Interview mit Sebastian Schreck und Thomas Uebel von Mister Spex

Mit DevOps Silowände einreißen: „Es braucht Vertrauen“

Marcel Richters
DevOps

© Shutterstock.com / Ivanko80

 

Im Zuge der DevOpsCon 2018 haben wir mit Sebastian Schreck und Thomas Uebel von Mister Spex über die sozialen und psychologischen Aspekte von DevOps gesprochen. Denn wenn DevOps eins nicht ist, dann eine rein technische Angelegenheit. Vielmehr braucht es neue Wege der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

DevOps ist aus keinem Unternehmen mehr wegzudenken – könnte man meinen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn was sich so nennt, entspricht noch lange nicht der Idee hinter dem Konzept. JAXenter hat mit Sebastian Schreck und Thomas Uebel über die Idee hinter DevOps gesprochen.

JAXenter: Was ist der erste Ansatz, um die berüchtigten Silowände zwischen Entwicklung und Operations einzureißen?

Sebastian Schreck und Thomas Uebel: Der erste Schritt bei der Lösung eines Problems ist zu erkennen, dass überhaupt ein Problem existiert. Wir denken, dass das häufigste Problem bei Silos ein Mangel an Kommunikation und Zusammenarbeit ist. Sie möchten Zusammenarbeit ermöglichen, wo derzeit keine oder nur sehr wenig vorhanden ist.

Es braucht viel Zeit, Diskussion und Vertrauen, um eine kooperative Umgebung zu schaffen.

Wenn es in Ihrer Organisation eine „sie gegen uns“-Mentalität gibt, dann ist das Erste, was getan werden muss, die Menschen zusammenzubringen. Sie werden die Schmerzen und Ängste aufzeigen und diskutieren wollen. Diese Mentalität schleicht sich nicht über Nacht in Teams und Abteilungen ein.

Und so braucht es viel Zeit, Diskussion und Vertrauen, um eine kooperative Umgebung zu schaffen. Man möchte sicherstellen, dass die Ingenieure gegenseitiges Verständnis füreinander und Respekt für alle anderen Abteilungen haben, mit denen sie zusammenarbeiten. Wir müssen uns ständig daran erinnern, dass wir alle zusammen gemeinsame Geschäftsziele verfolgen.

JAXenter: Welche Rolle spielen Management und Geschäftslogik bei der Entwicklung besserer DevOps-Strategien?

Sebastian Schreck und Thomas Uebel: Die Einführung der DevOps-Prinzipien in Organisationen zielt darauf ab, die Time-to-Market für Features zu verkürzen. Um Software immer schneller ausliefern zu können, muss sie testbar sein – man kann nicht auf Qualität verzichten. Quality Gates ermöglichen eine automatisierte Go/No-Go-Entscheidung für ein Roll-Out. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Softwarequalität fast immer steigt.

Um schnelle Roll-Outs oder Rollbacks zu ermöglichen, müssen Geschäfts- und Managementlogik Feature-Switches unterstützen, die es einer bestimmten Anzahl von Personen ermöglichen, das Feature in der Umgebung, in der es läuft, zu testen.

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JAXenter: Was sind die Haupthindernisse für die Implementierung von DevOps in einem Unternehmen?

Sebastian Schreck und Thomas Uebel: Wir sehen drei Kategorien von Hindernissen: technologische, organisatorische und kulturelle. Am schwierigsten sind diejenigen, die sich nicht einfach mit Geld überwinden lassen. Manuelle Deploymentprozesse lassen sich beispielsweise relativ einfach durch Investitionen in Automatisierungswerkzeuge verbessern.

Andererseits braucht es Zeit, Einfühlungsvermögen, viel Nachdenken und den Willen, schlechte Gewohnheiten loszuwerden. Darüber hinaus können verfestigte Hierarchien und die fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu teilen, eine erfolgreiche Einführung von DevOps-Methoden verhindern.

