Unsere Highlights der DevOpsCon 2019

11 Take-aways der DevOpsCon 2019 in München: Stoppt das binäre Denken!

Jan Bernecke, Dominik Mohilo, Chris Stewart

© Shutterstock/Kim Reinick

Die DevOpsCon 2019 in München ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir blicken auf ein breites Spektrum an Themen und auf viele spannende Sessions zurück. Von der Vermittlung der DevOps-Philosophie in Unternehmen, über die neuen Herausforderungen im Security-Bereich bis zu den Diskussionen über Kommunikations-Optimierung – wir stellen unsere Highlights der DevOpsCon-Winteredition vor.

Das „Who is Who“ der internationalen DevOps-Szene kam für vier Tage vollgepackt mit Keynotes, Sessions und Workshops in München zusammen. Unter dem seit 2015 bestehenden Motto „Re-Think IT“ drehte sich alles um die Themen Continuous Delivery, Microservices, Docker, Clouds und Digitale Transformation. Auch im 10 Jubiläumsjahr von DevOps zeigt sich, dass das Thema nicht an Aktualität verloren hat und sich mehr und mehr in den modernen Unternehmensstrukturen etabliert.

Über 50 renommierte Experten sprachen und diskutierten mit einem großen, interessierten Publikum über die aktuellsten Themen der Branche, während Workshops mit Live-Coding die Brücke zur praktischen Anwendung schlugen. Wir stellen in diesem Artikel unsere Highlights aus diesen vier Tagen DevOpsCon 2019 vor.

Take-Away #1: Jeder arbeitet im Ops-Bereich

Incident Management ist etwas, das oft als eher langweilige Pflicht wahrgenommen wird. Die Wichtigkeit dessen ist aber nicht wegzudiskutieren, wie Damon Edwards in seiner Eröffnungskeynote darlegte. Grund hierfür ist, dass mittlerweile eigentlich jeder Entwickler irgendwie auch im Operations-Bereich tätig sind. Frei nach dem Motto: „Sind wir nicht alle ein wenig Ops?!“

Doch das Scheitern ist an sich nichts Schlimmes. Wir müssen nur, so Edwards, versuchen, Fehlschläge nicht nur zu vermeiden. Stattdessen sei es wichtig, sie hinzunehmen und daraus zu lernen, sodass es beim nächsten Mal schneller klappt, Probleme zu lösen. Man kann diese „Incidents“ eben nicht vermeiden, daher sollte man sich das Credo „Accept Failure…but not downtime“ auf die Fahnen schreiben.

Wir haben zudem mit Damon Edwards im Interview über seine Ansichten zu DevOps im Allgemeinen, dessen Zukunft und SRE im Speziellen unterhalten.

Take-Away #2: Soft Skills sind jetzt Core Skills


Soft Skills sind nicht mehr länger nur ein „Nice to have“, sondern mittlerweile essentielle Voraussetzungen für Berufe und Positionen, die mit DevOps zu tun haben. Wir sollten daher aufhören, lediglich darüber zu debattieren und sie anfangen als sogenannte Core Skills zu betrachten – als Fähigkeiten, die zu den Kernkompetenzen gehören.
 
 

Take-Away #3: Warum Sie „The Unicorn Project“ wirklich, wirklich lesen sollten

In den Vorträgen gab es eine ganze Fülle an Buchempfehlungen von verschiedenen Speakern. Neben Titeln wie Seeking SRE mit einem Kapitel von Damon Edwards oder Thinking in Bets von Annie Duke, ist vor allem immer wieder von einem Buch die Rede: The Unicorn Projekt. Das neueste Meisterwerk des DevOps-Visionärs Gene Kim wurde nur wenige Tage vor Beginn der Konferenz veröffentlicht. Wir haben es noch nicht ganz durch,  aber wir sehen bereits, wie wir die fünf Ideale nutzen können, um unser Arbeitsleben zu verbessern!

Take-Away #4: Wir sollten binäres Denken beenden


Ich habe recht, daher musst du unrecht haben. So funktioniert binäres Denken. Julia Wester hielt eine sehr eingängige Session, in der sie die Vorteile des spektralen Denkens erklärt. Neue Perspektiven können zum Beispiel neue Facetten zu bestimmten Themen eröffnen und das Finden von innovativeren Lösungen erleichtern.

Zur Veranschaulichung sezierte Julia Wester einen Tweet von US-Präsident Donald Trump und zeigte Spielarten des binären Denkens auf, damit sie in Zukunft leichter erkannt werden können. Schlussendlich ist ein Team, bei dem jeder das Gleiche denkt, nicht besser als eines, bei dem keiner den anderen versteht.

Durch spektrales Denken lernen wir, dass es möglicherweise einen dritten (oder vierten, fünften, xten) Weg gibt, gewisse Dinge zu bewerkstelligen. Es geht nämlich nicht immer nur darum, wer recht hat, sondern darum herauszufinden, was der beste Weg ist, die Wünsche des Kunden zu erfüllen.

Take-Away #5: Die DevOps-Transformation kann schmerzhaft sein

Kommunikation ist der Schlüssel zu DevOps, falls das noch nicht bekannt war. Isolation ist definitiv nichts, was wir anstreben sollten, schon gar nicht bei der Arbeit. Wer also die Transformation hin zu DevOps vorantreiben will, sollte mit anderen Unternehmen sprechen, die diese Reise bereits hinter sich haben, wie René Lippert in seiner Session betonte. Dort findet man möglicherweise hilfreiche Tipps und Tricks.

Er nahm als Beispiel das Gefühl, sich die Finger zu verbrennen: Das ist schwer zu beschreiben und genau so verhält es sich auch in Sachen DevOps-Transformation. Es gibt viele komplizierte Vorgänge, die zu schwierig zum Beschreiben sind, aber von denen man eine Ahnung bekommt, wenn man sich mit anderen darüber austauscht. Und je mehr man über einen Weg weiß, desto besser kann man sich auf die Holpersteine auf der Reise vorbereiten.

Take-Away #6: Es braucht konkrete Gründe für konkrete Veränderungen

Artur Margorani wies darauf hin, dass es überhaupt nicht hilft, einfach nur herumzulaufen und jedem zu sagen, wie agil er oder sie sei. Ebenso wird es wahrscheinlich nicht funktionieren, Teams vorzuschreiben, dass sie jetzt agil sein müssen und was sie tun sollen, um dies zu werden. Warum? Weil sie ihre Aufgaben und ihren Workflow kennen und es bereits ziemlich gut funktioniert.

Um echte, konkrete Veränderungen anzustoßen, sollten zuerst die Gründe dafür mit den Teams besprochen werden, um danach gemeinsam an einer sinnvollen Umsetzung der agilen Praktiken zu arbeiten. Auf diese Weise verstehen Mitarbeiter die Intention und Ziele der Veränderungen und werden sich einfacher damit tun, sie anzunehmen.

Take-Away #7: You design it, you build it, you run it

Kommunikation ist der Schlüssel. Diesem Satz begegnet man quasi überall – vom Fußballplatz bis zu den Chefetagen der DAX-Unternehmen. Und so auch in der Welt der Software-Entwicklung, wie Michael Plöd, Principal Consultant bei innoQ, in seiner Session noch einmal deutlich hervorhob. Moderne Arbeitsweisen, die zeitnah bestmöglichste Ergebnisse aufweisen wollen, benötigen seiner Meinung nach nicht nur Kommunikation – sondern direkte Kommunikation. In der Praxis heisst das: Entwickler arbeiten im direkten Austausch mit den Domain-Experten zusammen. Für sein Modell verbindet Plöd dabei Elemente aus DevOps und DDD. Die beiden Strategien sind nicht neu, haben aber keineswegs an Aktualität verloren,

Das Ergebnis ist eine Cross Skill Collaboration mit Ops, Devs und Architects als autonome Teams, welche direkt mit Business-Domain-Experten im Austausch stehen und so den gesamten Lifecircle eines Projektes mit durchlaufen. Auf diese Weise erweitern DDD und DevOps das alte Sprichwort „You build it, you run it“ zu „You design it, you build it, you run it”. Denn beide Philosophen sind keine Silos, sondern Werkzeugkästen voller Techniken. Mit der gemeinsam Verwendung zeigt Plöd die vielseitigen Möglichkeiten für Teams in der Software-Entwicklung auf.

Take-Away #8: Erfolgreiche Missionen werden ausgeführt, nicht erstellt

Wie das Chaos kontrollieren? Der Beantwortung dieser Frage ging Tobias Kunze, Co-Funder und CEO bei Glasnostic, in seinem Talk nach. Controlled Chaos: Managing your Microservice Ecosystem for Business Agility, so der Titel der Präsentation, befasste sich mit den immer größer werdenden Service Landscapes. In der, wie Kunze sie nennt, neuen Realität, verbinden sich einzelne Applikationen untereinander zu riesigen Systemen. Die Abhängigkeiten untereinander wachsen – genau wie die Anfälligkeit dieser Ökosysteme. „If you don’t know what your apps are doing, you’re doing something wrong“. So lässt sich mit Kunzes Zitat zusammenfassen, welche Probleme Unternehmen sich dabei gegenübergestellt sehen. Mehr Apps, mehr Daten und fehlende Standardisierung führen zu Chaos und Kontrollverlust.

