Interview mit Sacha Labourey

„Man wird heute nicht gefeuert, weil man CI/CD praktiziert, sondern weil man es nicht praktiziert“

Dominik Mohilo

Sacha Labourey

Die Continuous Delivery Foundation (CDF) wurde im März diesen Jahres ins Leben gerufen, um ein Ökosystem für Continuous-Delivery-Lösungen und -Praktiken zu etablieren. Sacha Labourey, CEO und Co-Founder von CloudBees, gibt im Interview Auskunft über die letzten Entwicklungen und klärt, was es mit der Evolution von CI/CD zu Software Delivery Management (SDM) auf sich hat.

JAXenter: Hallo Sacha, unser letztes Interview liegt schon eine Weile zurück. Wir hatten uns im Mai über die Continuous Delivery Foundation (CDF) unterhalten. Könntest du uns ein wenig darüber informieren, was seitdem dort passiert ist?

Sieben Monate nach dem Start der Continuous Delivery Foundation  sind die Grundlagen gelegt.

Sacha Labourey: Die Aktivitäten in der CDF sind wirklich großartig! Wir haben mittlerweile 33 Mitgliedsunternehmen – das ist ein Plus von 43% seit der Gründung der Foundation -, dabei eine Mischung aus Anbietern und Nutzern, wie Google, Salesforce, HSBC, Netflix, Autodesk, Alibaba Cloud, etc. Es wurden verschiedene Komitees gebildet und die vier aktuellen Projekte der CDF — Jenkins, Jenkins X, Spinnaker und Tekton — erhalten zahlreiche Beiträge.

Sieben Monate nach dem Start der CDF sind also die Grundlagen gelegt. Wir haben neun strategische Ziele für 2019/2020 definiert, darunter das Voranbringen von Continuous-Delivery-Lösungen, die Förderung der Projekte und eine verbesserte Interoperabilität der Tools.

Das nächste große Treffen für die Community findet Anfang Dezember in Lissabon statt, auf der DevOps World | Jenkins World Europe. Ich werde natürlich da sein!

JAXenter: Auf den CloudBees Days in Frankfurt hast du über die Zukunft von CI/CD und das Stichwort Software Delivery Management (SDM) gesprochen. Was bedeutet das?

Sacha Labourey: Man kann SDM als die nächste Stufe in der Adoption von CI/CD in Unternehmen betrachten. Unternehmen, die CI/CD einsetzen, tun dies, um die Entwicklung neuer Produkte in cross-funktionalen Gruppen zu beschleunigen und Silos zu beseitigen.

Das ist anfangs alles großartig. Aber mit der zunehmenden Ausweitung der Methoden in Unternehmen passiert es schnell, dass jedes Team bzw. jedes Produkt zu seinem eigenen Silo wird. Stell dir Unternehmen vor, die ihre CD-Praktiken beschleunigen und von jährlichen oder vierteljährlichen Releases auf mehrere Releases pro Woche oder pro Tag umsteigen. Änderungen fluktuieren plötzlich die ganze Zeit über im Unternehmen, in einem nie gekannten Ausmaß.

Was kann man als Unternehmen tun, um sicherzustellen, dass diese unglaubliche Energie und Flexibilität, die ja hart erkämpft wurden, nicht auf Kosten der Unternehmensrichtlinien und Projekt-Anforderungen gehen? Wie können Unternehmens-Policies eingehalten werden, ohne dass man die gerade gewonnene Geschwindigkeit wieder verliert? Und wie kann man Teams trotz des steten Stroms der Veränderung effektiv zusammenarbeiten lassen?

Entwickler stellen sich die Frage, womit sie sich in der nächsten Stunde beschäftigen sollen, um die größte Wirkung auf das Geschäftsziel zu entfalten. Was ist das wichtigste Feature, das man fertigstellen bzw. releasen sollte? Dies sind absolute Schlüsselfragen, und dennoch sind sie nur schwer zu beantworten angesichts des kochenden Ozeans der Veränderung.

SDM liegt eine Ebene höher als CI/CD und fängt die Signale — alle Signale — aller in der Software Delivery involvierten Tools ein, speichert diese in einem normalisierten DevOps-Datenmodell (auf das man via SDM-Anwendungen zugreifen kann) und verbindet sie mit dem Rest des Unternehmens. Auf diesem Weg kann eine detaillierte Analyse darüber stattfinden, an welcher Stelle man den größten Einfluss haben könnte und wie man die verschiedenen Teile des Unternehmens koordinieren kann.

Im Wesentlichen ist SDM das, was man benötigt, wenn ein CI/CD-Rollout erfolgreich war!

