Schön' juten Tach in Berlin, DevOps Conference 2019

DevOps Conference 2019 eröffnet: „Empathie ist die Essenz von DevOps“

Dominik Mohilo

DevOps und die Digitale Transformation sind schon lang keine neuen Begriffe mehr, doch es gibt leider immer noch sehr viele, die deren Bedeutung nicht so ganz verstanden haben. Der Beantwortung nach der Frage, was DevOps eigentlich ist und welchen Prinzipien wir dahingehend folgen sollten, ging Jeff Sussna, einer der renommiertesten DevOps-Experten unserer Zeit, in seiner Keynote auf der diesjährigen DevOps Conference in Berlin auf den Grund.

Digitale Transformation ist das Paradebeispiel eines „innovativen“ Gedankens, über den gern geredet wird, von dem aber diejenigen, die am lautesten darüber sprechen, keine wirkliche Ahnung haben. Besonders Politiker aller Couleur haben sich in Deutschland die Digitale Transformation auf ihre Fahnen geschrieben. Dabei erwartet jeder, dass es einen klaren und definierten Weg gibt, der sie zum gelobten Land führt. Das ist schlicht und ergreifend eine Fehlannahme.

Streng genommen ist die Digitale Transformation – das steckt schon im Wort „Transformation“ – selbst der Weg. Und dieser kann auf viele Arten beschritten werden. Statt eine klare Karte gibt es lediglich Anhaltspunkte, die man anpeilen kann. Einer dieser Anhaltspunkte ist, immer offen für Veränderungen zu sein. Außerdem sollte der Nutzer im Zentrum stehen, nicht so sehr diejenigen, die die Software erstellen oder zur Verfügung stellen.

„Innovation, ja, aber mit Sinn und Verstand“

Sebastian Meyen lieferte in seiner Begrüßung auf der DevOps Conference 2019 ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation nicht funktioniert: Er berichtete, dass die Bundesregierung eine CO-2-Steuer abgelehnt und stattdessen verkündet habe, zukünftig auf „Innovationen wie Flugtaxis“ zu setzen.

Innovation, so Meyen, funktioniere aber nicht mit Lufschlössern, sondern sei wirklich harte Arbeit, die Schritt für Schritt umgesetzt werden müsse. Innovation sei der konstante Wille, über Dinge dezidiert nachzudenken und sie zu verbessern. Für Innovation, wie für die Digitale Transformation auch, gibt es keinen klaren und eindeutigen Pfad zum Erfolg.

Einen besonderen Stellenwert in Bezug auf die Digitale Transformation in Unternehmen der Tech-Industrie nimmt DevOps ein. Doch auch DevOps bedeutet nicht, einfach neue und interessante Technologien einzusetzen. Man muss immer im Blick haben, welche Optionen und Möglichkeiten diese neuen Technologien mit sich bringen und vor allem welchen Mehrwert sie evozieren.

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„DevOps vervollständigt Agile, ist aber nicht Release Management 2.0“

Agile und die Idee, die hinter agiler Softwareentwicklung sind ganz klare Kernbereiche des DevOps-Universums, genau wie die Automatisierung. Doch dabei sollten wir nie aus dem Auge verlieren, dass Geschwindigkeit auf Kosten von Sicherheit und Stabilität, niemals sinnvoll sein kann. Außerdem sollten wir wissen, was genau wir eigentlich erreichen wollen, bevor wir damit beginnen, Dinge wie Prozesse, Teamstrukturen und Toolings zu verändern. Zusammengefasst geht es also darum: „How do we move fast without breaking things?“

Dafür sollten wir uns, so Jeff Sussna in seiner Keynote auf der DevOpsCon, eine Slalomfahrerin wie Lindsey Vonn als Vorbild nehmen: Beim Slalomfahren macht jede Abweichung vom Kurs die Fahrerin langsamer, es geht also auch dort darum, wie man möglichst verlustfrei den Kurs ändern kann. Agile bedeutet also nicht einfach nur, Dinge schneller zu machen, sondern möglichst effektiv Veränderungen einführen zu können.

Die wirklich wichtigste Eigenschaft von DevOps ist Continuous Learning, wie Jeff Sussna betonte. Es gehe beim DevOps-Gedanken auch darum, kontinuierlich Feedback zu bekommen und den Entwicklungsprozess möglichst reibungslos zu gestalten, doch ein fortwährendes Lernen sei von immenser Wichtigkeit.

Die Sache mit den Silos

Lange Zeit wurde DevOps vor allem als das Werkzeug betrachtet, mit dem Silos aufgebrochen werden. Doch wie Jeff Sussna eindringlich erklärt bringt es gar nichts, Silos einfach ohne guten Plan aufzubrechen, denn sonst steht man am Ende zwar mit kleineren Silos da, hat aber eben immer noch Silos. Er stellte sogar in Frage, ob man Silos überhaupt aufbrechen kann, denn man wird immer vor der Herausforderung stehen, dass unterschiedliche Abteilungen innerhalb eines Unternehmen miteinander kommunizieren müssen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es für Jeff Sussna eher darum geht, sich gegenseitig zu helfen und dadurch bessere Produkte zu liefern. Dafür notwendig ist es, die Perspektive des Nutzers oder Kunden zu kennen und sich nicht einfach nur darauf zu verlassen, was einem selbst als das Richtige oder Beste erscheint – Empathie ist, so Sussna, die Essenz von DevOps.

Promise-driven Development

Ein Ansatz, der laut Jeff Sussna gut zum DevOps-Gedanken passen würde, ist das von ihm so genannte Promise-driven Development. Promise-driven Design basiert auf drei grundsätzlichen Fragen: Welche Versprechen machen wir? Wie gut sind wir darin, sie zu halten? Sind es die richtigen Versprechen?

Es geht dabei darum, dass man keinen Vertrag eingeht, der eingehalten werden muss, sondern eben Versprechen abgibt, deren Einhaltung man zur Direktive macht. Der Illusion, man könne immer alle Ziele erreichen, die man abmacht, solle man sich gar nicht erst hingeben, sagt Sussna und vergleicht das Ganze mit Eltern, denen der jugendliche Sprößling verspricht, ihr oder sein Zimmer aufzuräumen: Auch dies wird in mindestens 50 Prozent der Fälle scheitern.

Die Quintessenz daraus ist, Mut zum scheitern zu haben. Scheitern ist kein Problem und kommt vor, es ist unvermeidlich. Wichtig ist nur, dass man nicht sinnlos scheitert, sondern die richtigen Lehren daraus zieht. So kann man die richtigen Knöpfe drücken und an den richtigen Rädchen drehen, um es beim nächsten Versuch besser zu machen.

War DevOps nur eine Fata Morgana?

Für Jeff Sussna haben wir in den letzten Jahren ein wenig aus den Augen verloren, dass die IT schon immer ein „Service-Business“ war, wo Dienstleistungen erbracht werden. Wir brauchten DevOps, um uns daran zu erinnern, dass es nicht nur darum geht, Deadlines einzuhalten oder Tickets zu schliepen. Die Verbindungen innerhalb der Unternehmens sind über die Zeit verloren gegangen, DevOps hilft uns dabei, diese Verbindungen wiederzubeleben.

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass DevOps die Maximierung von Entwickler-Flow und Feedback maximieren kann und es dabei hilft, einen Services zu liefern, nicht nur Software. Wir müssen die Bedürfnisse der Nutzer und Kunden besser bedienen und nicht nur mehr Dinge erledigen – darauf kommt es an.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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