Wie kann ein Lösungsansatz aussehen? Zunächst muss sich nach Kunze von dem Gedanken verabschiedet werden, dass Monitoring alleine ausreichen würde. So werden erfolgreiche Projekte stets geleitet, überwacht und kontrolliert, nicht einfach nur laufen gelassen – und zwar von agilen Teams. Für wachsende Service Landscapes und alle Arten von Microservices braucht es daher eine Mission Control, wie etwa beim Flug der Apollo 11.

Take-Away #9: Neue Technologien bringen neue Risiken

Im Mittelpunkt von Rani Osnats Talk stand die Frage nach einer Security Best Practice für neue Technologien wie Docker und Cloud. Die kurze Antwort: Automatisierte Security, die den kompletten Lifecircle abdeckt. Die etwas längere Antwort: Security Teams müssen sich an neue Technologien wie die Cloud umgewöhnen. Das bedeutet in der Praxis, CI/CD statt wenigen geplanten Deployments, Open Source wohin man blickt und orchestrierte Pods.

Während viele Sicherheitsexperten und Entwickler in der Container-Technologie immer noch ein großes Risiko sehen, rät Osnat auch hier dazu, den Security-Aspekt von Beginn an zu berücksichtigen. Das beinhaltet das Verwenden von geprüften, internen Pools an Base Images, Dedicated Users und Minimieren von Packages mit sensiblen Daten wie Storing Keys.

Take-Away #10: Managed Services sind die neuen Libraries

Der Begriff „DevOps“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Viele unserer Leser werden sich noch an die Zeit erinnern, als Ops noch Software, Server und Netzwerke für Entwickler bereitstellten. Damals bedeutete dies zum Teil tatsächlich das Einstecken eines Kabels in ein Server-Rack, wie Konstantin Diener aus dem Nähkästchen in seiner Session erläuterte. Es dauerte zuweilen bis zu 6 Wochen von der Bestellung eines Servers bis zur Inbetriebnahme. Heute vergehen dank Cloud-Providern lediglich Sekunden.

Doch nicht nur die Art und Weise wie wir Software bereitstellen (via Container-Technologie) und wo wir sie hosten (in der Cloud), auch wie wir Software strukturieren hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Gab es oft die Frage “Gibt es eine Library dafür?”, wird heute eher danach gefragt, ob es für gewisse Probleme einen Managed Service gibt, der verwendet werden kann. Warum eine Library nutzen, um etwas selbst zu schreiben, wenn man den vorhandenen Service einfach via API in die eigene (Microservices-)Architektur implementieren kann? Eben…

Take-Away #11: Infrastrukturen sind keine Haustiere (mehr)

Ops-Teams, die vor zehn Jahren beim Einrichten einer Infrastruktur noch wirklich Hand anlegten, hatten eine besondere Beziehung zu ihren Servern und Plattformen. Oftmals sogar so innige Beziehungen, dass sie ihnen hübsche, verniedlichende Namen gaben, vielleicht “Rudi” oder “Mausezahn”. Dies führte dazu, dass Admins sie wie Haustiere behandelt, sie geliebt und beschützt haben.

Mit dem Aufkommen von Infrastructure as Code (IaC) und der Cloud als erste Hosting-Wahl setzte ein Wandel dieser Server-Admin-Beziehung ein, wie Konstantin Diener feststellte. Statt wie Haustiere werden Infrastrukturen heutzutage eher wie Nutzvieh behandelt und entsprechend auch nur mit Namen wie 2019-node-1, 2019-node-2 usw. ausgestattet. Das reicht natürlich für effiziente Funktionalität, die Emotionen bleiben allerdings auf der Strecke.

Schlussgedanke

Und zu guter Letzt noch ein schönes Zitat von Adam Nowak und Kamil Puk die in ihrer Session Continuous Everything – increasing business value by embracing the DevOps culture Folgendes klarstellten:

„It’s not necessary to change. Survival is not mandatory.”

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern und Speakern der DevOpsCon 2019!

Geschrieben von
Jan Bernecke
Jan Bernecke
Jan Bernecke ist seit 2019 Online-Redakteur bei S&S Media. Zuvor war der rugbyspielende Literaturwissenschaftler im Bereich Online-Marketing tätig.
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Chris Stewart
Chris Stewart
Chris Stewart is an Online Editor for JAXenter.com. He studied French at Somerville College, Oxford before moving to Germany in 2011. He speaks too many languages, writes a blog, and dabbles in card tricks.
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