Interview mit Anna Löw und Matthias Lübken

„Die DevOps-Bewegung ist die natürliche Reaktion auf allgemeine Trends in der Softwarebranche“

Redaktion JAXenter

Anna Löw (Giant Swarm) und Matthias Lübken (Red Hat)

An DevOps, das ist vielen Firmen bereits klar, führt nichts vorbei und die Vorteile wurden in der Community bereits ausführlich diskutiert. Dennoch tun sich Unternehmen immer wieder schwer, die entsprechenden Techniken erfolgreich umzusetzen. Im Interview mit JAXenter sprachen die DevOpsCon-Sprecher Anna Löw und Matthias Lübken über die Herausforderungen der gelebten DevOps-Kultur und ob man den Erfolg von DevOps messen kann.

JAXenter: Die DevOps-Bewegung ist unvermeidbar – so heißt es in Eurem Abstact zur DevOpsCon. Weshalb eigentlich? Was verpassen Unternehmen, die nicht den Übergang zu einer DevOps-Kultur machen können bzw. wollen?

Anna Löw und Matthias Lübken: Man kann die DevOps-Bewegung als natürliche Reaktion auf allgemeine Trends in der Softwarebranche sehen: Anforderungen und Releasegeschwindigkeit steigen kontinuierlich. Alte Vorgehen aus der Softwareentwicklung, wie etwa Abteilungsdenken, wurden dem nicht gerecht und so haben innovative Unternehmen es uns vorgemacht, dass kleine, autonome und crossfunktionale Teams effizienter und schneller sind. Die DevOps-Bewegung beschreibt in einer hervorragenden Art und Weise, wie Teams aus unterschiedlichen Abteilungen zusammen arbeiten können und letztendlich zu einer Abteilung werden.

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JAXenter: Da stellt sich dann natürlich die Frage, weshalb nicht alle Unternehmen den DevOps-Weg einschlagen. Selbst DevOps-willige Unternehmen stehen da vor gewissen Herausforderungen. Welche sind das aus Eurer Erfahrung?

Anna Löw und Matthias Lübken: Für Unternehmen, die bisher anders gearbeitet haben, handelt es sich hier letztendlich um einen Change-Management-Prozess und dieser ist mit Herausforderungen verbunden. Grundsätzlich gilt: Je tiefer der Wandel in die alltägliche Arbeit der Mitarbeiter hineingreift, desto komplexer und konfliktbehafteter ist die Transformation. Innovationsdruck zwingt Unternehmen zum Umdenken, doch Umdenken reicht nicht. Die Umsetzung ist die eigentliche Herausforderung und diese ist bei DevOps sehr konkret. Und ohne unserem Talk zu viel vorwegzunehmen: Wir glauben außerdem, dass eine Unklarheit darüber herrscht, was DevOps für das Unternehmen bedeutet. Hier herrscht Klärungsbedarf zwischen Leitung und Mitarbeitern.

JAXenter: Bei der Diskussion um DevOps kommen immer wieder zwei Seiten zum Vorschein: Manche betonen die methodische bzw. handwerkliche Seite von DevOps, bei der es vor allem um die Einrichtung einer Continuous Delivery Pipeline geht. Andere reden von „Kultur“, womit u.a. eine komplette Neuordnung von Kommunikations- und Team-Strukturen angesprochen wird. Wie seht ihr das? Wieviel von DevOps ist Kultur, wieviel ist Methode/Handwerk/Tooling?

Mit Systems Thinking ist es dem Produktmanager möglich, die grundsätzliche Art und Weise, wie Software im Unternehmen entwickelt wird, zu beeinflussen.

Anna Löw und Matthias Lübken: Ganz klar 65 % zu 35 %. Im Ernst: Für uns ist es ein Erfolgszeichen, dass diese Bewegung von beiden Seiten betrachtet wird. Langfristig geht es sicher um einen Kulturwandel, der neue Denkmuster zulässt. Aber – und das ist essentiell – der Erfolg beruht auf einem konkreten handwerklichen Doing. So können einige wenige eine Grassrootsbewegung starten, die, wenn sie vom Management aufgegriffen wird, zu unternehmensweiten Veränderungen führen kann.

Die Continuous Delivery Pipeline ist ein gutes Beispiel: Zum einen kann der Entwickler hier mit die neusten Features aus Jenkins 2.0 ausprobieren. Zum anderem kann sich der Produktmanager hier ganz dem Systems Thinking (siehe First-Way of DevOps by Gene Kim) widmen und den Fluss einer Anforderung über Entwicklung in Produktion beschreiben. Er beeinflusst damit letztendlich die grundsätzliche Art und Weise, wie Software im Unternehmen entwickelt wird.

JAXenter: Kann man den Erfolg von DevOps messen – wenn ja, wie?

Anna Löw und Matthias Lübken: Devops mit einigen wenigen Metriken zu beschreiben und damit dessen Erfolg zu messen, ist sicherlich zu kurz gegriffen. Dennoch denken wir, dass man mit unterschiedlichen technischen, strukturellen und kulturellen Parametern einen „DevOps-Reifegrad“ darstellen kann. Dieser Grad ist nicht als Vergleichsgröße zu verstehen, sondern als Grundlage für Verbessserungsmöglichkeiten. DevOps ist so individuell wie die Unternehmen, in den es angewendet wird.

JAXenter: Was ist die Kernaussage Eurer DevOpsCon-Session? Was sollten die Zuhörer auf jeden Fall mit nach Hause nehmen?

Anna Löw und Matthias Lübken: Wir wollen unsere Zuhörer dazu anregen, ihre eigene Definition von DevOps zu hinterfragen. Hierzu bekommen sie einen konkreten Test an die Hand, mit welchem sie ihre und andere Unternehmen auf deren DevOps-Reifegrad überprüfen und DevOps-Schauspielerei entlarven können.

annaloewAnna Löw arbeitet bei Giant Swarm. Zuvor war sie HR Manager bei der Adcloud GmbH und verfügt über generalistische HR- und Beratungserfahrung in verschiedenen Unternehmen. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind Systemisches Coaching, Recruiting, Beratung sowie Organisations- und Personalentwicklung.
matthiasluebkenMatthias Lübken is principal software engineer at Red Hat. He has long time experience with different aspects in product and software development. Currently his main interest revolves around containerisation and the implications for software developers.

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