Wie können Unternehmen von DevOps profitieren?

DevOps im App-Zeitalter

Justin Vaughan-Brown

© Shutterstock.com/Sergey Nivens

Mobile Endgeräte sind für den modernen Menschen unverzichtbar geworden. Sie treiben den digitalen Wandel an, denn Verbraucher wünschen sich praktische mobile Anwendungen für alle Bereiche. So möchten viele inzwischen sogar das Smartphone zum Bezahlen verwenden, als so genanntes „Mobile Wallet“. Diese ständige Nutzung bedingt auch die kontinuierliche Verfügbarkeit aktueller Anwendungen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom „App-Zeitalter“.

Entsprechend müssen Unternehmen in der Lage sein, neue Versionen immer schneller herauszubringen – denn nur so kommen neue Funktionen schnell zum Kunden und erhalten die eigene Wettbewerbsfähigkeit. IT-Abteilungen in Unternehmen stehen folglich vor der Herausforderung, fehlerfrei laufende, kostengünstige Anwendungen in kürzeren Produktionszyklen auf den Markt zu bringen. Hierbei kann der viel zitierte DevOps-Ansatz helfen. Was müssen Unternehmen beachten, wenn sie DevOps integrieren möchten? Nur eine ganzheitliche Strategie eröffnet alle Potenziale.

Agilität, Flexibilität, Geschwindigkeit und Kosteneffizienz heißen die vier Hauptanforderungen an die moderne Unternehmens-IT. Durch sie erhoffen sich Unternehmen, neue Anwendungen zeitnah auf den Markt bringen zu können. In diesem Zusammenhang wird häufig die Managementphilosophie DevOps ins Spiel gebracht. Sie soll eine schnelle und effiziente Softwareentwicklung vorantreiben und gleichzeitig die Qualität steigern. Inzwischen haben zahlreiche marktführende Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie beispielsweise Bupa (ein führender englischer Anbieter aus dem Gesundheitsbereich), Dutch telco KPN (ein bekannter niederländischer Netzbetreiber), Swisscom, die französische Handelskette FNAC, Commerzbank, Union Bank und die ING DiBa als ersten Schritt ihrer DevOps-Strategie in neue Automatisierungstechnologien investiert. So beschleunigt Swisscom beispielsweise den Launch innovativer, Cloud-basierter digitaler TV-Services mit der Anwendung „CA Release Automation“ von CA Technologies. Diese Lösung automatisiert die komplexen, mehrstufigen Releaseeinsätze durch die Orchestrierung und Förderung von Applikationen – von der Entwicklung bis hin zur Produktion.

Obwohl Automatisierung als solche nur ein kleiner Teilaspekt der DevOps-Methode ist, verzeichnen die genannten Unternehmen schon ersten wirtschaftlichen Nutzen. Ähnlich positive Ergebnisse spiegeln sich auch in den Ergebnissen einer Studie wider, die zwischen Mai und Juli 2013 von Vanson Bourne im Auftrag von CA Technologies unter 1 300 IT-Entscheidern durchgeführt wurde. Die befragten Unternehmen verzeichnen messbare Erfolge zwischen 17 und 23 Prozent bei Schlüsselkennzahlen wie Umsatz, Time-to-Market und Neukundengewinnung.

Vorteile der DevOps-Philosophie

Prinzipiell geht es bei DevOps um die verbesserte Zusammenarbeit von Entwicklungsabteilung und IT-Betrieb, mit dem Ziel, höhere Releasefrequenzen zu erreichen. Weil diese engere Zusammenarbeit in der Realität gar nicht so einfach umzusetzen ist, umfasst eine erfolgreiche DevOps-Strategie neben der kontinuierlichen Softwarebereitstellung auch bestimmte Softwaretools, angepasste Prozesse und nicht zuletzt Veränderungen innerhalb der Unternehmenskultur. Zu Beginn sollten Unternehmen deshalb ein agiles Vorgehen und einen kontinuierlichen Integrationsprozess in der Softwareentwicklung etablieren. Oft werden für agile Vorgehensweisen andere Skills und Rollen benötigt als jene, die in der Organisation üblich sind. Ebenso ist es wichtig, dass alle Teammitglieder dafür sorgen, dass der kontinuierliche Build- und Integrationsprozess möglichst gut läuft und immer wieder optimiert wird. Konkret ist DevOps eine Kombination aus moderner Technologie gepaart mit der Wandlungsfähigkeit einer Organisation und motivierten Mitarbeitern in der richtigen Position. Dabei können die umzusetzenden Veränderungen innerhalb des Unternehmens eine echte Herausforderung sein. Aber der Nutzen, den Firmen aus der DevOps-Philosophie ziehen können, überwiegt – darüber sind sich die Experten inzwischen einig. Denn auf die wichtigsten Vorteile kann im App-Zeitalter kein Unternehmen verzichten. Diese kann man folgendermaßen zusammenfassen:

