Aber auch die Realität ist nicht einfach

DevOps kommt in der Realität an

Oliver Szrama, Michael Köhne

© Shutterstock / Kalakruthi

DevOps soll laut verschiedenen Marktanalysten mittlerweile im Mainstream angekommen sein. Doch das heißt noch lange nicht, dass alle Probleme gelöst sind. DevOps ist noch lange kein geübtes Standardwerkzeug, sondern braucht gute Planung und muss konsequent umgesetzt werden.

Von der Nische zum Mainstream – laut Gartner Analysten gelang DevOps dies im Jahr 2016, eine Ansicht, die IDC ebenfalls unterstützt. Die Analysten sehen, dass DevOps hat einen Reifegrad erreicht hat, mit dem Unternehmen bereits einen echten Vorteil aus der Implementierung ziehen. Dies ist sicherlich noch nicht in allen Organisationen der Fall. Viele Firmen sind gerade erst dabei, erste Projekte auf Basis einer DevOps-Methodologie einzuführen oder diese auf verschiedene Abteilungen zu erweitern. In einer Zeit, in der laut IDC-Schätzungen ein Drittel der Top 20 Unternehmen in jeder Branche durch neue Wettbewerber innerhalb der nächsten fünf Jahre gefährdet werden, müssen sie flexibler agieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig nehmen die Regularien in immer mehr Industrien zu. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung gilt für alle Industrien in Europa, hinzukommen branchenspezifische Verordnungen, die zu erfüllen sind. Darüber hinaus befinden sich Unternehmen in der digitalen Transformation, die auch in den nächsten Jahren nicht abgeschlossen sein wird, sondern sich kontinuierlich fortsetzt.

Im IT-Bereich müssen Organisationen daher die für sie richtige Balance zwischen Geschwindigkeit, Anwenderanforderungen, Zuverlässigkeit und Qualität finden. Keine leichte Aufgabe, zumal bei oft starren Budgets. Allerdings ist es mittlerweile keine Frage mehr, ob DevOps eingeführt wird oder nicht, sondern eine Frage des Vorgehens. Auch wenn die Implementierung nicht einfach ist, muss sie eine der Strategien von CIOs sein und werden. Was ist also zu tun? Zunächst geht es bei der Einführung von DevOps-Methoden nicht nur um den Erwerb neuer Entwicklungstools, sondern vielmehr um eine Veränderung der Unternehmenskultur. Um höhere DevOps-Reifegrade zu erreichen, geht es um die Weiterentwicklung von einem ergebnis- und prozessorientierten Vorgehen zu einer betriebs- und projektorientierten Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Plattform (Abb. 1). Nicht nur die verschiedenen Bereiche Entwicklung, Testing und Support müssen agiler handeln und schneller Applikationen entwickeln und ausrollen können, sondern das gesamte Unternehmen. Barrieren innerhalb der involvierten Abteilungen werden aufgebrochen.

Abb. 1: Auf dem Weg von einem ergebnis- und prozessorientierten Vorgehen zu einer betriebs- und projektorientierten Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Plattform steigt der DevOps-Reifegrad

Oft wird bei technologischen Themen der Faktor Mensch vernachlässigt. Allerdings ist DevOps eine Strategie, die sich stark an menschlicher Interaktion orientiert und diese auch voraussetzt. Zu guter Letzt sollten bestehende Teams nicht überfordert werden. Dafür sind entsprechende Schulungen unersetzlich. In der Praxis hat sich der Einsatz von dedizierten DevOps-Experten in den Teams bewährt. Eine übergreifende Strategie sollte dabei den Rahmen bilden, mit klaren Meilensteinen, Verantwortlichkeiten und Prozessdefinitionen. So können Unternehmen den technologischen Vorsprung dank ihrer hohen Adoptionsrate auch wirklich ausspielen und den nächsten Gang einlegen.

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Ist-Analyse als Ausgangsbasis

Doch bevor DevOps flächendeckend umgesetzt wird, sollte zunächst auf Basis einer Ist-Analyse der bisherige Status von IT und Prozessen festgestellt werden. Denn die Vorteile von DevOps lassen sich nur ausschöpfen, wenn diese Parameter bekannt sind. Darüber hinaus müssen klare Ziele vorgegeben werden: Was ist als Erfolg zu bewerten? Wie sieht eine gute Zusammenarbeit der Teams aus? Wie unterstützt DevOps die Business-Ziele? In welchen Bereichen hat die Einführung von DevOps den größten Nutzen? Generell ist eine gute Kommunikation die Essenz für das Gelingen von DevOps, sobald es an die Planung und Umsetzung auf Basis der ersten Analyse geht. Beim ersten Assessment als Standortbestimmung geht es darum, Best Practices zu definieren, basierend auf den bisherigen Vorgehensweisen. Alle Prozesse und Anwendungen werden analysiert, dazu gehören auch die Abhängigkeiten untereinander. Die Ergebnisse – in Zahlen und Fakten – fließen dann in konkrete Umsetzungsmaßnahmen oder Entscheidungsvorlagen ein. Auch die Analysten von Experton sehen die Ist-Analyse oder die Projektvorbereitungsphase als kritisch für den Erfolg solcher Projekte an, da hier die Weichen für den Erfolg gestellt werden. Natürlich gilt es dann, die Pläne auch in die Realität umzusetzen. Eine erfolgreiche DevOps-Strategie besteht neben der kontinuierlichen Softwarebereitstellung auch aus dem Einsatz geeigneter Softwarewerkzeuge, angepassten und automatisierten Prozessen sowie Veränderungen innerhalb der Unternehmenskultur. Nur so lässt sich langfristig die IT-Architektur optimieren oder verschlanken und den IT-Teams Arbeit abnehmen.