DevOpsCon Istio Cheat Sheet

Free: BRAND NEW DevOps Istio Cheat Sheet

Ever felt like service mesh chaos is taking over? As a follow-up to our previous cheat sheet featuring the most important commands and functions, DevOpsCon speaker Michael Hofmann has put together the 8 best practices you should keep in mind when using Istio.

JAXenter: Das hört sich ja eher kompliziert an. Wie können Unternehmen und Projekte auf SDM umschalten und welche Hindernisse müssen sie dabei überwinden?

Sacha Labourey: Eigentlich ist es ganz einfach, da SDM nicht einen Teil des Unternehmens ersetzt. Es wird „On-top“ eingeführt, verbindet sich mit den verschiedenen Tools (Git Repository, Issue Tracker, CI/CD Engine, APM, etc.) und konsumiert deren Signal. SDM verfolgt einen sehr iterativen Ansatz.

Ich kann es sicherlich nachvollziehen, dass sich SDM für viele Menschen momentan noch etwas abstrakt anfühlt. Aber dasselbe galt vor Jahren bei der Einführung von CRM und ERP, die heute quasi in jedem Unternehmen auf der ganzen Welt zu finden sind. SDM ist für Software Delivery das, was ERP für Finanzen ist.

JAXenter: CloudBees bietet viele seiner Tools Open Source an. Wird die Suite auch Open Source verfügbar sein, um das gesamte Software Delivery Management abzudecken? Welche Werkzeuge sind enthalten?

Sacha Labourey: Unser Pläne sehen es derzeit nicht vor, die SDM Foundation Open Source zu betreiben. Aber eine Anzahl von „Applikationen“ (das sind Module, die von CloudBees-Kunden und Partnern auf der Plattform deployt werden können) werden es definitiv sein.

JAXenter: Du erwähntest in deiner Präsentation auch, dass DevOps kein moderner Begriff sei. Warum?

Wir sind an dem Punkt, dass heute diejenigen sich rechtfertigen müssen, die den Status quo nicht verändern.

Sacha Labourey: Wir erleben eine extrem schnelle Adoption einiger Schlüsselpraktiken und -technologien, die unsere bisherige Vorgehensweise radikal verändern – von DevOps über Container, CI/CD bis hin zur Cloud. Es beeindruckt mich, wie schnell sich die Sachen verändert haben: von dem Punkt, als man die neuen Ideen rechtfertigen musste -, dass man erklären musste, warum der Status quo verändert werden sollte -, bis hin zu dem Punkt, dass heute diejenigen sich rechtfertigen müssen, die den Status quo nicht verändern. Cloud, Container, CI/CD und DevOps sind die neue Normalität. Man wird als CIO nicht deswegen gefeuert, weil man CI/CD praktiziert, sondern weil man es nicht praktiziert.

JAXenter: Wie wird sich DevOps im kommenden Jahren entwickeln? Welche Ideen und Technologien werden in diesem Bereich den größten Einfluss haben?

Sacha Labourey: Was wir ganz eindeutig beobachten können, ist die Einführung eines Kanons von wenigen Technologien, die vom gesamten Unternehmen benutzt und von allen Teams und Produkten geteilt werden. In der Regel handelt es sich dabei um Code Repositories (Git), Issue Tracker (à la JIRA) und CI/CD (à la Jenkins). Um diesen Kanon herum gibt es viel weniger Standardisierung und viel mehr Innovation. Unternehmen schätzen die Freiheit, innovative Lösungen in ihr Technologie-Rückgrat zu integrieren, um die Entwicklungsteams zufrieden zu stellen. Ebenso sehen wir den großen Wunsch von Unternehmen, einen hybriden Technologie-Kanon aufzubauen, mit dem man in der Lage ist, bestehende Applikationen zu modernisieren und die Reise in die Cloud, in mehrere Clouds, anzutreten.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Sacha Labourey was born in Neuchâtel, Switzerland and graduated in 1999 from EPFL. It was during Sacha’s studies at EPFL that he started his first consulting business – Cogito Informatique. In 2001, he joined Marc Fleury’s JBoss project as a core contributor and implemented JBoss’ original clustering features. In 2003, Sacha founded the European headquarters for JBoss and, as GM for Europe, led the strategy and partnerships that helped fuel the company’s growth in that region. While in this position, he led the recruitment of some of JBoss’ key talent and acquisition of key technology. In 2005, he was appointed CTO of JBoss, Inc. and oversaw all of JBoss engineering. In June 2006, JBoss, Inc. was acquired by Red Hat (NYSE:RHT). After the acquisition, Sacha remained JBoss CTO and played a crucial role in integrating and productizing JBoss software with Red Hat offerings. In 2007, Sacha became co-General Manager of Red Hat’s middleware division. He ultimately left Red Hat and founded CloudBees in April 2010.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: