3 Experten zum Status Quo von DevOps

DevOps Expertencheck 2018: Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit der DevOps-Bewegung

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Ashalatha

Das Jahr 2008 gilt als Geburtsjahr der DevOps-Bewegung, auch wenn die Prinzipien nicht unbedingt zu dieser Zeit erfunden wurden. Im ersten Teil unseres Expertenchecks, den wir im Zuge der DevOpsCon 2018 durchgeführt haben, schauen Julia Wester, Michiel Rook und Steve Poole zurück auf die Anfänge von DevOps, analysieren die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren und werfen einen Blick in die Zukunft.

Im ersten Teil unseres DevOps-Expertenchecks mit Julia Wester, Michiel Rook und Steve Poole beleuchten wir Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit der Bewegung.

DevOps im Wandel der Zeit

Die DevOps-Bewegung feiert in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag. Alles begann im Jahr 2008, als Andrew Shafers und Patrick Debois ihren Talk „Agile Infrastructure“ zum ersten Mal hielten. Seitdem hat sich die Welt von DevOps punktuell natürlich verändert. Doch was genau hat sich verändert und wo stehen wir eigentlich heute?

JAXenter: Könnt ihr als Experten vielleicht kurz umreißen, wie sich DevOps in den letzten zehn Jahren entwickelt hat?

Die DevOps-Experten
DevOps - Wester

Julia Wester – Co-Founder und Principal Consultant bei Lagom Solutions

DevOps - Rook

Michiel Rook – Passionierter und pragmatischer Freelance-Coach, Entwickler und Speaker

DevOps - Poole

Steve Poole – Developer Advocate, DevOps-Praktizierer, Java-Entwickler, Leader und Evangelist bei IBM

Julia Wester: DevOps konzentriert sich heute nicht mehr nur auf die sprichwörtlich „letzten Meter“ vom Code Commit bis zum Deployment. Heutzutage geht es bei DevOps um das Ausliefern von Wert – und zwar von einem Ende zum anderen. Man hört immer öfter von einer Bewegung „nach Links“ mit dem Zweck, mehr des Value Streams einzubeziehen. Auch die Menschen stehen viel mehr im Fokus, als das noch vor einer Weile der Fall war. Mittlerweile spricht man über den Aspekt „Mensch“ mindestens genau so oft, wie über die Tools, wenn nicht sogar öfter. Allerdings muss ich zugeben, dass die aktuelle Literatur immer noch sehr auf das Ende des Prozesses der Software Delivery fokussiert ist. Auf Events, Meetups und so weiter spricht man darüber allerdings nicht mehr so häufig.

Michiel Rook: Ich bin mir nicht sicher, wann ich den Begriff „DevOps“ zum ersten Mal gehört habe. Was ich allerdings weiß ist, dass ich nach den entsprechenden Prinzipien bereits seit der Zeit vor 2008 lebe. Ich habe mich schon immer darauf konzentriert, Wert möglichst schnell auszuliefern. Ich denke, dass dieser Ansatz mit den traditionellen Arbeitsweisen komplett unvereinbar ist, denn damals wurden ja ganz bewusst Mauern zwischen den Menschen, Teams und Abteilungen errichtet.

Steve Poole: Die Verbreitung und die Annahme von DevOps verhält sich nicht essentiell anders, als dies bei anderen Tech-Ideen im Laufe der Geschichte der Fall war. Am Anfang gibt es immer die gewöhnlichen Einstellungen zu dem Thema wie „Das betrifft uns nicht“ oder „Wir machen bereits DevOps“ – beide sind gleichermaßen falsch. Dann, als immer mehr Unternehmen ernsthaft über die Transformation der Unternehmensstruktur hin zu DevOps nachdachten, gab es plötzlich immer mehr Aussagen wie „DevOps ist zu kompliziert“, „DevOps ist zu disruptiv“ und „Wir sind nicht Netflix“. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings auch noch die Annahme weit verbreitet, dass es bei DevOps lediglich um die Nutzung von bestimmten Tools gehe. Erst als es die ersten Erfahrungsberichte gab und die Leute sahen, dass der DevOps-Ansatz wirklich wertvoll sein kann, ist der Groschen gefallen: DevOps ist eine Evolution von Agile und es geht außerdem um Menschen UND Tools.

