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Interview mit Nicole Forsgren

Eine Antwort auf die Frage, wie sehr DevOps Unternehmen verändert

Hartmut Schlosser

Nicole Forsgren

Wie wichtig ist die Kultur im DevOps-Kontext? Und lässt sich messen, wie stark DevOps in einem Unternehmen verankert ist? Wir haben mit Nicole Forsgren, Gründerin und CEO von DevOps Research and Assesment (DORA) und Speakerin auf dem Software Architecture Summit, über die Einführung, Herausforderungen und die Facetten von DevOps gesprochen.

JAXenter: DevOps hat das Potenzial, nicht nur IT-Abteilungen, sondern gleich das ganze Unternehmen zu verändern. Woran liegt es, dass DevOps mehr als die reine Kombination von Devs und Ops ist?

Nicole Forsgren: Bei DevOps geht es vor allem darum, Wertschöpfung zu erbringen. Technologie wird nicht mehr nur als Kostenfaktor angesehen. Durch den Zusammenschluss von Dev und Ops – eigentlich sogar noch vieler anderer Bereiche, nämlich Devs, QA, Test, Ops, Security, Produkt und alle, die uns dabei helfen, Werte durch Technologie zu erschaffen – versetzen wir Unternehmen wirklich dazu in die Lage, ihre Technologie zu nutzen, um ihre Kunden zu erfreuen, die Konkurrenz zu schlagen und einen Kurswechsel durchzuführen, wann immer ein solcher nötig ist. Meine Forschung hat gezeigt, dass Teams, die DevOps-Technologien umsetzen, einen echten Mehrwert für ihre Organisationen bringen. Wobei starke IT-Leistungsträger doppelt so häufig ihre Rentabilitäts-, Produktivitäts- und Marktanteilsziele übertreffen.

JAXenter: Auf der einen Seite von DevOps stehen die Technologien, beispielsweise Container, Continuous Delivery Tools, Clouds und Microservices. Auf der anderen Seite repräsentiert DevOps auch eine gewisse Kultur. Warum ist dieser kulturelle Teil so wichtig für DevOps?

Nicole Forsgren: Im Rahmen meiner Forschung habe ich herausgefunden, dass eine starke Kultur die Triebfeder hinter der technologischen und organisatorischen Leistung ist. Damit DevOps erfolgreich sein und zu echten Veränderungen in einem Unternehmen führen kann, muss es Teams und Menschen zusammenbringen. Darum ist die Kultur so wichtig für die DevOps-Bewegung, -Methoden und -Prozesse. Diese Teams bestehen zwangsläufig aus Gruppen, die sich voneinander unterscheiden und normalerweise nicht zusammen arbeiten. Sogar ihre Ziele stimmten traditionell nicht miteinander überein.

Nicht die Technologie ist schwierig – die Menschen sind es!

Dev und Ops sind ein gutes Beispiel dafür: Entwickler wollen Code schreiben und ausliefern. Dieser Code sorgt für Veränderungen am System. Der IT-Betrieb hingegen möchte die Umgebung stabil halten und begrenzt darum die Menge der akzeptierten Änderungen am System. Das heißt: Änderungen gegen keine Änderungen. DevOps fordert nun von beiden Gruppen, sowohl die Menge der Deployments als auch die Stabilität des Systems gleichzeitig zu steigern. Der einzige tragfähige und erfolgsversprechende Weg dazu lautet, die Kultur und Kommunikation zu verbessern. Man muss den Entwicklern erklären, warum die Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit ihres Codes wichtig ist. Dem Ops-Team muss man die Bedeutung kleiner Änderungen am Code vermitteln und sie auf diese Arbeit vorbereiten. Nicht die Technologie ist schwierig; die Menschen sind es! Technologie ist eine Herausforderung, sie ist interessant und komplex, aber wir haben wieder und wieder gezeigt, dass wir gut darin sind, damit klarzukommen! Wenn wir eine DevOps-Kultur erfolgreich umsetzen, wird die Technologie auch funktionieren. Das Gegenteil stimmt aber auch: Wenn die Kultur droht zu zerbrechen, bricht auch die Technologie auseinander.

Sehen Sie auch im JAX TV: DevOps is not enough: Denken Sie groß!

JAXenter: Aus welchen Elementen besteht die DevOps-Kultur?