Schnelle und kontinuierliche Marktfähigkeit von neuen Softwareanwendungen und kürzere Produktionszyklen: Durch stärker automatisierte Prozesse und eine verbesserte Zusammenarbeit wird es möglich, neue Applikationen schneller auf den Markt zu bringen. Insgesamt kann die Releasefrequenz erhöht, und Releasezeiten können auf Wochen- oder Tagesfrist verkürzt werden. Auf diese Weise kommen Kunden früher in den Genuss neuer Anwendungen. Unternehmen erhalten früher Feedback und können neue Anforderungen schneller bei der Entwicklung berücksichtigen. Dadurch entsteht ein echter Wettbewerbsvorteil.
Verbesserte Qualität der Anwendungen: Obwohl sich durch den Einsatz von DevOps der gesamte Releaseprozess wesentlich beschleunigen lässt, bedeutet das keinen Qualitätsverlust. Vielmehr ist es so, dass die Konzentration auf die Fertigstellung und die Kundenbedürfnisse die Zuverlässigkeit des IT-Systems und damit auch die Qualität der Anwendungen insgesamt verbessert. Kürzere Releasephasen mit kleinen Veränderungen bergen auch weniger Risiken für die Qualität.
Effizientere Arbeitsabläufe: Die Automatisierung von Prozessen bedeutet zwar anfangs Investitionen, einmal installiert sparen die notwendigen technischen Softwaretools aber viel Zeit und vermeiden Fehler, die manuelle Prozesse zwangsläufig mit sich bringen. Arbeitsabläufe, die früher Wochen gedauert haben und aufwändig waren, können nun häufig per Knopfdruck oder im Rahmen der Ausführung eines einzigen Scripts erledigt werden.

Neben diesen drei Hauptaspekten bringt DevOps noch weitere Vorteile mit sich, die die Methode lohnenswert machen, beispielsweise eine bessere Messbarkeit von Kernzahlen oder eine höhere Mitarbeitermotivation. Es scheint, dass in der Umsetzung von DevOps ein großes Potenzial für die Zukunft von Unternehmen liegt. Wie aber sieht eine erfolgreiche DevOps-Strategie aus und mit welchen Schritten sollten Unternehmen die Einführung beginnen?

In sieben Schritten zur DevOps-Einführung

Ein Experte für die Entwicklung agiler Software und Pionier der DevOps-Philosophie ist Benjamin Wootton, der mit seinem Beratungsunternehmen Contino schon viele entsprechende Veränderungsprozesse in internationalen Unternehmen begleitet hat. Er ist verantwortlich für die Veröffentlichung des bekannten DevOps-Friday-Newsletters und schreibt gerade ein Buch zum Thema mit dem Titel „Flowing Software“, das in Kürze erscheinen wird. Im Juni war er außerdem Sprecher bei der von CA in London ausgerichteten Panel-Diskussion „DevOps and the Applicaton Economy“. Dort wurde unter anderem offenbart, wie Software und Applikationen im kommenden Zeitalter zum Motor für neue Geschäftsfelder werden.

Er hat einige wertvolle Tipps für den erfolgreichen Start einer DevOps-Strategie im Unternehmen zusammengetragen, die ich hier weitergeben möchte:

1. Die Richtigen für das Projekt finden: Um DevOps zu etablieren, braucht es technische Experten in Sachen Automation, aber ebenso Mitarbeiter, die über den Tellerrand schauen und in der Lage sind, neue Arbeitsweisen einzuführen und die Zusammenarbeit in der gesamten IT-Organisation zu verbessern. Die technischen Kompetenzen können Mitarbeiter erlernen, schwieriger ist es dagegen, die richtigen Persönlichkeiten zu finden, die es sich zutrauen, Silos aufzubrechen und bei IT-Equipment und Software neue Wege zu gehen. Wenn die richtigen Verantwortlichen gefunden sind, kann der Veränderungsprozess allerdings in zügigen Schritten umgesetzt werden.

2. Schnelligkeit und Agilität sind entscheidend: Traditionell wird im IT-Betrieb sehr auf Zuverlässigkeit geachtet und darauf, dass alles unterbrechungsfrei läuft. Um im App-Zeitalter erfolgreich zu bleiben, müssen Unternehmen bei der Softwareentwicklung die Prioritäten zugunsten von Schnelligkeit und Agilität verschieben. Die Zuverlässigkeit darf dabei aber trotzdem nicht auf der Strecke bleiben.

