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Expertencheck – Teil 2

7 Antworten auf die Frage: Welche Werte gehören zur DevOps-Kultur?

Hartmut Schlosser
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© Shutterstock/Yabresse

Unternehmenskultur wird in aktuellen Debatten um DevOps als Schlüssel für erfolgreiche Transformationsprozesse identifiziert. Doch was heißt “Kultur” eigentlich im Unternehmenskontext? Dies ist die Kernfrage, die jedes Unternehmen beantworten muss, wenn es von den Ideen der DevOps-Bewegung profitieren möchte.

Auf JAXenter wollen wir einen Beitrag zur Debatte liefern und hinterfragen, was Unternehmenskultur eigentlich ist, welche Werte eine dezidierte DevOps-Kultur ausmachen und wie man kulturellen Wandel in Unternehmen bewirken kann.

Dazu haben wir sieben DevOps-Experten zu ihren Erfahrungen mit Unternehmenskulturen und kulturellem Wandel befragt.

7 Antworten: Welche Werte machen eine DevOps-Kultur aus?

Die DevOps-Experten

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Jeff Sussna ist ein international anerkannter IT-Consultant und Anwender von System / Design Thinking. Er ist ein hochgeschätzter Lehrer, Autor und Speaker in den Bereichen DevOps und Design Thinking.

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Uwe Friedrichsen bereist die Welt der IT seit vielen Jahren. Als Mitarbeiter der codecentric AG ist er jederzeit auf der Suche nach innovativen Ideen und Konzepten.

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Helen Beal liebt DevOps und ist die Gründerin des Ranger4 DevOps LiftOff Workshops und der Ranger4 DevOps Maturity Bewertung, die den IBM Beacon Awards 2015 für eine herausragende DevOps-Lösungen gewonnen hat.

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Greg Bledsoe ist Managing Consultant bei Accenture und regelmäßig für die Einführung von DevOps-Prinzipien in Fortune-100-Unternehmen verantwortlich.

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Markus Andrezak ist Gründer von ueberproduct und hilft Unternehmen, großartige Produkte zu finden und herzustellen.

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Emily Lannon ist Director of Workplace bei SoundCloud.

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Matthew Skelton ist Co-Founder und Principal Consultant bei Skelton Thatcher Consulting.

Die Essenz von DevOps ist Empathie.

Helen Beal: DevOps-Kulturen sind vorwurfsfrei, vertrauensvoll, hochgradig experimentell und innovativ. Sie fördern individuelle Autonomie, Meisterschaft und als sinnvoll erlebtes Arbeiten.

Jeff Sussna: Die Essenz von DevOps ist Empathie. Empathie bedeutet aber nicht, sich auch traurig zu fühlen, wenn jemand anderes traurig ist. Es meint einfach, dazu fähig zu sein, Dinge aus der Perspektive eines anderen zu sehen.

Im Fall von DevOps müssen Entwickler auf ihre eigene Software aus der Perspektive derer blicken, die sie in Betrieb nehmen sollen. Sysadmins hingegen müssen ihre eigenen Prozesse aus der Warte derer heraus betrachten, die versuchen, neue Features so schnell und kontinuierlich wie möglich in den Markt zu bringen.

Der beste Weg, um eine empathische Kultur zu schaffen, besteht darin, dass sich die verschiedenen Gruppen unterhalten und aufeinander hören. Wenn man die Probleme der anderen versteht, insbesondere die Probleme, die anderen aus der eigenen Arbeit heraus erwachsen, kann man den größeren Zusammenhang erkennen, in dessen Rahmen alle arbeiten.

Diesen größeren Zusammenhang zu sehen, macht globale, im Gegensatz zu nur lokalen Optimierungen möglich. Im Kern stellt DevOps Lösungen für das gesamte Wertschöpfungssystem über Lösungen für individuelle Teams, Komponenten oder Prozesse.

Greg Bledsoe: Einfach ausgedrückt basieren DevOps-Kulturen auf kollaborativen, über verschiedene Disziplin-Grenzen hinweg ausgehandelten und standardisierten Problemlösungensmechanismen.

Lesen Sie auch: DevOpsCon Mission Statement – So verstehen wir modernes DevOps

Uwe Friedrichsen: Das lässt sich schön über die “3 Wege des DevOps” erläutern:

Als Unternehmen muss man eine offene, transparente Kommunikation über die gesamte Wertschöpfungskette fördern.

1. Das Streben nach dem Verkürzen von Cycle Times. Wichtig ist dabei, immer die gesamte IT-Wertschöpfungskette (“von der Idee bis zum Kunden”) im Auge zu haben und nicht nur Teile davon. Denn sonst läuft man Gefahr, lokale Optimierungen zu machen, die an der einen Stelle zwar schön aussehen, die Wertschöpfungskette als Ganzes aber langsamer machen.

2. Das Fördern von Feedback-Zyklen. Häufig wirken sich Fehlleistungen nicht dort aus, wo sie gemacht werden, sondern erst weiter hinten in der Wertschöpfungskette: Eine falsch erhobene Anforderung führt zu unbrauchbarem Code, nachlässig implementierter Code führt zu instabilen Systemen in Produktion, und so weiter. Diese Probleme sorgen dafür, dass die Cycle Times länger werden. Also möchte man sie vermeiden. Dafür benötigt man Feedback-Zyklen: Der Erzeuger des Problems muss die Konsequenzen seines Handelns verstehen. Er muss verstehen, warum es ein Problem ist, damit er in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass das Problem nicht mehr auftritt.

