Die ALM-Revolution: Open Source in the Enterprise - JAXenter

Die ALM-Revolution: Open Source in the Enterprise

Hartmut Schlosser

Nichts Geringeres als eine Revolution der Art, wie Menschen Wissen produzieren, peilte Mik Kersten in seiner Mittwochs-Keynote „Bringing open source collaboration to the enterprise“ der W-JAX 2010 an. Dabei stellte der Mylyn-Erfinder und CEO von Tasktop den Softwareentwicklungsprozess als eine Art der Wissensproduktion dar, für die er neues Abstraktionsmodell vorschlug, in welchem die Erfahrungen der Open-Source-Bewegung mit den Anforderungen des Enterprise-Bereichs in Einklang gebracht werden sollen.

Kersten zeichnete zunächst den Veränderungsprozess nach, der sich im Bereich des Entwickler-Toolings in den letzten Jahren vollzogen hat. Hier nähmen Open-Source-Projekte wie Bugzilla, Mantis, Git, Hudson oder Cruise Control ebenso wie die zahlreichen Eclipse- und Apache-Projekte einen immer größeren Stellenwert ein.

Doch nicht nur das – mit den Tools habe sich auch die Art und Weise verändert, wie heute erfolgreiche Projekte entwickelt werden: Agilität, Dynamik und transparente Entwicklungsweise in einer verteilt agierenden Community führten oft zu besseren und vor allem effizienteren Ergebnissen als die traditionellen Techniken, die vor allem im Enterprise-Bereich noch Gang und Gäbe seien. Hierarchische Strukturen, unidirektionale Kommunikation und lange Planungszyklen prägten hier noch immer das Bild.

Mik Kersten auf der W-JAX-Bühne

Während sich im Open-Source-Bereich ein Tooling herausbildete, welches sich um die schnelle Kommunikation zwischen Entwickler und Team bzw. Community kümmerte, sei die Werkzeug-Landschaft im Enterprise-Bereich vor allem auf die Kommunikation zwischen Planungsebene (Management) und Entwickler-Team ausgerichtet.

Die Herausforderung bestehe nun darin, diese zwei Ebenen mit einer neuen Art von Werkzeugen zu verbinden, welche den gesamten Lebenszyklus eines Enterprise-Projektes abdeckt. Schlüssel hierfür sei die Integration der sich in der Open-Source-Bewegung bewährten agilen Werkzeuge in den ALM-Prozess eines Unternehmens.

Das Kersten-Projekt Mylyn bzw. die darauf aufbauende kommerzielle Erweiterung Tasktop könne hierbei einen Beitrag leisten, da diese darauf ausgelegt seien, die Welt der agilen Open-Source-Werkzeuge mit den Anforderungen etwa der Planungssicherheit und Messbarkeit des Enterprise-Bereiches zu vermitteln. Alle Arbeitsschritte werden hierfür in Kontext-sensitive Tasks eingeteilt, die in die jeweiligen Entwicklungsumgebungen eingebunden werden. Das Konzept der Tasks soll es dem Entwickler erlauben, an seiner gewohnten Arbeitsweise und Tooling-Landschaft festzuhalten. Gleichzeitig eröffnen sich der Planungsebene umfangreiche Metriken und Monitoring-Optionen, die den Projekt-Fortschritt und das Interaktionsverhalten des Entwicklerteams direkt messbar machen.

Damit wird der Bogen zur anfänglich erwähnten Innovation des Wissensproduktionsprozesses im Allgemeinen geschlagen. Denn typischerweise, so Kersten, erstrecke sich der Lebenszyklus eines Großprojektes – gleich ob es sich um einen Airbus A 380 oder ein Enterprise-Software-System handele – über einen solch langen Zeitraum, dass er abhängig werde von einem dokumentierten Prozess der Wissensgewinnung.

Individuen statt Tools?

Agilität bezeichnet eine Methodik, die sich anschickt, viele der Werte, die Kersten anspricht, zu verwirklichen. Nun bewertet das Agile Manifesto Individuen und Interaktionen explizit höher als Prozesse und Tools – ein Widerspruch?

In der Tat stört sich ein Mann wie Kersten, dem es um die Bereitstellung von „agilen Entwicklungswerkzeugen“ zu tun ist, an der Erwähnung der „Tools“ im Agilen Manifesto. Erklärbar sei dies nur damit, dass die Tooling-Landschaft vor knapp zehn Jahren beherrscht war von schwergewichtigen Entwicklungssuiten, die die Dynamik der heutigen Open-Source-Tools gerade verhinderten.

Die Tools, um die es Kersten geht, müssen die Dynamik der agilen Methodik auffangen und fördern – das Ziel der nächsten Jahre kann also nur darin bestehen, die Tooling-Landschaft auch im Enterprise-Sektor derart zu verändert, dass die Erwähnung der „Tools“ als Negativum im agilen Manifest entfallen kann.

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Hartmut Schlosser
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