Interview mit Martin Gutenbrunner

„DevOps sollte das Bewusstsein dafür schaffen, dass es durchaus noch Raum für Verbesserungen gibt“

Dominik Mohilo

Devs first, Ops last? Manchmal hat es genau den Eindruck. In seiner Session auf der DevOpsCon 2017 in Berlin sprach Martin Gutenbrunner von Dynatrace über DevOps aus Sicht der Operators. Im Interview beantwortete er die Frage danach, welche Tools für Ops fehlen und warum so wenig Pionierarbeit für Operators geleistet wird.

JAXenter: Hallo Martin und danke, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Bei DevOps geht es ja um eine bessere und reibungslosere Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Operators. Dennoch ist die Sicht der Entwickler auf das Ganze sehr prominent, während die Operator-Sicht oft zu kurz kommt. Wie ist dein Eindruck?

Martin Gutenbrunner: Ich sehe das ganz genau so, und spreche das immer wieder an. Entwickler haben mittlerweile vielfältigste Unterstützung durch Tools und Automatisierung, um den Code vom Arbeitsplatz in Produktion zu bringen. Automatisiertes Deployment hilft zwar natürlich auch den Ops, aber nur von Pre-Prod nach Prod. Wenn es in die andere Richtung geht, nämlich Probleme automatisiert vom Produktionsumfeld zurück in die Entwicklung zu bringen, gibt es zwar Tools, aber kaum Automatisierung.

JAXenter: Inwiefern sollte DevOps die Arbeit von Operators beeinflussen bzw. unterstützen?

Martin Gutenbrunner: Der Operator soll sich nicht auf Dinge konzentrieren müssen, die automatisiert werden können. Man muss nur einmal in die Besucherreihen bei Konferenzen schauen. Da sitzen dann massenhaft Ops in den Vorträgen, die ihr sündhaft teures MacBook Pro auf dem Schoß haben und Logfiles durchscrollen. DevOps sollte unter anderem das Bewusstsein dafür schaffen, dass es durchaus noch Raum für Verbesserungen gibt. Und dass es immer noch Tools gibt, die es noch nicht gibt 😊

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JAXenter: In deiner Session sprichst du ja auch darüber, dass für Entwickler sehr viele Tools vorhanden sind und immer wieder Innovationen auf den Markt kommen, während Operators kaum mehr als Logfiles und graphische Darstellungen (Charts) haben. Welche Tools fehlen deiner Meinung nach am meisten?

Zu einem großen Teil weiß ich das natürlich selber auch nicht, ich kann ja nicht in die Zukunft sehen 😊 Oft ist es aber so, dass es schon Tools gibt, die aber einfach noch viel besser werden können. Logging-Server sind z.B. erfahrungsgemäß sehr aufwändig zu betreiben, das sollte doch auch besser gehen. Grundsätzlich fehlen aber jene Tools am Meisten, die unterschiedliche Zielgruppen an einen Tisch bringen: Ops, Devs und im Idealfall auch Management.

JAXenter: Warum glaubst du wird in Bezug auf Tools für Operators so wenig Pionierarbeit geleistet?

Wenn einem Programmierer etwas fehlt, baut er es sich eben selbst – der Operator kann das nicht.

Martin Gutenbrunner: Naja, wenn einem Programmierer etwas fehlt, baut er es sich im Extremfall selbst. Der Operator kann das halt nicht. Davon abgesehen fallen mir viele mögliche Gründe ein. Vielleicht liegt es daran, dass der Bereich „Ops“ unschärfer wird. Früher ging es da um Server und Netzwerke, evtl. um Tomcat oder Apache. Heute geht es außerdem um virtuelle Umgebungen, PaaS-Plattformen und äußerst komplexe Anwendungen. Was davon betrifft noch den Operator? Was sollte eigentlich der Developer selbst betreiben, was „kauft“ man aus der Cloud zu? Die Cloud selber ist vielleicht auch ein Grund dafür. Was muss ich eigentlich noch selber bauen? Brauch ich das morgen überhaupt noch, oder wird meine Art zu arbeiten ohnehin durch ein neues Konzept abgelöst (etwa Tomcat versus Embedded Application Server)? Aus kommerzieller Sicht sind vielleicht Ops-Tools nicht mehr so relevant, da ja ohnehin alles in die Cloud zu „Self Service“ wandert. Das heißt Cloud-Provider bieten ihre eigenen Tools an und versuchen im Idealfall, auch noch Pre-Prod (bis zurück zur Entwicklung) in die Cloud zu ziehen (z.B. MS AppInsights). Da braucht man ja dann abseits der Cloud-Infrastruktur keine eigenen Tools mehr.

JAXenter: Was ist die Kernbotschaft, die jeder aus deiner Session mitnehmen sollte?

Martin Gutenbrunner: Auch wenn der Begriff DevOps an sich stark an Abnutzungserscheinungen leidet, ist DevOps trotzdem das Mindset, das wir alle haben sollten. Es wird immer Möglichkeiten geben, die Zusammenarbeit zu verbessern. Das eine Tool, das alle Probleme löst, wird niemand bauen können. Entwerfen wir unsere Tools aber so offen, dass sie sich gegenseitig ergänzen können, sind wir auf dem besten Weg dazu.

Martin Gutenbrunner is Tech Lead for Microservices and Azure in the Dynatrace Innovation Lab. Before joining Dynatrace, he worked as a lead software developer and architect – mainly on Java web applications – for about a decade. While he’s passionate about software architecture on his job, he loves spending time with family and friends, tinkering with his house, running and binge watching.
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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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