Eröffnung der DevOpsCon 2017

Quo vadis DevOps: „Was bedeutet dieses DevOps-Ding eigentlich, von dem alle reden?“

Hartmut Schlosser

DevOps – ein Kofferwort mischt derzeit die IT auf wie kein anderes. So einfach es ist, den schlichten Wortsinn nachzuvollziehen: das verbesserte Zusammenwirken von Software-Entwicklung (Development) und Software-Betrieb (Operations), so schwierig ist es doch zu erfassen, was die DevOps-Bewegung im Kern eigentlich ausmacht. Auf der DevOpsCon 2017 begeben wir uns auf Spurensuche.

Was ist dieses „DevOps-Ding“?

Hand aufs Herz: Wissen Sie, was DevOps wirklich ist?

  • Entwickler und Admins in cross-funktionalen Teams zusammenführen?
  • Automatisierte Continuous Delivery Pipelines aufbauen, um Software schneller auszuliefern?
  • Cloud-basierte Architekturen entwerfen, die statt aus großen, schwer beherrschbaren Codebasen aus überschaubaren, miteinander kommunizierenden (Micro-)Services bestehen?
  • Und das ganze gepaart mit einer Unternehmenskultur, die den Mitarbeiter fördert und Hürden aus dem Weg räumt, anstatt sie aufzustellen?

Ja, sicher. Das alles hat mit DevOps zu tun. Das alles schwingt mit, wenn Leute wie Simon Wardley, Henk Kolk, Mike McGarr oder J. Paul Reed auf der DevOpsCon 2017 über das „DevOps-Ding“ reden. Doch Eines betonen die Experten ebenfalls immer wieder: Ein Patent-Rezept für DevOps gibt es nicht. Im Grunde geht es nämlich um etwas völlig anderes, und zwar um die Frage:

Wie gehe ich mit Veränderung um?

Sebastian Meyen eröffnet die DevOpsCon 2017

DevOps: Change beats everything

„Change beats everything“, so formulierte es Sebastian Meyen, Program Chair der DevOpsCon 2017, in seiner Eröffnungsrede vor gut 800 Konferenz-Teilnehmern. Denn die alte Doktrin, je größer ein Unternehmen, desto erfolgreicher, gilt längst nicht mehr. Die Formel „Big beats small“ wurde spätestens seit dem Aufkommen der Startup-Szene widerlegt und durch „Brain beats Capital“ ersetzt. Oder „Speed beats Slowness“ – besser schnell mit einem „Minimal viable product“ auf dem Markt sein, als monatelang hinter verschlossenen Türen an der „allumfassenden Komplettlösung“ zu tüfteln – knallhart am Kunden vorbei!

Hier stehen wir. Das haben wir gelernt. Die Konklusion daraus: Change beats everything: Wer in seinem Unternehmen die Voraussetzungen schafft, schnell auf veränderte Marktsituationen, schnell auf neue Kunden-Wünsche eingehen zu können, hat den entscheidenden Wettbewerbsvorteil, um sich in einem immer volatiler werdenden Markt behaupten zu können.

Das meint also DevOps:

Nutze Tools und Technologien so, reorganisiere deine IT so, stelle dein gesamtes Unternehmen so ein, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Deshalb die Cloud, deshalb Continuous Delivery, deshalb Microservices, deshalb Container, deshalb crossfunktionale Teams, deshalb agile Unternehmenskultur.

Die Zukunft von DevOps

Auch IT-Stratege Simon Wardley (Leading Edge Forum) blickte in seiner Keynote „Crossing the River by feeling the Stones“ hinter den Hype um DevOps. Denn so undurchsichtig die Zukunft der IT ist – eines ist doch klar: Unsere Kinder werden „DevOps“ als „Legacy“ begreifen. Sie werden andere Worte benutzen, sie werden neue Akzente setzen, sie werden auch DevOps selbst verändern. Und das ist gut so. Doch was wird bleiben?

DevOpsCon Keynote von Simon Wardley: Crossing the River by feeling the Stones

Simons Antwort: Nur wer hinter die Doktrinen schaut, die sich momentan auch um den „DevOps-Hype“ bilden, nur wer sich die Fähigkeit aneignet, den jeweiligen Kontext zu verstehen, in dem man sich gerade befindet – die eigene Unternehmensposition, den Wettbewerb, die technologische Entwicklung, den Grund für Erfolg bzw. Misserfolg –, setzt sich in die Lage, angemessen auf Veränderungen zu reagieren und die richtigen Entscheidungen für sein Unternehmen zu treffen.

Man muss die Steine beim Überqueren des Flusses spüren. Diesen Ausspruch von Deng Xiaoping spann Wardley filigran weiter und ergänzte ihn um die fünf Faktoren der Kriegsführung von Sun Tzu:

  • Purpose – Inspiriere andere und etabliere eine gemeinsame Vision: Ideen, Ziele und Erwartungen.
  • Landscape – Lerne deine Lage richtig einzuschätzen: die Unternehmenssituation, Chancen, Risiken.
  • Climate – Registriere Veränderungen der Umgebung: Markt, Wettbewerb, technologische Entwicklung.
  • Doctrine – Identifiziere Konstanten, die zum Unternehmenserfolg beitragen: Fokus auf Kundenbedürfnisse, kleine Teams, Experimentalkultur, etc.
  • Leadership – Handle auf der Basis dieser Erkenntnisse und führe das Unternehmen durch die Veränderungen der Zeit.

Diese fünf Faktoren bilden laut Wardley einen Zyklus, der immer wieder durchlaufen werden sollte – einen Kreis der konstanten Reevaluierung, Entscheidungsfindung und Innovation. Unternehmensstrategie wird so zu einem hochgradig kontextspezifischen Spiel im Sinne der Game Theory, das einen ermächtigt, kompetent auf Veränderungen zu reagieren.

DevOps Legacy

Und die Zukunft von DevOps? Nun, so verstanden ist DevOps ein Hilfskonstrukt, das momentan einen Nerv zu treffen scheint: Den Nerv nämlich, dass sich Unternehmen auf Veränderungen einstellen müssen. Eine Reaktion auf den Druck, der von Startups ausgeht, die die neuen Technologie-Möglichkeiten zu nutzen wissen. Eine Antwort auf die Erkenntnis, dass traditionelle, hierarchisch geführte Unternehmen agileren Organisationsstrukturen unterlegen sind.

Change beats everything.

DevOps – ob wir dieses Hilfskonstrukt in einigen Jahren noch so nennen werden? Ob wir es überhaupt noch brauchen? Wir werden sehen. Stellen wir uns lieber auch hier auf Veränderung ein. Oder wie Simon Wardley es in seiner Keynote ausdrückte: „What my mum and dad did = Legacy“

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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