Als Unternehmen muss man dafür offene, transparente Kommunikation über die gesamte IT-Wertschöpfungskette fördern (oder überhaupt erst ermöglichen) und eine “Kultur des Lernens” etablieren, d.h. dem Reflex widerstehen, nach Schuldigen zu suchen. Außerdem muss man dafür sorgen, dass alle Beteiligten die gleichen Erfolge und Misserfolge erleben. Wenn die Entwicklung für neue Features belohnt wird und der Betrieb für Verfügbarkeit, dann wird das nichts.

3. Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. In einfachen Worten: Entropie schläft nicht. Deshalb ist Stillstand in Wirklichkeit Rückschritt. Ich muss als Organisation immer an der Verbesserung meiner Abläufe arbeiten, damit ich nicht schlechter werde. Das sollte aber nicht zufällig erfolgen, wenn mal gerade Zeit ist (was nie der Fall ist), sondern als geplante Maßnahme. Wichtig ist dabei, dass man explizit Zeit dafür einräumt und es nach kontrollierten Prinzipien macht. Der Deming-Kreis (“Plan-Do-Check-Act”) sowie die Prinzipien des wissenschaftlichen Experiments helfen, um dafür einen guten Ansatz zu finden.

Markus Andrezak: DevOps-Kultur fördert das Überwinden von Silos und einer Aufteilung der Belange. Es geht um die vertikale Integration von Teams, mit dem Ziel, Werte für den Kunden zu schöpfen. Auf diese Weise kann eine Entkopplung der Teams vom Markt vermieden werden.

Eine effektive DevOps-Kultur setzt ein Lernen auf Unternehmensebene voraus.

Emily Lannon: Die Elemente, die eine DevOps-Kultur ausmachen, sind eine gemeinsame Abstimmung über Werte, eine engagierte Geschäftsführung und der Community-Gedanke.

Matthew Skelton: Eine effektive DevOps-Kultur setzt die tägliche Zusammenarbeit von Teams voraus, ein Lernen auf Unternehmensebene, die Ermächtigung von Teams und eine dezentralisierte Entscheidungsfindung. Man braucht zudem einen vorwurfsfreien Ansatz der Problembehandlung sowie abteilungsübergreifende Ziele. Fast niemals funktionieren unserer Erfahrung nach hingegen Anreize über finanzielle Boni. Boni führen fast immer zu einer sehr schlechten Kultur.

Bitte vervollständige die folgenden Sätze:

Was die Mitarbeiterzufriedenheit am meisten fördert, ist…

…das Gefühl, einen Beitrag zur Lösung von Problemen und zur Verbesserung der Situation leisten zu können – für sich selbst, sein Team und sein Unternehmen. Jeff Sussna

…Autonomie, Meisterschaft und sinnstiftendes Arbeiten zu ermöglichen. Helen Beal

…das Gefühl, etwas Wichtiges und Großartiges zu schaffen. Deshalb müssen wir Leute dadurch motivieren, indem wir die erzielte Wertschöpfung für unsere Kunden in unsere Erzählungen einbauen. Markus Andrezak

…das Wissen, dass die eigene Arbeit einen Unterschied macht und man dafür Anerkennung erhält. Emily Lannon

…die intrinsischen Motivationsfaktoren “Autonomy” (die Arbeit selbst gestalten können), “Purpose” (den Sinn der Arbeit verstehen) und “Mastery” (die Arbeit wirklich gut zu beherrschen) – aber das ist unabhängig von DevOps. Uwe Friedrichsen

…das Vermeiden von Bürokratie. Matthew Skelton

Der größte Vorteil autonom arbeitender Teams ist…

…die Möglichkeit, für den Kunden Wertvolles mit einem Maximum an Qualität und einem Minimum an Reibungsverlust zu entwickeln und auszuliefern. Jeff Sussna

…dass autonome Teams mit hoher Geschwindigkeit arbeiten können und als eine Art Spannungssensor für Kundenbedürfnisse fungieren, wodurch wiederum die Feedback-Schleife mit der Business-Seite verstärkt wird. Helen Beal

… die Geschwindigkeit, mit der autonome Teams Feedback vom Markt erhalten, und die schiere Masse an neuen Optionen, die sich dadurch eröffnen, dass autonome Teams viel intelligenter sind als jede Einzelperson. Markus Andrezak

Autonomie vom Management und der Geschäftsführung sind zwar wichtig, doch die vertikale, crossfunktionale Zusammenarbeit im Unternehmen ist lebensnotwendig. Emily Lannon

…dass sie auftretende Probleme selbst lösen können – das ist essentiell, um Cycle Times zu verkürzen. Uwe Friedrichsen

…die Fähigkeit, Kontext-relevante Entscheidungen treffen zu können, an die man direkt anknüpfen kann, was unmittelbar dem Kunden zugute kommt. Matthew Skelton

Verpassen Sie nicht den dritten Teil unserer Serie zur Frage: Wie erreicht man eine Transformation hin zur DevOps-Kultur?

Rethink IT – die Umfrage

Continuous Delivery, Microservices, Container, Cloud und eine agile Unternehmenskultur – diese Faktoren sind zentral für die moderne DevOps-Bewegung. Wie sieht es in Ihren Unternehmen mit diesen Punkten aus?



Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, Eclipse, ALM und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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