Mik Kersten über die Modernisierung des ALM Stacks

Die Ermächtigung des Entwicklers

Der erste Hauptkonferenztag der JAX 2011 wurde durch die Abendkeynote von Mik Kersten, Tasktop, abgeschlossen. In seinem Talk „Task-focused Continuous Integration – bringing Code to Cloud and back again“ stellte Kersten seine Vision der nächsten Generation eines Application Lifecycle Management (ALM) Stacks vor, der die Entwickler wieder in den Mittelpunkt stellen soll. Denn ähnlich, wie durch die Automatisierungsprozesse der industriellen Revolution die gewonnen Produktivitätssteigerungen auf Kosten der Lebensqualität der Arbeiter gingen (Stichpunkt „Fließbandarbeit“), hätten IT-Automatisierungen in der Vergangenheit allzu oft die Bedürfnisse der Entwickler vernachlässigt.

F. W. Taylors Frage „How to automate repetitive tasks?“ stellt sich in der Tat in besonderer Weise im IT-Bereich. Im Enterprise-Umfeld entstanden deshalb groß angelegte ALM-Lösungen, die Automatisierungen in der Software-Entwicklung ermöglichen sollten. In der Praxis habe sich laut Kersten aber gezeigt, dass das traditionelle Enterprise-Tooling nicht wirklich auf die Anforderungen der Entwicklerteams eingegangen sei. Statt der schwerfälligen Enterprise-Tools verwenden Entwickler deshalb aus freien Stücken – und oft unter Umgehung der Unternehmensrichtlinien – leichtgewichtige Werkzeuge, die sie produktiver machen und die nicht selten aus dem Open-Source-Bereich stammen.

Keynote Mik Kersten

Tools wie Bugzilla, Trac, Mantis zur Orgnaisation von Aufgaben („Tasks“), wie CVS, Subversion, Git zur Versionskontrolle, wie Cruise Control, Hudson, Jenkins zum Buildmanagement gehen meist besser auf die Bedürfnisse der Entwickler ein als ihre kommerziellen Counter Parts, führte Kersten aus. Zudem stehe die Open-Source-Kultur für agile, transparente und dynamische Prozesse, die eine offene Beteiligung ermöglichen und damit dem Entwickler das zurückgeben können, was er durch die zentralisiert von oben verordneten Werkzeugumgebungen verloren hat.

Kersten zitierte in diesem Zusammenhang den Ökonomen Peter Drucker, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Begriff des „Knowledge Worker“ prägte. Knowledge Worker sind Arbeitskräfte, deren Fähigkeit gefördert wird, ihre Kompetenz in einem spezifischen Wissensgebiet aktiv einzusetzen, zu kommunizieren und so unternehmensweite Entscheidungen und Strategien mitzuprägen. Laut Drucker gehören zu Knowledge Worker Eigenschaften wie Verantwortungsübernahme, Innovationstrieb, Kommunikationsoffenheit. Die Ergebisse ihrer Arbeit werden nicht primär quantitativ sondern qualitativ bemessen.

Am Anfang einer „Knowledge Work“ steht laut Drucker die Frage „What is the task“, was Kersten als Brücke zur Vorstellung seines eigenen, Task-fokussierten Open Source ALM-Projektes Mylyn diente: In einem Showcase führte Kersten Mylyn vor, mit dessen Hilfe die Eclipse-Entwicklungsumgebung um Aufgaben-Organisation, Release-Planung, Build-Mangement, Continuous Integration, Time-Tracking, Code-Review und soziale Kommunikationsmöglichkeiten ergänzt wird.

Visualisierung der Committer-Beiträge zu Mylyn
Der moderne ALM Stack

Kerstens Rezept für die Modernisierung des eigenen ALM Stacks lautet abschließend: Entwickler sollten ihre Tools, die sie für eine produktive Arbeit benötigen, selbst auswählen können. Unternehmensweit sollten Open-Source-ALM-Tools und -Praktiken mit einbezogen werden. Die Planungsarbeit sollte nicht losgelöst vom Entwicklungsteam durchgeführt sondern mit dem Produktionsprozess verbunden werden. Die Entwickler sollten über integrierte Social Media oder andere Kommunikationskanäle miteinander in Verbindung treten. Letztlich gehe es um eine Ermächtigung des Entwicklers und eine Anerkennung ihrer Arbeit als „Knowledge Work“.

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