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DevOps in der echten Welt

DevOps mal ganz praktisch: Was die Mitarbeiterzufriedenheit am meisten fördert, ist…

Hartmut Schlosser
DevOps Praxis

(c) Shutterstock / Artishok

Im Zentrum der DevOps-Bewegung steht eine Kultur, die Silos abbaut und den Geist der Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen fördert. Doch wie kann eine solche Kultur in der Praxis etabliert werden? Dieser Frage spüren wir in einem Themen-Dossier nach. Experten geben Einblicke, wie DevOps ganz konkret in ihren Unternehmen gelebt wird.

DevOps in der echten Welt

Für Thomas Schissler ist DevOps die Ausdehnung von Agilität auf den gesamten Unternehmenskontext, wo durch kurze Auslieferungszyklen und schnelle Feedbackschleifen die gesamte Organisation lernen kann.

Im Gespräch mit JAXenter gibt er Einblicke in Umsetzung von DevOps-Prinzipien bei der artiso solution GmbH. Außerdem gibt er Tipps, was ein Unternehmen tun kann, um eine Kultur der Zusammenarbeit und Wertschöpfung zu fördern.

Wir beginnen mit einem Spiel: Bitte vervollständige die folgenden Sätze!

DevOps-Erfahrungen aus meiner Praxis

thomas schissler

Thomas Schissler

Meiner Erfahrung nach arbeiten Devs und Ops am besten zusammen, wenn….

… sie ein gemeinsames Ziel haben, nämlich den Kunden mit einem guten Produkt glücklich zu machen.

Das größte Hindernis für DevOps ist meiner Erfahrung nach,…

… dass dies nicht nur in der Entwicklungsabteilung umgesetzt werden kann, sondern viele andere Bereiche des Unternehmens mitziehen und sich auch verändern müssen.

Was die Mitarbeiterzufriedenheit am meisten fördert, ist…

… das Wissen, etwas Sinnvolles zu tun, gemeinsam mit anderen, die sich für dieselben Ziele einsetzen.

Der Vorteil autonom arbeitender Teams liegt darin, dass…

… diese in den allermeisten Fällen die besseren Entscheidungen treffen können, wenn sie die dafür notwendigen Informationen erhalten.

Wichtig für eine positive Unternehmenskultur ist, ….

… das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg nicht als Ziel, sondern als Mittel für einen höheren Zweck zu betrachten.

Das Interview

DevOps in der Praxis: “Kultur ist ein hohes Gut, das von allen weiterentwickelt werden muss”

JAXenter: DevOps bedeutet mehr als nur die bessere Zusammenarbeit von Software-Entwicklung und -Betrieb. Es geht um Dinge wie den Geist der Zusammenarbeit, Experimentalkultur, Agilität, Mitarbeiterzufriedenheit. Was kann ein Unternehmen tun, um diese Dinge zu fördern?

Thomas Schissler: Ja, DevOps ist inzwischen in der Tat viel mehr als nur die bessere Zusammenarbeit zwischen Developern und Operations. In der Frage, inwieweit das Unternehmen diese Dinge fördern kann, bin ich mir inzwischen gar nicht mehr so sicher. Ich bin mir nur sicher, dass ein Unternehmen im schlechten Fall diese Dinge verhindern kann.

Dinge wie Vertrauen, respektvoller Umgang und Mut für Neues müssen vorgelebt werden.

Am wichtigsten ist, dass im Unternehmen passende Rahmenbedingungen geschaffen werden. So werden Mitarbeiter nie experimentieren, wenn Fehlschläge als etwas Negatives empfunden und verurteilt werden. Dinge wie Vertrauen, respektvoller Umgang und Mut für Neues müssen vorgelebt werden. Das wird dann über die Zeit auch ausstrahlen. Nicht auf alle, aber es genügt für vieles ja, wenn man einige “Vorkämpfer” hat und die anderen aufgeschlossen genug sind, hier mitzuziehen. Jedenfalls ist die Kultur, in der solche Dinge gedeihen können, für ein Unternehmen ein hohes Gut, das nicht nur vom Management, sondern von allen verteidigt und weiterentwickelt werden muss.

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JAXenter: Wie ist bei euch die Zusammenarbeit zwischen Devs und Ops organisiert?

