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Kolumne

DevOps Stories: Mehr Frauenpower, bitte!

Redaktion JAXenter

©SuS_Media

Die beiden Entwicklerinnen Julia und Su unterhalten sich beim Mittagessen über Frauen in der IT-Branche.

Julia: „Ich bin den ganzen Tag von Männern umgeben. Damit habe ich eigentlich kein Problem, aber es wäre echt schön, wenn endlich mal eine Frau in unser Team dazukäme …“

Su: „Das kenn ich sehr gut. Nach einer Weile gehen mir die Jungswitze und Rülpser schon ein wenig auf die Nerven.“

Julia: „Bei mir ist das nicht ganz so schlimm. Aber man muss auch dazu sagen, es gibt einfach noch viel zu wenig Mädels in der IT. Es hat sich in den letzten Monaten einfach keine Frau beworben.“

Su: „Das finde ich echt schade.“

Julia: „Leider nichts Neues für mich … in meinem Studiengang war ich meist die einzige Frau im Saal.“

Su: „Hätte mein Papa mir damals vor fünfzehn Jahren nicht ein paar Computerspiele gezeigt, wäre ich selbst nie auf die Idee gekommen, Informatik zu studieren.“

Julia: „Man verbindet mit dem Begriff Informatiker oder Programmierer einfach so einen Stereotyp, der extrem veraltet und überzogen ist.“

Su: „Dabei kann man als Informatiker so viele verschiedene Sachen machen …“

Julia: „Ja, die Welt steht einem offen!“

Abb. 1: Julia und Su beim Mittagessen

Abb. 1: Julia und Su beim Mittagessen

In der Tech-Branche fehlen Frauen

Leider ist das, was Su und Julia erleben, keine Seltenheit im IT-Business. Laut einer Kienbaum-Studie liegt der Frauenanteil der gesamten deutschen IT-Industrie bei ungefähr 17 Prozent, in Informatikstudiengängen beträgt er nur rund 21 Prozent. Auch in großen Konzernen sieht es in Sachen Gender Diversity nicht besonders rosig aus: bei Apple lag der Frauenanteil in technischen Abteilungen bei lediglich 22 Prozent. Microsoft setzt auf eine systematische Förderung von Frauen durch spezielle Mentoring-Programme und die Unterstützung von Frauennetzwerken. Das Unternehmen wurde bereits vielfach für sein Diversity-Engagement ausgezeichnet. Und doch lag der Frauenanteil im Tech-Bereich trotz dieser Bemühungen im Jahr 2015 auch hier bei nur 17 Prozent.

Vielfalt erhöht Gewinneinnahmen und sorgt für Kreativität in Teams

Dass Unternehmen seit einiger Zeit um eine größere Vielfalt in ihren Teams bemüht sind, hat viele Gründe. Zum einen haben Studien [1] bewiesen, dass Teams, die gleichermaßen aus Männern wie aus Frauen bestehen, kreativer arbeiten und viel bessere Ergebnisse erzielen. Auch Kundenwünsche werden genauer umgesetzt. Zum anderen erhöhen kulturelle und geschlechtliche Vielfalt tatsächlich auch die Gewinneinnahmen in Unternehmen. Solche Teams neigen eher dazu, Neues auszuprobieren und ihr Wissen miteinander zu teilen als Teams, die, wie in der IT-Branche häufig üblich, männerdominiert sind.
Abgesehen davon hat dies natürlich auch ökonomische Gründe. Es gibt einfach zu wenig männliche IT-Fachkräfte, die alle vorhandenen Stellen besetzen könnten. Allein im Jahr 2016 gab es 51 000 offene Stellen in der Branche, und es werden von Jahr zu Jahr mehr.

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Wie weckt Mann mehr Interesse?

