Die Enterprise Cloud

Enterprise-Lösungen für die Cloud

Cloud Computing kann als Konsequenz aus der Entwicklung vom Grid Computing zur Lösung sehr rechen- oder datenintensiver Aufgabenstellungen über das Utility Computing als Angebot dosierbarer Dienste hin zu Software as a Service zur Bereitstellung von abonnierbaren Anwendungen gesehen werden. Der Vorteil von Cloud Computing liegt in der so genannten Economy of Scale. Große Rechenzentren stellen Ressourcen zur Verfügung, die Aufgrund der Vielzahl der Rechner sehr kosteneffizient betrieben werden können. Firmen, die Rechenleistung nur zu bestimmten Zeiten benötigen, beziehen diese nun zu einem Preis von ein paar Euro die Stunde bei Bedarf, statt einen Rechner, der im Monat im Schnitt um die 1000 Euro kostet, ständig in Betrieb zu halten. Dasselbe gilt für Dienste wie E-Mail. Einen entsprechenden Server intern zu betreiben, ist ungleich teurer, als sämtliche Nachrichten eines Unternehmens über einen Cloud-Service abzuwickeln. Die Kosten pro User bleiben konstant, was vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen interessant ist, da es bei internem Betrieb ungefähr gleich teuer kommt, einen E-Mail-Server für 20 oder für 200 User zu betreiben. Die Kosten pro User variieren in diesem Fall sehr stark und sind bei wenigen Nutzern nicht mehr vertretbar. Die Cloud eignet sich jedoch nicht für sämtliche Aufgabenstellungen. Es gilt, die neuen Angebote systematisch zu prüfen und mittelfristig mit dem eigenen Leistungsangebot abzustimmen. Also jeden Systemtyp einzeln auf seine Cloud-Eignung hin zu prüfen.

Cloud-Anwendungsfälle und -Angebote

Für den systematischen Einsatz von Cloud Computing als Basis einer Enterprise-Lösung sind Aussagen von Analysten wie Merrill Lynch, wonach zwölf Prozent aller weltweiten Ausgaben für Software in Clouds fließen, oder solche spezialisierter Cloud-Consulting-Firmen wie cloudTP, die behaupten, dass 18 Prozent aller IT-Ausgaben eines Unternehmens durch den Einsatz von Clouds eingespart werden können, wenig hilfreich. Ein einfaches Raster für den Einsatz von Cloud Computing, das auf den zwei Grundpfeilern etablierter Anwendungsfall und Herstellerangebot basiert, hilft da wesentlich weiter.

Die beiden wichtigsten etablierten Anwendungsfälle für Cloud Computing sind Lösungen mit sprunghaften Ressourcenanforderungen und Anwendungen mit großen Mengen unkritischer (Archiv-)Daten. Die sprunghafte Ressourcenanforderung (Elastizität) durch ein schnelles Ansteigen der Nachfrage ist zwar wünschenswert, aber leider seltener als sich die Cloud-Anbieter erhoffen. Realität ist jedoch, dass bestimmte Anwendungen nur periodisch genutzt werden. So ist die Nutzung vieler Onlineshops saisonal und es gibt eine Vielzahl von Tages- oder Monatsendverarbeitungen, die von der Flexibilität und der Skalierung einer Cloud profitieren können. Der zweite Anwendungsfall, (Archiv-)Daten, ist wesentlich verbreiteter. Fast jedes Unternehmen verfügt über eine große Menge meist unstrukturierter Informationen, auf die nur selten zugegriffen wird, die jedoch trotzdem ab und an wichtig für das tägliche Geschäft sind. Der Ersatz aufwändiger Infrastrukturen durch eine Cloud liegt hierfür aus wirtschaftlichen Gründen auf der Hand.

Die Cloud-Service-Angebote der Hersteller teilen sich gemäß der Cloud Vendor Benchmark der Experton Group in die Bereiche Infrastructure as a Service (IaaS), Private und Public Cloud, Plattform as a Service (PaaS), Public Cloud und Software as a Service (SaaS) im Bereich CRM. Wichtige Anbieter sind Amazon, Google, Microsoft und Salesforce.com. Auf ihren Angeboten basiert eine Vielzahl anderer Dienste, die von über mehr als 180 Cloud- und über 300 SaaS-Anbietern weltweit bereitgestellt werden.

Das einfache Raster

Aus den Anwendungsfällen und den bestehenden Cloud-Angeboten kann ein einfaches Raster für die Prüfung der Cloud-Fähigkeit einer bestimmten Enterprise-Lösung abgeleitet werden. Enterprise-Lösungen, die meist mit Standardsoftware realisiert werden, setzen voraus, dass ein entsprechendes SaaS-Angebot eines etablierten Herstellers vorliegt. Enterprise-Lösungen, die auf Individualentwicklungen basieren, eignen sich nur dann, wenn sie mit der entsprechenden PaaS-Infrastruktur neu gebaut werden können. Enterprise-Lösungen, die mit großen und sich nicht verändernden unstrukturierten Daten arbeiten, eigenen sich mehr als solche, die mit strukturierten oder kritischen Daten oder mit großen Bewegungsdaten arbeiten.

Das einfache Raster besagt auf den ersten Blick, dass heute im Bereich der operativen Systeme lediglich CRM-Systeme Cloud-fähig sind, ganz einfach, weil es Salesforce.com gibt. Dispositive Systeme eignen sich per se nicht für die Cloud, da sehr viele Daten bewegt werden müssen, um vernünftige Zahlen als Grundlage für die Unterstützung von Führungs- und Entscheidungsprozessen zu generieren. Systeme für die Verwaltung von unstrukturierten Daten sind jedoch generell aufgrund des Grads an Individualentwicklung und der Struktur der Daten Cloud-fähig. Dieses einfache Bild stellt zweifellos die heutige Realität der Verbreitung der Cloud-Enterprise-Lösungen dar. Es hilft jedoch nur beschränkt, die Planung zukünftiger IT-Anwendungslandschaften zu gestalten. Da ist ein zweiter Blick notwendig.

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