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Interview mit Erkan Yanar

DevOps bedeutet, Verantwortung abzugeben und Verantwortung zu übernehmen

Hartmut Schlosser

Erkan Yanar

DevOps ist momentan eines der Trendwörter schlechthin. Doch was versteckt sich tatsächlich hinter dem Begriff? DevOpsCon-Speaker Erkan Yanar leistet im JAXenter-Interview ein wenig Definitionsarbeit und erklärt, warum die Zeit der großen Ideen womöglich schon vorbei ist.

JAXenter: Wenn man einmal den Hype um DevOps abzieht – was ist die Quintessenz der Bewegung? Was ist für dich das wirklich Spannende daran?

Erkan Yanar: Ja, das ist ein schreckliches Wort, hinter dem sich arg viel versteckt, und noch scheint der Kampf um die Deutungshoheit nicht abgeschlossen. Neue Begriffe begleiten Änderungen im Hergebrachten. Die Gundidee, die Trennung zwischen Teams/Abteilungen aufzuheben und neue schnellere (bessere?) Deploymentmethoden zu finden, klingt hier sehr verlockend. Diese neue Kultur steht nun mal diametral der alten Kultur der Trennung und Abgrenzung gegenüber. Das Zusammenwerfen dieser
Gruppen nivelliert aber noch nicht die Differenzen. Der Unterschied von denen, die ein System stabil (Ops) halten wollen und jenen, die ihre Änderungen schnell (Devs) in Produktion haben wollen.

Ich mag es, diese Unterschiede zu identifizieren und überwinden zu helfen. Den Leuten klar zu machen, dass dies auch bedeutet, eine neue Fehlerkultur, Form der Verantwortung und Wahrnehmung einzuführen.

Genau genommen haben wir Operationsleute ja auch schon große Veränderungen hinter uns – z.B. der Tod von Scale-Up. Mit dem Scale-Out kam auch der Tod des  sakrosankten Rechners, der individuell gepflegt werden muss. Wir kamen in das Zeitalter der Massenrechnerhaltung 🙂 Damit haben wir viele unserer Tasks auch schon automatisiert.

Das ist ein Wissen, das wir mit den Devs teilen können. Ein Schwenker aus einem Projekt, in dem ich Devs auf das Deployknöpchen drücken lasse. Das ist weniger gönnerhaft zu verstehen, ist es doch eine große Überwindung für beide Seiten: Verantwortung abzugeben und Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist DevOps dialektisch zu verstehen und wir müssen noch schauen, was die Synthese werden wird.

JAXenter: Du sprichst auf der DevOpsCon über etcd. Kannst du den Lesern, die vielleicht noch nicht mit CoreOS und Kubernetes vertraut sind, etcd kurz vorstellen?

Erkan Yanar: Ich spreche nicht nur über etcd. Ich werde ein Cluster mit etcd, confd und skydns live aufbauen 🙂 Etcd ist vereinfacht gesagt ein verteilter Key-Value Store mit HA-Funktionalität. So gesehen nichts Besonderes. Interessant wird dies in der Kombination mit anderen Tools. Das Setup, welches ich vorstelle (mit confd und skydns), ähnelt in der Funktionalität der von Consul. Wie du schon treffend erwähnt hast, wird etcd auch in CoreOS und Kubernetes verwendet. Aber auch Docker Swarm kann mit etcd betrieben werden.

Damit ist der HandsOn etcd ein Multiplikator für viele komplexere Projekte. Das KnowHow befähigt den Zuhörer, einfacher in das Cluster/Orchestrierungsthema einzutauchen.

DevOps Docker Camp
Erkan Yanar

Teilnehmer lernen die Konzepte von Docker und die darauf aufbauenden Infrastrukturen umfassend kennen. Schritt für Schritt bauen sie eine eigene Infrastruktur für und mit Docker auf.

JAXenter: Du kommst ja eher aus der Ops-Ecke. Weshalb ist etcd auch für Devs interessant?

Erkan Yanar: Das sollten die Devs selbst entscheiden 🙂 Ich könnte mir vorstellen, dass Devs es zu schätzen wissen, dass ihre Applikationen eine Möglichkeit haben, in einem Cluster immer miteinander zu kommunizieren, ohne konkret wissen zu müssen, wo sie oder ihre Partner sind.

JAXenter: Worum geht es dir in deiner Session? Welche Kernbotschaft möchtest du vermitteln?

Erkan Yanar: Empowerment! Ich will zeigen, wie ein Cluster (live) aufgebaut wird. Wobei confd genutzt wird, um z.B. neu startende Container beim Loadbalancer zu registrieren. Container, die gestoppt werden, werden genauso aus dem Loadbalancer entfernt. Wie bei confd schreiben sich Container auf bei Skydns in etcd rein. Nur dass daraus DNS-Einträge generiert werden.

Wer das gesehen hat, kann schon damit eigene kleine Setups aufbauen. Aber auch die Funktionsweise von Kubernetes, CoreOS oder Docker Swarm wird klarer.

JAXenter: Was hältst du vom Open Container Project und der auf der DockerCon vorgestellten runC?

Erkan Yanar: Das ist der richtige Weg. Das Konzept von Docker, einen Daemon zu haben, welcher die Container verwaltet und bei seinem Tod mitreißt, ist aus Ops-Sicht schrecklich. Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht so ein Kuddelmuddel wird wie bei OpenStack.

JAXenter: Welche Trends siehst du derzeit im DevOps-Bereich? Kannst du vielleicht 1,2 Technologien/Methoden/Ideen nennen, von denen du dir viel versprichst?

Erkan Yanar: Ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob die Zeit der Ideen vielleicht schon wieder vorbei ist. Mit dem oben angesprochenem runC haben wir eine
Konsolidierung eingeleitet. Denn der ganze Zoo muss ja auch mal produktiv betrieben werden können 😉

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Erkan Yanar beschäftigt sich seit dem letzten Jahrtausend mit Linux. Er ist freiberuflicher Consultant mit dem Schwerpunkten MySQL, Containervirtualisierung und OpenStack. Erkan Yanar veröffentlicht in Fachzeitschriften (z.B. iX) und hält Vorträge auf Konferenzen.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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