Automatisierte Prozesse verschaffen Freiraum

In vielen Unternehmen wächst die Komplexität der IT-Landschaft mit jeder neuen Anwendung oder Anforderungen wie Bring Your Own Device (BYOD) sowie zusätzlichen Regularien. Legacy-Systeme und Eigenentwicklungen stehen offenen Systemen gegenüber. Um in einer solchen über Jahre gewachsenen Umgebung flexibel agieren zu können, müssen Prozesse automatisiert werden. Ansonsten sind IT-Teams künftig nicht mehr in der Lage, diesen komplexen Infrastrukturen Herr zu werden. Der Nutzen von DevOps-Methoden hängt wesentlich vom Grad der Automatisierung von Kernprozessen in der Softwareentwicklung ab. Grundlage jeder DevOps-Strategie sollte daher sein, eine Reihe von Prozessen zu automatisieren. Welche, ist Teil der Ist-Analyse und Planungsphase.

Auf jeden Fall ist eine enge Verzahnung von Anforderung, Entwicklung, Qualitätssicherung, Testspezifikation, Testfällen, Support und schneller Implementierung extrem wichtig. Diese Verzahnung bildet den Kern von DevOps. Der Grund für diese Vorgehensweise: Die Anforderungen von Kunden werden immer vielfältiger und komplexer. Anwender wollen neue Applikationen und Versionen schnellstmöglich einsetzen, gleichzeitig möchten sie nicht auf Aktualisierungen warten, sondern diese möglichst sofort erhalten. Allerdings ohne Ausfallzeiten oder das Aufspielen der neuen Software überhaupt zu bemerken.

Automatisierte Prozesse beschleunigen Entwicklung, Tests sowie Implementierung und reduzieren gleichzeitig die Fehlerquote. Allerdings müssen sie in das Gesamtmodell eingebunden sein. Stückwerk schafft eher einen höheren Aufwand als eine effizientere Arbeitsweise. Entwickler, Administratoren, Supporter, Tester und Anwender sind dann in einem ständigen Austausch. Dies ist auch zwingend notwendig, denn der Druck durch die Migration in die Cloud und sich auflösende Grenzen zwischen Softwaretest- oder Entwicklungsumgebungen und produktiven Anwendungsplattformen steigt.

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Unternehmen müssen sich verändern

Auch wenn DevOps für verschiedene Industrieanalysten bereits im Mainstream angekommen ist: Für viele Unternehmen bedeutet die Methodologie eine Herausforderung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass DevOps viele Ausprägungen hat und deshalb die DevOps-Strategie individuell für jedes Unternehmen gestaltet werden muss.

Dabei werden Prozesse nicht nur automatisiert, sondern häufig komplett geändert und häufig verschlankt. Bislang separate Teams, z. B. Entwickler und Supporter, müssen zusammenarbeiten und ihre Arbeitsweise verändern. DevOps als Teil der digitalen Transformation schafft viele Vorteile und ist die Basis für wettbewerbsfähige Unternehmen. Und bedeutet gleichzeitig einen signifikanten kulturellen Umbruch. Hier ist das Management gefragt: Es muss von Anfang an hinter einem DevOps-Projekt stehen und dieses transparent während aller Planungs- und Implementierungsschritte begleiten.

Die Vorteile von DevOps sind vielfältig: Software lässt sich schneller und mit hoher Qualität kontinuierlich ausliefern und die Reaktion auf geänderte Marktanforderungen beschleunigen. Durch eine höhere Automatisierung laufen die Prozesse nach einem vorgegebenen Muster ab und senken darüber hinaus die Fehlerquote während des gesamten Prozesses – von der Entwicklung bis zum Support. Weitere Vorteile: IT-Probleme lassen sich schneller lösen, die Umgebung ist zuverlässiger und robuster. Das Ergebnis sind zufriedenere Kunden, die Zugriff auf aktuelle Anwendungen haben und dadurch produktiver und effizienter arbeiten. DevOps bringt Organisationen dank schlanker Prozesse damit einen wirklichen Geschäftsvorteil, wenn alle Implementierungshürden überwunden sind.

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Geschrieben von
Oliver Szrama
Oliver Szrama
Oliver Szrama ist Head of Application Management Telecommunications, Utilities, Services & Logistics bei der NTT DATA Deutschland GmbH.
Michael Köhne
Michael Köhne
Michael Köhne ist Head of Application Management Services bei der NTT DATA Deutschland GmbH.
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