Nicole Forsgren: In den State of DevOps Reports der letzten drei Jahre habe ich mich diesem Thema gemeinsam mit meinen Kollegen Gene Kim und Jez Humble intensiv gewidmet. Wir haben herausgefunden, dass in einer erfolgreichen DevOps-Kultur Vertrauen oberste Priorität hat und der Informationsfluss als sehr wertvoll angesehen wird. In dieser Kultur können Teammitglieder kalkulierte, strategische Risiken eingehen und aus Misserfolgen lernen. Es geht mehr um Vertrauen und Lernprozesse als um Gerechtigkeit oder Strafen, wenn etwas schief geht. Die Kultur ist auf das Lernen und neue Lösungen ausgerichtet. Diese Ergebnisse finden sich auch in den Studien von Forschern bei Google wieder, die herausfanden, dass in den leistungsfähigsten Teams ein Klima der psychologischen Sicherheit gepflegt und geschätzt wird. Teammitglieder fühlen sich dort sicher und trauen sich, Risiken einzugehen und das Richtige zu tun. Sie haben das Gefühl, sich auf ihre Teamkollegen verlassen zu können.

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JAXenter: Kann man den Grad der DevOps-Adaption in einem Unternehmen irgendwie messen?

Nicole Forsgren: Mit diesem Thema hat sich meine Forschung in den letzten Jahren beschäftigt, und ich glaube, dass wir in mancher Hinsicht nah dran sind. Das Ziel des Unternehmens, das ich mit Jez Humble und Gene Kim gegründet habe, ist es, Wissenschaft zu nutzen, um technologische Unternehmen auf wissenschaftlicher Basis besser zu machen. Wir bieten eine Methode an, die das messbar macht.

Ein Maßstab für DevOps ist die Frage, wie ein Unternehmen die Fähigkeit zur Auslieferung von Code erlangt und wie das verbessert werden kann.

Das funktioniert wie folgt: Wir wissen, dass die Fähigkeit von Teams und Unternehmen, Software schnell und stabil auszuliefern, ein wichtiger Faktor für die Unternehmensleistung ist: Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Marktanteil. Wie bereits erwähnt, können wir damit unsere Kunden zufrieden stellen, unsere Mitbewerber schlagen, uns verändern, wenn es nötig ist, und bei Bedarf auch auf regulatorische und sicherheitsrelevante Anforderungen reagieren. Wenn man also nur einen Maßstab verwenden will, würde ich mich für diesen entscheiden. Andere kontextspezifische Qualitätskriterien können aber ebenso gemessen werden und werden wichtig sein. Wir warnen außerdem davor, dass das alles nicht nachhaltig ist, wenn man sich nicht um seine Angestellten kümmert. Darum ist es wichtig, auf die Anzeichen von Burnouts zu achten.

Ein weiterer Maßstab für DevOps ist die Frage, wie ein Unternehmen die Fähigkeit zur Auslieferung von Code erlangt und wie das verbessert werden kann. Unsere Forschung hat gezeigt, dass Ressourcen auf vier zentralen Gebieten essentiell dafür sind. Dazu gehören technische Ressourcen (z. B. Version Control, Continuous Integration, Trunk-based Development, die Automatisierung von Tests), Methoden des Lean Managements wie die Prozesskontrolle und das Arbeiten in kleinen Batches, Messung (Monitoring und WiP-Limits) und die Kultur (z. B. eine organisatorische Kultur, die besonderen Wert auf Vertrauen und den Informationsfluss legt).

JAXenter: Welchen Hürden bist du besonders oft in Unternehmen begegnet, die eine DevOps-Kultur einführen wollten?

Nicole Forsgren: Die größte Hürde sind immer die Menschen. Menschen sind schwierig: Wir haben verschiedene Persönlichkeiten, verschiedene Motivationen, verschiedene Hintergründe. An unseren Arbeitsplätzen gibt es bürokratische Regeln und wir machen uns vielleicht Sorgen darum, was passiert, wenn wir ein Risiko eingehen. Da ist es verständlich, dass es vielen schwer fällt, große Veränderungen umzusetzen. Darum müssen die Führungskräfte auf allen Ebenen ein Signal für die Veränderung setzen und denjenigen Deckung geben, die die Arbeit machen müssen.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

Screen-Shot-2017-02-17-at-2.31.19-PM Nicole Forsgren ist IT-Impacts-Expertin und zeigt Führungskräften, wie sie das Potenzial des technologischen Wandels in ihrem Unternehmen nutzen können. Sie ist für ihre Arbeit mit Tech-Professionals und als Lead Investigator der State of DevOps Studie bekannt. Sie ist Consultant, Expertin und Wissenschaftlerin auf den Gebieten des Wissensmanagements, der IT Adoption and Impacts und DevOps. Nicole Forsgren ist Director of Organizational Performance and Analytics bei Chef und akademische Partnerin des Social Analytics Institutes der Clemson University.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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