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DevOps in der echten Welt - Teil 2

DevOps mal ganz praktisch: Der Vorteil autonom arbeitender Teams liegt darin, dass…

Hartmut Schlosser
DevOps Praxis

(c) Shutterstock / Artishok

In der Serie “DevOps mal ganz praktisch” geben Experten ihre Praxis-Erfahrungen bei der Umsetzung von DevOps-Prinzipien weiter. Heute: Artur Speth von Microsoft.

DevOps bei Microsoft

Artur Speth arbeitet als ALM-Architect in der Microsoft Developer Experience Group (DX) und ist Spezialist für Visual Studio und Application Lifecycle Management. Nach seinem Aufenthalt in der Visual-Studio-Produktgruppe beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema DevOps und damit, wie dieser Trend innerhalb von Microsoft adaptiert wird.

Im Gespräch mit JAXenter gibt er Einblicke in Umsetzung von DevOps-Prinzipien bei Microseoft.

Wir beginnen mit einem Spiel: Bitte vervollständige die folgenden Sätze!

DevOps-Erfahrungen aus meiner Praxis

artur-speth

Artur Speth

Meiner Erfahrung nach arbeiten Devs und Ops am besten zusammen, wenn….

… die Engineers die Erfahrung machen, dass ich nur als Team einen signifikanten Beitrag zum Gesamtprozess oder Produkt beitragen kann.

Das größte Hindernis für DevOps ist meiner Erfahrung nach,…

… die Mitarbeiter bei der Transformation zu DevOps nicht mitzunehmen und sich stattdessen mit der Optimierung von Tools und Prozessen zu beschäftigen.

Was die Mitarbeiterzufriedenheit am meisten fördert, ist,…

… wenn der Mitarbeiter eine Bestimmung und innere Motivation an seinem Beitrag zum Gesamtprodukt findet.

Der Vorteil autonom arbeitender Teams liegt darin, dass…

…die Teams motiviert sind, neue Herangehensweisen auszutesten und somit Innovation vorantreiben.

Wichtig für eine positive Unternehmenskultur ist,….

… eine inklusive und diverse Kultur zu fördern und Freiraum für neue Ideen zu schaffen.

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Das Interview

DevOps in der Praxis: “Wir versuchen, eine Kultur des Know-How-Austausches zwischen den Entwicklern zu fördern”

JAXenter: Wie ist bei euch die Zusammenarbeit zwischen Devs und Ops organisiert?

Wir haben sowohl Entwickler, Tester als auch Operations zu einem gemeinsamen Team zusammengelegt.

Artur Speth: Grundsätzlich gibt es im Engineering zwei Rollen. Die Program Manager verantworten die Weiterentwicklung des Produkts bzw. der Features. Im klassischen Scrum wäre das die Product-Owner-Rolle. Das Engineering Team selbst besteht aus Software-Entwicklern die interdiszipliär aufgestellt sind. Dies bedeutet, dass wir sowohl Entwickler, Tester als auch Operations zu einem gemeinsamen Team zusammengelegt haben und dies “Combined Engineering” nennen.

JAXenter: Wie ist üblicherweise die Team-Struktur in eurer IT?

Artur Speth: Wir arbeiten in klassischen Scrum Teams bestehend aus einem Program Manager und 8 – 12 Engineers. Wir sprechen dann von einem Feature Team, welches End-to-End-Verantwortung für das Design, die Implementierung und das Deployment für ein oder mehrere Features im Produkt hat.

Wir versuchen, eine gute Balance zwischen erfahrenen und “juniorigen” Engineers im Team zu halten, um eine Kultur des Know-How-Austausches zwischen den Entwicklern zu fördern. Insbesondere auch was die technischen Fähigkeiten angeht, wird hier mehr Wert auf Generalismus als Spezialisierung gelegt. Sicherlich findet sich in den PM-Rollen eine höhere Anzahl an weiblichen Kollegen als im reinen Engineering, wobei Microsoft insgesamt eine inklusive und diverse Kultur fördert.

JAXenter: Wie autonom können diese Teams agieren? 

Artur Speth: Wir nutzen Visual Studio Team Services als Backlog-Management-Werkzeug, um eine transparente Darstellung aller Arbeitsaufgaben sowie der Produktstrategie innerhalb der Division aufzuzeigen. Jeder Mitarbeiter in der Developer Division hat Zugriff auf alle Bereiche von Team Services und kann den Fortschritt sowie die Produktentwicklung jederzeit einsehen.