Ein Hauptaspekt der DevOps-Kultur ist die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen und sich nicht in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verlieren. Eine Organisation, in der Mitarbeiter nicht zum Experimentieren und kontinuierlichem Verbessern ermutigt werden, ist zum Scheitern verurteilt.

JAXenter: Was sind die Unterschiede in den Rollen von Entwicklern, Operations und Management?

Sebastian Schreck und Thomas Uebel: Historisch gesehen haben diese drei Rollen widersprüchliche Ziele. Operations konzentriert sich darauf, die Systeme und die zugrunde liegende Infrastruktur stabil zu halten, was zu einer Abneigung gegenüber Veränderungen führen kann. Die Entwicklung dagegen erzeugt Veränderungen, um das Unternehmen in die Lage zu versetzen seine Ziele zu erreichen. Das Management hat das Verständnis darüber, was das Unternehmen braucht und welche Maßnahmen erforderlich sind, um erfolgreich zu sein. Davon ausgehend formuliert das Management spezifische Ziele für die Abteilungen.

Um eng zusammenarbeiten zu können, müssen Entwicklung und Operations Offenheit leben und gegenseitiges Verständnis entwickeln.

Im Rahmen der DevOps-Transformation benötigen diese Rollen eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit. Das erklärte Ziel einer DevOps-Transformation ist es, immer schnellere Änderungen der Software zu ermöglichen, ohne dabei an Stabilität oder Qualität einzubüßen. Dafür müssen Entwicklung und Operations eng zusammenarbeiten. Um diesen Grad der Zusammenarbeit zu erreichen müssen sie Offenheit leben und gegenseitiges Verständnis entwickeln.

Auf der anderen Seite muss das Management die Vorteile erkennen, die sich daraus ergeben, dass Teams und Abteilungen ihre Arbeitsweise eigenständig wählen können.
Das Management sollte das nicht nur akzeptieren, sondern auch unterstützen und fördern. Es ergibt wenig Sinn, Experten einzustellen und ihnen dann nicht zuzuhören. Im Management geht es deshalb vermehrt um Befähigung, Empowerment und Vertrauen.

JAXenter: Was sollen die Leute von euren Sessions mitnehmen?

Sebastian Schreck und Thomas Uebel: Wir möchten klarstellen, dass DevOps keine Ingenieurdisziplin ist. Die DevOps-Transformation erfolgt nicht, indem Sie Ihre Entwickler und Infrastrukturingenieure einfach in einem Team zusammenfassen und das DevOps nennen. Es geht vielmehr um Kultur als um alles andere. Unserer Meinung nach gibt es drei Hauptaspekte einer erfolgreichen DevOps-Transformation: Zusammenarbeit, verbesserte Feedback-Kultur und verkürzte Release-Zyklen. Unser Vortrag wird einige Methoden aufzeigen, die bei Mister Spex erfolgreich implementiert wurden, um diese Aspekte zu verbessern.

Sebastian Schreck begann seine IT-Karriere als QS-Ingenieur während seines Informatik-Studiums an der TU Berlin. Nach Abschluss seiner Masterarbeit wurde er professioneller Software-Entwickler bei Mister Spex. Unzufrieden mit der Trennung zwischen Operations- und Entwicklungsteams beschloss er, zu Ops zu wechseln, um mehr Einblicke zu erhalten. Nachdem er beide Seiten der ‚Wall of Confusion‘ gesehen hatte, wurde Sebastian ein starker Verfechter der DevOps-Prinzipien und gemeinsamer Verantwortlichkeiten.

Thomas Uebel ist Senior Software Engineer bei Mister Spex. Wenn er nicht über die Vorteile von autonomen Teams und kurzen Feedbackschleifen spricht, versucht er, Product Owner und Stakeholder gleichermaßen glücklich zu machen. Die wenige Freizeit wird zwischen seinen beiden Kindern, dem Motorradfahren und dem Lesen geteilt.

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Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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