Das traurige Klischee: Informatiker sind pickelige Außenseiter, möchten lieber für sich bleiben und den ganzen Tag über Hardware reden. Diese Art von Schubladendenken schadet Frauen und Männern gleichermaßen. Vielen sagt der Begriff Informatik nichts Konkretes, und meist entsprechen die Vorstellungen über die Tätigkeit kaum der Realität. Dabei bietet die IT-Branche viele Freiheiten, eine gute Bezahlung und überraschend viele kreative Entfaltungsmöglichkeiten. Auch sind Diplomatie, ein gewisses Maß an Empathie und Kommunikationstalent gefragt.

Es fängt oft in der Erziehung an: Viele Mädchen werden von Technik isoliert und erhalten nicht genügend Zugang zu Naturwissenschaften. In Schulen sollten Fächer wie Informatik unbedingt stärker gefördert und auch für Mädchen attraktiver gestaltet werden. Auch mithilfe von Veranstaltungen wie dem Girls‘ Day oder gemeinnützigen Organisationen wie Girls Who Code sollen junge Frauen für Informatik begeistert werden, damit ihre Talente und ihr Potenzial erkannt werden. Immer mehr Initiativen zur Frauenförderung werden gestartet. Es ist wichtig, dass sich Frauen in der IT-Branche ihrer Verantwortung bewusst werden, sich miteinander vernetzen und gegenseitig motivieren. So werden weibliche Vorbilder geschaffen, Wissen wird verbreitet und das Networking untereinander verstärkt.

Nach einer von Microsoft durchgeführten Studie [2] wurde festgestellt, dass das geringe Interesse junger Frauen an der IT-Branche meist daran liegt, dass es nicht genügend Praxiserfahrung und weibliche Vorbilder gibt. Zudem muss man vor allem mit Klischees und Vorurteilen aufräumen, die innerhalb der Informatik herrschen, denn diese halten Frauen davon ab, sich mit Informatik zu befassen und schüchtern ein. Auch Hochschulen sollten den Studiengang Informatik moderner gestalten und aktiver auf Schülerinnen und Frauen zugehen. Es gibt an einigen Hochschulen sogenannte Mentorinnennetzwerke mit dem Ziel, Studentinnen beim Übergang in den Beruf zu unterstützen, gerade in naturwissenschaftlichen Fächern. Mithilfe von geschlossenen Konferenzen wie dem Ada Lovelace Festival, das jährlich in Berlin stattfindet, können sich Frauen über aktuelle Themen wie Big Data und Female Leadership austauschen.

Wenn Unternehmen mehr Frauen für IT-Berufe gewinnen wollen, müssen sie aktiv eine Unternehmenskultur schaffen, die Frauen nicht abschreckt. Dafür genügen schon kleine Signale wie ein monatlich stattfindendes Mittagessen unter Kolleginnen oder die aktive Unterstützung von Communities wie den Techettes Frankfurt, die sich für mehr Frauen im Tech-Bereich engagieren.
Will man Frauen mithilfe von Stellenausschreibungen bewusster ansprechen, braucht man Feedback von Frauen, die selbst in diesem Bereich tätig sind. Diese beantworten dann Fragen wie „Fühlst du dich als Frau angesprochen?“ oder „Würdest du dich auf diese Stelle bewerben? Wenn nicht, warum?“

Flexible Arbeitsmodelle und Problembewusstsein sorgen für mehr Vielfalt

Um den Traum der Gender Diversity in Unternehmen verwirklichen zu können, sollten diese flexible Arbeitsmodelle anbieten, die alle Beschäftigten gleichermaßen berücksichtigen. Vor allem Frauen haben auch heutzutage noch mit dem Problem zu kämpfen, dass Familie und Beruf schwer zu vereinbaren sind. Als optimale Lösung bietet sich an, dass die Teams im Unternehmen selbst entscheiden, wann der Tag beginnt oder an welchen Tagen auch die Möglichkeit zum Home Office besteht.