Thomas Schissler: An dem Punkt muss man glaube ich 2 Dinge unterscheiden. Alle unsere Teams übernehmen Verantwortung für den verlässlichen Betrieb der Software, in welchem Rahmen hängt aber sehr stark vom Projekt ab. Die Teams werden dann noch von Infrastruktur-Spezialisten unterstützt, die die darunterliegende Infrastruktur bereitstellt. Mit denen arbeiten die Dev-Teams eng zusammen, die Verantwortung bleibt aber immer beim Dev-Team. D.h. die Ops-Leute sind Dienstleister für die Dev-Teams. Das hat einiges verändert.

Wie Teams am besten funktionieren

JAXenter: Wie ist üblicherweise die Team-Struktur in eurer IT?

Thomas Schissler: Wir arbeiten in den meisten Projekten nach Scrum, d.h. wir haben als Rollen Product Owner, Scrum Master und das Development-Team. Die Teams sind zwischen 3 und 8 Personen groß, an manchen Produkten arbeiten mehrere Teams, teilweise auch zusammen mit Teams unserer Kunden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Teams am besten funktionieren, wenn sie eine gute Mischung bezgl. Alter, Erfahrung, Charakteren etc. sind. In diesem Zuge würde ich mir mehr Frauen in unseren Teams wünschen, das ist in der IT klassisch aber nicht einfach.

JAXenter: Wie autonom können diese Teams agieren?

Thomas Schissler: Die Teams arbeiten sehr autonom mit unseren Kunden zusammen. D.h. Entscheidungen über Funktionalitäten etc. werden vom Product Owner, der bei uns typischerweise vom Kunden gestellt wird, getroffen. Technologische Entscheidungen trifft das Development-Team im Rahmen einiger grundlegender Vorgaben des Kunden. Wie das Team sich organisiert und arbeitet, bestimmt es in Zusammenarbeit mit dem Scrum Master ebenfalls sehr autark. So haben wir beispielsweise inzwischen einen Prozess etabliert, über den die Teams selbst über ihre Zusammensetzung bestimmen können.

Lediglich die Größe der Teams für die einzelnen Projekte wird von unserem Vertrieb im Rahmen der Kundenvereinbarungen festgelegt. Das Management nimmt lediglich über die Unternehmensstrategie Einfluss auf die Teams, sozusagen die gemeinsame Klammer, die allen Teams eine gemeinsame Basis gibt.

JAXenter: Bei DevOps ist auch immer von “Unternehmenskultur” die Rede. Das ist sicherlich kein leicht zu fassender Begriff. Würdest du sagen, bei euch gibt es so etwas wie eine einheitliche Kultur – oder vielleicht mehrere Kulturen? Wenn ja, wie würdest du sie beschreiben? Welche Werte sind wichtig – wie werden diese praktiziert?

Mitbestimmung ist ein ganz wichtiger Punkt, ebenso wie Offenheit und Transparenz.

Thomas Schissler: Puh, ja das ist echt schwierig und ein Thema, das uns momentan sehr bewegt. Ich würde schon sagen, dass wir eine einheitliche Kultur haben, wobei die natürlich von jedem Mitarbeiter unterschiedlich genutzt und interpretiert wird. Mitbestimmung ist bei uns ein ganz wichtiger Punkt, ebenso wie Offenheit und Transparenz.

Es gibt Kollegen, die das für sich intensiv nutzen, andere fokussieren sich mehr auf inhaltliche Themen. Wichtig ist mir auch, dass wir im Unternehmen aber gemeinsame Ziele vertreten, für die wir uns gemeinsam einsetzen. Damit wird die Arbeit sinnstiftend, und das gibt Orientierung, um autarke Entscheidungen treffen zu können.

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56a64b7adcb76c08727da21cversion51sizefullEffiziente Softwareentwicklung, das ist seit 1996 das Streben von Thomas Schissler, seit 2005 ausschließlich mit agilen Methoden. DevOps ist für ihn die Ausdehnung von Agilität auf den gesamten Unternehmenskontext, wo durch kurze Auslieferungszyklen und schnelle Feedbackschleifen die gesamte Organisation lernen kann. Als Berater, Coach und Sprecher nutzt er seine Erfahrungen in diesem Bereich, um bei Unternehmen Transformationen in diesem Sinne zu initiieren und zu begleiten.

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Unsere Experten-Tipps im Überblick

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, Eclipse, ALM und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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