Aus technischem Blickwinkel waren es vor allem die Cloud, der Vormarsch der Container-Technologie und Microservices-Architekturen, die die Notwendigkeit für DevOps vorangetrieben haben, um moderne Anwendungen zu erstellen, zu deployen und zu managen.

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DevOps: Status Quo und Zukunft

JAXenter: Wie würdest du den derzeitigen Status Quo von DevOps beschreiben? In welche Richtung wird sich die Bewegung in Zukunft entwickeln?

Julia Wester: Vor ein paar Jahren wurde ich im Anschluss an meinen Talk auf dem DevOps Enterprise Summit nach der Zukunft von DevOps gefragt. Meine Meinung dazu hat sich praktisch nicht verändert: Die Zukunft von DevOps ist systematisches Denken. Bei DevOps ging es immer um die Interaktion zwischen Entwicklern (Dev) und Admins (Ops). Nun, da wir in diesem Bereich Fortschritte machen und die Interaktion optimieren etc., können wir mehr des Value Streams einbinden – und auch die Interaktion mit anderen Bereichen nimmt zu, wenn man an DevSecOps oder BizDevOps denkt. Es hat sich herauskristallisiert, dass es deutlich mehr Probleme gibt, die wir nun ebenfalls in das ganze Konstrukt implementieren, um es als Ganzes zu optmieren. Genau das macht systematisches Denken aus – die Arbeit an Interaktionen innerhalb eines Systems.

In der Community gibt es einige, die Angst haben, dass DevOps sich zu einem ‚Cargo-Kult‘ entwickelt.

Michiel Rook: In der Community gibt es einige, die Angst haben, dass DevOps sich zu einem „Cargo-Kult“ entwickelt. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Bedrohung nicht, insbesondere im Hinblick darauf, dass Anbieter sog. „DevOps Tools“ verkaufen. Dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass der Kauf eines bestimmten Tools DevOps in einem Unternehmen implementiert. Allerdings muss ich auch zugeben, dass viele große Unternehmen die Prinzipien von DevOps verinnerlichen und einsetzen, was ein positives Signal ist. Viele dieser Unternehmen haben noch Probleme damit (kein Wunder, wenn man deren Historie bedenkt), aber sie versuchen es zumindest.

Steve Poole: Ich hoffe inständig, dass die derzeitige Komplexität von Cloud Deployments punktuell ein wenig abflacht oder sich sogar insgesamt reduzieren lässt. Wir haben uns viel zu lange dazu hinreißen lassen, DevOps Tools für ein Level von Deployment-Komplexität zu verwenden, das ich für nicht nachhaltig halte. Zurückblickend kommen wir aus einer Welt, in der wir DevOps genutzt haben, um Anwendungen einfach schneller in eine Welt zu deployen, in der heutzutage jeder – egal ob Entwickler oder Operator – eine ganze Menge über die Feinheiten von Clustern, Containern, Netzwerken, mehrstufigen Deployment-Strategien, Sicherheit und Cloud-Architekturen von Anwendungen wissen muss. Wir arbeiten zwar daran, die Dinge etwas leichter und weniger sichtbar zu machen, aber ich habe die Befürchtung, dass wir ein hohes Maß an Komplexität irreversibel zum neuen Standard gemacht haben.

JAXenter: Vielen Dank für diese spannenden Einsichten!

Im zweiten Teil geht es um die Rollenverteilung von Entwicklern und Operators sowie die Tools, die DevOps – zu gleichen Teilen wie der kulturelle Aspekt – eigentlich erst möglich machen.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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