Auf Feature- und Szenario-Ebene wird die Produktstrategie beschrieben und entsprechend vom Leadership Team überwacht. Die einzelnen Feature Teams arbeiten autonom und sind für ihre Userstories und Backlog selbst verantwortlich. In bestimmten Zeitabständen finden sogenannte Feature-Chats statt. In diesen Meetings werden ähnlich wie in einem Daily-Scrum die aktuellen Arbeiten des Feature Teams dem Leadership Team vorgestellt und mögliche Blocker sowie die nächsten Entwicklungen diskutiert.

Darüber hinaus erstellen die Feature Teams vor jedem Sprint eine Sprint-Mail mit den Zielen und Backlog-Artefakten, welche umgesetzt werden, und am Ende eine Sprint-Review-Mail. Über diese Mechanismen versuchen wir, ein Alignment mit den Geschäftszielen sowie eine möglichst hohe Autonomität innerhalb der Teams zu erreichen. Abstimmung mit anderen Teams läuft immer in der Verantwortung Program Manager zu Program Manager. Hat ein PM Abhängigkeiten zu anderen Teams, dann ist es meine Aufgabe, hier die Kommunikation zum Team zu suchen. Über das gemeinsame Backlog sowie die Sprint-Mails und Feature Chats gibt es mehrere Kanäle, über die ein PM auf dem Laufenden bleiben kann.

DevOps-Kultur: “DevOps ist nicht einfach ein ein Werkzeug, das ich einsetze, um mehr Agilität zu erreichen”

JAXenter: Bei DevOps ist auch immer von „Unternehmenskultur“ die Rede. Würdest du sagen, bei euch gibt es so etwas wie eine einheitliche Kultur – oder vielleicht mehrere Kulturen? Wenn ja, wie würdest du sie beschreiben? Welche Werte sind wichtig – wie werden diese praktiziert?

Artur Speth: Wir haben sehr viele Praktiken aus einschlägigen Büchern wie Drive von Daniel H. Pink oder Lean Startup von Eric Ries übernommen. Vor allen die Lean-Startup-Methode, welche die Build-Measure-Learn-Methode beschreibt, wurde in den Teams adaptiert. Darüber hinaus wird bei Microsoft ganzheitlich eine Startup-Kultur gefördert über Maßnahmen wie die Microsoft Garage – ein Projekt, bei dem sich Mitarbeiter zusammenfinden und an neuen Ideen basteln können. Viele kleine Garage-Projekte wurden später auch in den Produkten übernommen, wie z. B. die Lernhilfen in OneNote.

JAXenter: Bei DevOps ja auch um Dinge wie den Geist der Zusammenarbeit, Experimentalkultur, Agilität, Mitarbeiterzufriedenheit. Was kann ein Unternehmen tun, um diese Dinge zu fördern?

Eine Kultur, die Experimente aber auch das Scheitern fördert, muss in den Chefetagen vorgelebt werden.

Artur Speth: Meine persönliche Meinung ist, dass DevOps nicht einfach ein Prozess ist oder ein Werkzeug, das ich einsetze, um z. B. mehr Agilität zu erreichen. Es geht vielmehr darum, dass sich die gesamte Organisation transformieren muss. Eine Kultur, die Experimente aber auch das Scheitern fördert, muss vor allem in den Chefetagen vorgelebt werden.

Meistens sind es doch eher die Engineering Teams, welche mit Scrum und/oder agilen Methoden alte Strickmuster durchbrechen und auch erfolgreich sind. Wird aber diese Einstellung und Kultur nicht aus dem Management unterstützt, dann bringt es das Unternehmen nur bedingt weiter, da veraltete Managementansätze Innovationen bremsen.

Auch muss ich die richtigen Rahmenbedingungen und Strukturen im Unternehmen schaffen. Eine klassische Linienorganisation mit sogenannten Kompetenzzentren Entwicklung, Qualitätssicherung, etc. funktioniert im DevOps-Gedanken nicht. Ich brauche crossfunktionale Teams, die eine End-to-End-Verantwortung bis zur Lieferung eines Produkts übernehmen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Lesen Sie auch Teil 1 der Serie: Thomas Schissler: “Kultur ist ein hohes Gut, das von allen weiterentwickelt werden muss”

artur-spethArtur Speth arbeitet als ALM-Architect in der Microsoft Developer Experience Group (DX) und ist Spezialist für Visual Studio und Application Lifecycle Management. Nach seinem Aufenthalt in der Visual-Studio-Produktgruppe beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema DevOps und wie dieser Trend innerhalb von Microsoft adaptiert wird. Zuvor war er im Microsoft-Partner-Support als technischer Berater für die Visual-Studio-ALM-Plattform tätig. Aus dieser Zeit kann er auf umfangreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Microsoft-Partnern im Bereich Softwareentwicklung und Software-Development-Lifecycle zurückgreifen. Online ist er über seinen Blog oder auf Twitter zu finden.

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Unsere Experten-Tipps im Überblick

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, Eclipse, ALM und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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