Ein vorurteilsfreier und wertschätzender Umgang zwischen allen Kolleginnen und Kollegen ist essenzielle Grundvoraussetzung und muss auf allen Managementebenen gelebt werden. Frauenfeindliche Bemerkungen und herabwürdigende Sprüche vergiften eine respektvolle Arbeitsatmosphäre und verbieten sich von selbst. Die Verantwortung, am Arbeitsplatz Vielfalt und Diversität zu leben, liegt bei jedem Einzelnen. Viel zu oft entsteht aus Unsicherheit, welches Verhalten nun korrekt ist, ein gekünsteltes Klima. Ist das Umfeld aber von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt, kann offen kommuniziert werden, unabhängig von Geschlecht und Rolle. Unternehmen, die hierauf großen Wert legen, sind erfolgreicher und lassen die Konkurrenz meist hinter sich [3]. Wie also erreicht man dies am besten?

Jocelyn Margan, Chief Operating Officer bei Snagajob, hat vier Tipps für Unternehmen und Mitarbeiter [4] aufgestellt, die dabei helfen könnten.

Vier Tipps, um mehr Gender Diversity zu erreichen

  1. Sich mit dem Thema Vielfältigkeit am Arbeitsplatz beschäftigen: Sich das Problem bewusst zu machen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist der erste Schritt zu einer besseren Unternehmenskultur. Hierzu gehören beispielsweise Statistiken darüber, wie hoch der Frauenanteil im Unternehmen ist.
  2. Lerne deine Kolleginnen besser kennen: Studien haben gezeigt, dass viele Frauen nicht gerne im Mittelpunkt stehen und auch nicht mit ihrer getanen Arbeit protzen. Jocelyn Margan empfiehlt, dass man sich mit seinen Kolleginnen über berufliche Ziele austauscht, ein gemeinsames Mittagessen für die Frauen (Girls’ Lunch) einführt oder Mentoring anbietet.
  3. Hilfe beim Netzwerken: Frauen die Möglichkeiten zu geben, sich mit anderen zu vernetzen, macht ebenfalls einen großen Unterschied. Interne oder externe Jobempfehlungen für seine Kolleginnen auszusprechen, trägt auch zu einem ausgewogenen Geschlechtergleichgewicht bei.
  4. Auch auf die kleinen Dinge Acht geben: Das Gegenüber beim Sprechen nicht zu unterbrechen, seine oder ihre Ideen wertzuschätzen … Das klingt zunächst selbstverständlich. Aber es ist immer wieder überraschend, dass Frauen als Minderheiten in IT-Berufen immer wieder mit solchen Respektlosigkeiten konfrontiert werden.

Netzwerken für Frauen beitretzen und etwas verändern

Wir befinden uns auf einem guten Weg, denn die Zahlen werden auf lange Sicht von Jahr zu Jahr ausgeglichener: Die sich einschreibenden IT-Studentinnen sind im Jahr 2014 auf einen Rekordwert von 23 Prozent gestiegen. Auch im Jahr 2015 befanden sich unter 37 219 Erstsemestern des Studiengangs Informatik immerhin 8 519 Frauen [5]. Je mehr Frauen sich für ein Informatikstudium oder eine Ausbildung im IT-Bereich entscheiden, desto höher stehen die Chancen, dass sie einmal später zu Julia und Su ins Unternehmen stoßen. Nach einem Gespräch mit Silke aus ihrer HR-Abteilung wollen sie die Stellenausschreibungen überarbeiten, um sie ansprechender für Frauen zu gestalten. Zudem haben sie einen monatlichen Girls’ Lunch organisiert, an dem sich alle Frauen aus dem Unternehmen zu einem gemeinsamen Mittagessen treffen, um sich miteinander auszutauschen. Die beiden sind außerdem einem Netzwerk für Frauen im Tech-Bereich beigetreten, um dort auf Gleichgesinnte zu treffen, sich miteinander auszutauschen und vielleicht auch mehr Frauen für das eigene Unternehmen zu begeistern.

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