Die 4 Philosophien für Entwickler und Technologie-Entscheider

Judith Lungstraß

Jeder Entwickler sieht sich regelmäßig mit einer schier unlösbaren Problemstellung konfrontiert: Welche der vielen mittlerweile auf dem Markt verfügbaren Technologien soll er nur verwenden? Ihren Zweck erfüllen die meisten davon, was die Entscheidung umso schwieriger macht. Wie Paul Stovell in seinem Blog feststellt, beruht das Ergebnis dieses Entscheidungsprozesses keineswegs auf Zufall, sondern auf der Einordnung der jeweiligen Entwickler in Personengruppen, von denen jede einzelne auf ihrer ganz eigenen Philosophie basiert.

1. Der Utilitarist (Webformsismus)

Für den Utilitaristen zählt nur das Ergebnis, welches durch die Auswahl einer bestimmten Technologie hervorgebracht werden könnte. Solange ein Tool verspricht, sein Resultat zu maximieren, gehen den Utilitaristen die spezifischen Qualitäten einer Technologie nur wenig an – immerhin ist diese für ihn nichts weiter als ein Mittel zum Zweck. Der Utilitarist sträubt sich nicht vor „minderwertigen“ Technologien wie Web Forms oder Silverlight und hat auch keine Angst vor Drag-and-Drop-Tools. Code wird von ihm nur dann überarbeitet, wenn er auch wirklich kaputt ist. Man erkennt diesen Typ an seinem massenhaften Gebrauch der UI Control Libraries von Drittanbietern und an seinem unordentlichen Code.

2. Der Paternalist (Redmondismus)

Die Entscheidung des Paternalisten basiert nicht auf einer subjektiven Einschätzung der Qualitäten der jeweiligen verfügbaren Technologien, sondern lediglich auf großen Namen. Er glaubt an die Macht der Big Players, vertraut diesen nahezu blind und hält nichts von kleinen Unternehmen oder Open-Source-Software. Diese Einstellung erleichtert ihm die bekannten Entscheidungsschwierigkeiten erheblich: Soll er beispielsweise eine ORM-Technologie auswählen, so bleiben ihm nur Entity Frameworks, DataSets und Enterprise Library Data Access Application Block als Auswahlmöglichkeiten. Letztendlich benutzt der Paternalist häufig Technologien mit schlechter Qualität, die teilweise sehr langsam sind.

3. Der Libertarist (Githubismus)

Der Libertarist ist insofern das direkte Gegenteil des Paternalisten, als er sich gegen einen zu großen Einfluss bestimmter Anbieter richtet. Seiner Meinung nach sollen Anbieter ihren Kunden dienen und nicht umgekehrt. Als Entwickler bleibt der Libertarist gerne selbstständig und handelt fern von jeglichem Markendruck – eine Abhängigkeit bzw. Nötigung durch bestimmte große Softwarefirmen schätzt er als gefährlich ein und versucht, diese soweit wie nur möglich zu meiden. Ist ihm keine Entscheidungsmöglichkeit gegeben, schreibt er, um frei zu bleiben, auch gerne mal seine eigenen Programme. Seine Festplatte erkennt man daran, dass auf ihr eine Vielzahl an Open-Source-Software installiert ist; sein einziges Windows-Produkt ist das .NET Framework.

4. Der Kantianer (Unclebobismus)

Anders als Utilitaristen wählen Kantianer ihre Technologien nicht nach dem Resultat, welches sie erzielen sollen, aus, sondern lediglich nach der Natur dieser Technologien an sich. Sie sehen eine Technologie nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Mittel und Zweck gleichzeitig. Im Gedankenuniversum des Kantianers gibt es keine verschiedenen Ansichten und Abhängigkeiten – eine Möglichkeit ist für ihn entweder richtig oder eben falsch. Welche Kategorie zutrifft, definiert er anhand der SOLID-Prinzipien. Aus diesem Grunde wählt er z.B. auch stets ASP.NET MVC anstatt Web Forms, da es ganz einfach näher an diesen Prinzipien liegt.

…und Sie?

Welcher Gruppe gehören Sie an? Eher den loyalen Paternalisten oder den freiheitsliebenden Libertaristen? Sind Sie ein stets mit Gewinnmaximierung beschäftigter Utilitarist oder geht es Ihnen als Kantianer um die „Technologie an sich“?

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Judith Lungstraß
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