Interview mit Dr. Martin Luckow

DevOps und KI: „Spezialisierte KIs werden in den wichtigen Aufgabenbereichen von Dev und Ops stark zunehmen“

Katharina Degenmann

Künstliche Intelligenz verbreitet sich immer weiter in den Unternehmen. Damit bahnt sich ein entscheidender Wechsel in Entwicklung und Betrieb an. Wir haben uns mit Dr. Martin Luckow (Trivadis GmbH) unter anderem darüber unterhalten, wie DevOps von künstlicher Intelligenz profitieren kann, welche Herausforderungen es gibt und wie KI-Anwendungen zukünftig Unternehmen und Sparten umwälzen werden.

JAXenter: Inwieweit profitiert DevOps von künstlicher Intelligenz?

Martin Luckow: Das ultimative Ziel ist, Benutzer in die Lage zu versetzen, ihre eigenen User Stories oder Geschäftsanforderungen einer AI-basierten Plattform zu beschreiben, die wiederum Modelle erstellt, testet und sie automatisch ausführt. Die Auswirkungen auf Entwicklungsprozesse wären natürlich dramatisch. Natürlich sind wir bei weitem noch nicht so weit, doch bis dahin werden spezialisierte KIs in den wichtigen Aufgabenbereichen von Dev und Ops stark zunehmen und zumindest unterstützend eingesetzt werden.

Ich würde gerne sehen, dass KI ein echtes europäisches Thema wird

JAXenter: Hast Du ein Beispiel parat, in dem mithilfe KI-fähiger Anwendungen neue Lösungen im Bereich DevOps generiert wurden?

Martin Luckow: Da gibt es mehrere Beispiele. So macht z.B. Microsoft ein experimentelle Werkzeug namens Sketch2Code im Web verfügbar, dass aus einer Skizze, die zugehörige HTML-Seite generiert. Und ganz versteckt findet sich in Visual Studio 2019 ein Feature namens IntelliCode. Das muss man explizit aktivieren, aber dann mischt es sich, viel mehr als z.B. IntelliSense, beim Formulieren von Code ein. Facebook nutzt Entwicklungen wie Sapienz und SapFix, die produktiv eingesetzt werden und in der Lage sind, Tests selbstständig zu entwickeln und sogar Korrekturvorschläge für die von ihnen gefundenen Bugs zu machen. Tools wie diese haben natürlich enorme Auswirkungen.

Jaxenter: Welche Schwierigkeiten ergeben sich, wenn man KI-Strategien in bestehende Prozesse integrieren möchte? Was sind hier die Herausforderungen?

Martin Luckow: Aktuell und in der nächsten Zeit werden KIs sich eher als neuartige Tools mit speziellem Fokus präsentieren, die sich auf die Kernprozesse zwar mittelbar auswirken, sie aber noch nicht über den Haufen werfen. Von daher sehe ich die Herausforderungen weniger in der Integration der Werkzeuge als in ihrer Akzeptanz durch z.B. Entwickler.

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JAXenter: Explizit zum Thema KI: Es gibt etliche KI-Experten, die nicht so optimistisch sind, wenn es um den Status-Quo von KI in Deutschland geht. Was ist Deine Meinung dazu?

Martin Luckow: Jammern dieser Art ist ein altbewährtes Mittel, um an Fördergelder zu kommen 🙂 Und alte Ängste der Form „Deutschland ist nicht länger Weltmeister!“ zu triggern zieht leider noch immer. Ich würde gerne sehen, dass KI ein echtes europäisches Thema wird.

JAXenter: Stichwort DSGVO: Wie passen KI und Datenschutz zusammen?

Martin Luckow: Das ist ein sehr komplexes Thema. In jedem Fall gibt es ganz neue Herausforderungen. Ein Beispiel: Ich füttere eine unüberwacht lernende KI in einer Public Cloud mit Daten. Die werden nach Gebrauch sofort wieder gelöscht. Aber, weil die KI ja lernt, bleibt „irgendetwas“ in ihren neugebildeten Assoziationen übrig. Dieses „Irgendetwas“ datenschutzrechtlich zu qualifizieren, ist extrem schwierig.

Ich sehe die Herausforderungen weniger in der Integration der Werkzeuge als in ihrer Akzeptanz

JAXenter: Wie werden KI-Anwendungen zukünftig Unternehmen und Sparten umwälzen?

Martin Luckow: Kurze Antwort: Langfristig vollständig 🙂 Für die lange Antwort verweise ich auf gerne die Studie „When Will AI Exceed Human Performance?“ an der sich mehrere Hundert KI-Experten weltweit beteiligten und die abschätzt, wann, welche Fähigkeit von einer KI besser ausgeführt wird als von einem Menschen.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Dr. Martin Luckow ist seit deißig Jahren im IT-Geschäft, bezeichnet sich als Agilist, der auch die Gegenseite kennt (und angemessen schätzt) und kann auf umfassende Erfahrungen im klassischen und agilen Projektmanagement, in der Lösungsentwicklung und ALM zurückgreifen.
Seit 2011 ist er bei der Trivadis AG und verantwortet als Senior Solution Manager neben Application Development alle Themen zu agilen Projekten sowie Digitalisierung. Er ist einer der drei Verantwortlichen der DevSecOps-Initiative der Trivadis… der Leser mag raten, für welchen Themenbereich.
Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann hat Politikwissenschaft und Philosophie studiert. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH und ist nebenbei als freie Journalistin tätig.
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