3. Produktionszyklen kurz halten: Der große Gewinn von DevOps ist, dass sich die Durchlaufzeiten – die Zeitspanne von der Idee bis zur Marktreife einer Anwendung – wesentlich verkürzen lassen. Unternehmen sollten daher ein besonderes Augenmerk darauf legen, den Produktionszyklus durch zeitnahes Feedback, mehr Automation, veränderte Arbeitsvorgänge und Releaseprozesse zu verkürzen.

4. Rundumperspektive für Entwickler: Bei der Umsetzung von DevOps müssen Softwareentwickler künftig weiter denken als bisher. Es ist wichtig, dass sie ein besseres Verständnis für die Produktionsumgebung haben, in der ihr Code arbeitet. Außerdem muss ihr Verantwortungsbereich in Richtung Liveproduktion erweitert werden. Es ist immer noch zu häufig der Fall, dass Entwickler eine „Egalmentalität“ pflegen und denken, ihre Aufgabe sei erledigt, wenn sie den Code getestet haben. Auf diese Weise funktioniert DevOps aber nicht.

5. Automatisieren, wo immer es geht: Auch wenn Menschen bei der Umsetzung von DevOps eine wichtige Rolle spielen, ist Automatisierung ein wichtiger Aspekt. Manuelle Routineprozesse bergen hohe Fehlerrisiken. Wenn Mitarbeiter Routineaufgaben stärker automatisieren, werden sie schneller, verlässlicher und arbeiten effizienter. Gute Tools zur Automatisierung sind jedoch wichtig: Sie erlauben Kontrolle, Steuerung und Prüfung zur gleichen Zeit.

6. Klein anfangen ist besser: Unternehmen sollten mit ihrer DevOps-Strategie keine kulturelle oder technologische Revolution einleiten. Es empfiehlt sich, mit einer Anwendung zu starten, bei der eine schnellere Bereitstellung in kurzen Abschnitten von Vorteil wäre, und hier Produktionszyklen zu verkürzen und gleichzeitig Arbeitsweisen zu verändern. Wenn der Nutzen offensichtlich ist, haben Verantwortliche einen Business Case, um DevOps im Unternehmen voranzutreiben.

7. Ein ganzheitlicher Ansatz führt zum Ziel: Die erfolgreiche Realisierung einer DevOps-Strategie bedingt eine Kombination aus Technologie, geeigneten IT-Experten und veränderten Prozessen. Wenn Unternehmen einen dieser drei Aspekte vernachlässigen, können sie das volle Potenzial von DevOps kaum ausschöpfen. Das kann damit enden, dass Firmen sich zu sehr auf die Technik konzentrieren und ein Ablauf zwar schneller wird, aber fehlerhaft bleibt, oder dass motivierte Mitarbeiter auf ein unzureichendes Equipment treffen und nicht vorankommen.

Don’ts

Zuletzt gibt es noch ein paar absolute Don’ts, die bei der Einführung von DevOps im Unternehmen zu beachten sind. So empfiehlt es sich beispielsweise nicht, eine eigene Abteilung nur für DevOps zu gründen. Die eingesetzten Mitarbeiter liefen Gefahr, von anderen IT-Kollegen isoliert zu werden, was selbstverständlich kontraproduktiv wäre. Außerdem sollten sich Unternehmen immer wieder bewusst machen, dass DevOps keine Anwendung ist, die man einfach einkaufen kann. Es ist eine Unternehmensphilosophie, die Schritt für Schritt wachsen muss. Dazu bedarf es der richtigen Mitarbeiter am richtigen Platz und noch mehr. Wer mit DevOps seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern möchte, muss auch in der Unternehmenskultur einen Wandel vollziehen. Von alten und manchmal auch lieben Gewohnheiten sollten sich Verantwortliche und Mitarbeiter also verabschieden. Wenn Unternehmen diesen ganzheitlichen Ansatz der DevOps-Methode im Auge behalten, wird die Umsetzung gelingen und das volle Nutzenpotenzial zu einem dauerhaften Geschäftserfolg verhelfen – auch im App-Zeitalter.

Aufmacherbild: Media technology illustration with mobile phone and icons von Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

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Geschrieben von
Justin Vaughan-Brown
Justin Vaughan-Brown
Justin Vaughan-Brown ist als Director Product Marketing vorranging für die Content-Erstellung rund um das Thema DevOps bei Appdynamics verantwortlich, da er früher als Lead und Senior DevOps Market Strategist bei CA Technologies tätig war. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Technologie-Marketing und arbeitete für Software AG, Microsoft, BusinessObjects und SAS. Zu seinen Stationen gehören auch hochrangige europäische Marketingrollen bei Datenintegrations-, Sicherheits- und Hochleistungs-Datenbankanbietern. Justin ist Autor mehrerer Strategiepapiere und hat unter anderem auf Konferenzen wie dem Gartner Symposium in Brasilien, Hongkong und Südafrika gesprochen.
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