Die 2 Optionen für den JCP: Pragmatismus oder Brandstiftung?

Hartmut Schlosser

Für Java Champion Stephen Colebourne steht bei der kommenden Wahl zur Annahme des Umbrella-JSR für JDK 7 (und damit die von Oracle vorgesehene Java-Roadmap) nichts Geringeres als die Zukunft des Java Community Process (JCP) auf dem Spiel. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit muss Oracle hier erreichen, will es den eingeschlagenen Weg für Java in einer vom JCP legitimierten Form weitergehen, erläutert Colebourne in seinem Blogposting „Does Oracle have enough votes?„.

Wahlkampfarena JCP

Werfen wir einen kurzen Blick auf das wahlberechtigte Java SE/EE Executive Committee. 16 Mitglieder zählt dieses Gremium zurzeit:

  • Apache Software Foundation – Geir Magnusson
  • Credit Suisse – Roger Weber
  • Eclipse Foundation Inc. – Mike Milinkovich
  • Ericsson AB – Jens Jensen
  • Fujitsu Limited – Hiroyuki Yoshida
  • Google – Josh Bloch
  • Hewlett-Packard – Scott Jameson
  • IBM – Jason Gartner
  • Intel – Steven Chin
  • Oracle – Don Deutsch
  • Red Hat middleware LLC – Mark Little
  • SAP – Michael Bechauf
  • VMware – Rod Johnson

Individuelle Mitglieder:

  • Werner Keil
  • Doug Lea
  • Tim Peierls

Darüber, wie sich diese Mitglieder entscheiden werden, spekuliert Colebourne in seinem Blog und kommt zu dem Schluss, dass der Ausgang der Wahl zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als klar sei.

Während Vertreter wie die Apache Software Foundation und Google klar gegen den Oracle-Kurs stimmen dürften, haben sich andere Vertreter wie RedHat und die Eclipse Foundation bereits deutlich zur Oracle-IBM-Allianz bekannt.

Worauf will Colebourne aber eigentlich hinaus?

Er möchte ein wenig Wahlkampf in eigener (sprich Pro-Apache)-Sache betreiben. Da nämlich vor der Abstimmung über JDK7 eine Neuwahl des JCP Executive Commitiee ansteht, in der sich Google und Eclipse einer Wiederwahl stellen müssen, ruft Colebourne die stimmberechtigten JCP-Mitglieder dazu auf, nicht für die Eclipse Foundation zu stimmen.

Die Eclipse Foundation reagiert

Die Rechnung ist einfach: Eclipse aus dem Executive Committee auszuschließen bedeutet, eine Stimme weniger an Oracle/IBM abtreten zu müssen.

Dass eine solch offene Anti-Eclipse-Kampagne nicht unbeantwortet bleiben würde, war abzusehen. Mike Milinkovich antwortet prompt mit seinem Blogeintrag „Java 7 Vote, in dem er die Motivation für die Eclipse Foundation beschreibt, tatsächlich für den JDK7-UJSR zu stimmen.

Nach all den lähmenden Patent-Querelen der letzten Jahre sei es an der Zeit, alte Zöpfe abzuschneiden und nach vorne zu blicken, meint Milinkovich. Und hier sei die einzige realistische Option, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam an JDK7 und einer Renovierung des JCP „von innen“ zu arbeiten.

For over three years now, Java has been stagnating as a language and a platform. [.] At some point this lack of progress becomes an existential question. If Java does not start to progress as a platform, it will die. It has already suffered an enormous loss of momentum. Mike Milinkovich

Therefore, we are going to vote based on the technical merits of Java 7. From our point of view „Plan B“ defines the logical next steps for the Java platform. Mike Milinkovich

Colebourne nennt diese Haltung in seinem Folgepost „JCP – Pragmatism or Bust“ „pragmatisch“ und stellt dem Milinkovich´schen Pragmatismus eine weitere Option zur Seite: Den JCP bewusst zu beenden!

Denn ein „Nein“ für den JDK7 JSR würde wahrscheinlich bewirken, dass Oracle den JCP auflösen würde.

Were the JCP Executive Committee to vote down Java SE 7, I fully expect that Oracle would terminate the JCP. It would cease to exist. Option 4 is therefore „slash and burn“. Force Oracle to terminate the JCP and start anew. Stephen Colebourne

Pragmatismus oder Brandstiftung?

Ob die „pragmatische“ oder die – nennen wir sie in Anlehnung an Colebournes Vokabular – „brandstifterische“ Lösung besser für die Zukunft von Java ist, muss nun jedes Executive-Mitglied bei der anstehenden Wahl für sich entscheiden.

Sicher dürfte allerdings sein, dass Colebourne nicht der einzige Wahlkämpfer in dieser Angelegenheit ist. Was die Oracle-IBM-Allianz auf diesem Gebiet zu leisten im Stande ist, werden wir spätestens nach dem Urnengang zur JDK-7-UJSR-Wahl erfahren.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.