Apache Software Foundation

Die Flinke Feder

Schnell mal geraten: Wie viele Projekte hat die Apache Software Foundation? 32? 64? 128? Zu viele jedenfalls, um den Überblick zu behalten. Und fast jeden Monat kommen neue hinzu. Deswegen trete ich hier mit dem Vorsatz an, Ihnen die kleinen Orchideen aus dem Dschungel an Mailing-Listen, Releases und Projekten zu pflücken – und das jeden Monat!

Die Flinke Feder

Dieser erste Teil der Kolumne erschien im Java Magazin 5.10.

„Einen alten Baum versetzt man nicht.“ Diese Gärtnerweisheit ignoriert die Community um die beliebte freie Versionskontrollsoftware Subversion, kurz: SVN. Der Umzug vom angestammten tigris.org zu apache.org ist in vollem Gange. Grund für die Verpflanzung ist, dass das Verwalten der Subversion Corporation, die alle Rechte an Software, Logo etc. hält, zu aufwändig geworden ist. Es sind also die oft beschworenen Synergieeffekte, die man sich auf ASF-Boden verspricht. Im Gegensatz zu manchem Projekt aus der freien Wirtschaft könnten diese Effekte in diesem Fall sogar eintreten. Viele SVN Committer sind auch bei Apache aktiv, der Schritt macht also absolut Sinn. Zumal Apache eines der größten, öffentlich zugänglichen Subversion Repositories verwaltet, mit mehr als 900 000 Revisionen nunmehr inklusive der 44 103 Subversion-SVN-Revisionen. Die Versorgung mit Admin-Fachkräften für die Wartung dieses Repositories sollte also langfristig gesichert sein.

So ein Übergang ist aber nicht nur ein einfacher Import von SVN Repository, Webseite und Mailing-Listen. Die selbstbewussten Subversion-Entwickler müssen nun ihre in den letzten neun Jahren gewachsenen Prozesse an die Vorgaben von Apache anpassen. Kommt vielleicht manchem Leser aus seinem eigenen Arbeitsumfeld bekannt vor, sofern er schon mal von einer so genannten Umstrukturierung betroffen war. Doch beide Communities arbeiten ähnlich. Und es sieht derzeit so aus, dass Subversion in Rekordzeit den Apache Incubator durchlaufen wird. Alle Projekte, die unter den Mantel der Foundation schlüpfen wollen, werden dort einer Art Gehirnwäsche unterworfen und finden nachher die nicht immer unkomplizierten Releaseprozesse, Tools, JIRA und alle Committer-Kollegen aus den anderen Projekten ganz toll.

Und überhaupt der Incubator. Aus dem gibt es andauernd Spannendes zu berichten. Im vergangenen Jahr gingen daraus die Projekte Apache Sling (Webframework für Java Content Repository), Apache PDFBox (beliebte Java-Bibliothek zur PDF-Verarbeitung) und Apache Click (noch ein Webframework) hervor. In 2010 werden das hoffentlich einige mehr sein, angesichts der um die 40 verbleibenden Projekte im „Brutkasten“. Wobei ich persönlich dabei auf noch mehr Webframeworks verzichten könnte. Heiße Kandidaten sind neben Subversion, das beim Erscheinen dieses Artikels vielleicht schon Apache Subversion ist, und dem frisch geschlüpften Apache Pivot die Projekte Cassandra, Shinding sowie das unaussprechliche UIMA.

Ein Aufschrei geht durch die Administratorengemeinde: Der Apache-Webserver (genaue Projektbezeichnung: Apache httpd, im Volksmund nur: „Der Apache“) wird in seiner 1.3er-Releaselinie nicht mehr weiterentwickelt. Man kann förmlich die weit aufgerissenen Augen in entsetzten Admin-Gesichtern vor sich sehen, die nun etliche Webserver upgraden müssen, die seit Jahren friedlich vor sich hinservieren und die sich nun die Frage stellen müssen, wo die zugehörigen Maschinen im Rechenzentrum überhaupt stehen. Noirin Shirley aus der httpd-Dokutruppe stellte die Geschichte von 1.3 in ihrem Blog in Relation zu einem anderen bekannten Produkt der letzten 20 Jahre: Nicht nur Microsoft Windows 98 wurde wenige Wochen nach dem ersten Release von Apache 1.3 auf den Markt gebracht, es wird auch seit mittlerweile vier Jahren nicht mehr von seinem Hersteller supportet. Bye, bye Apache 1.3, you served us well! Und ganz nebenbei, neu ist die aktuelle 2.2er-Produktivlinie auch nicht mehr. 2.2.0 ist vom November 2005, derzeit ist 2.2.14 vom Oktober 2009 aktuell.

Bernd Fondermann (bernd.fondermann@brainlounge.de) ist freiberuflicher Softwarearchitekt und Consultant in Frankfurt am Main. Er beschäftigt sich mit innovativen Open-Source-Technologien wie Apache Hadoop und Lucene und ist Member der Apache Software Foundation und Vice President Apache Labs.
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