Leichter gesagt als getan

Leichter gesagt, als getan: 6 Fehler bei der Einführung von DevOps

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/ file404

Obwohl seine Umsetzung keinem klaren Schema folgt, gehört der Begriff DevOps zu den großen Trends, denen viele Technologieunternehmen folgen möchten. Aber wie? Die Ansage „Wir machen jetzt DevOps“ reicht wohl kaum aus. Im Folgenden werden gängige Fehler und potentielle Lösungen präsentiert.

Im Rahmen seiner Session auf der diesjährigen DevOps Con interviewte JAXenter den freiberuflichen Consultant Erkan Yanar zum Thema DevOps. Er kommentierte die Bedeutung von DevOps folgendermaßen:

Ja, das [DevOps] ist ein schreckliches Wort, hinter dem sich arg viel versteckt, und noch scheint der Kampf um die Deutungshoheit nicht abgeschlossen.

Tatsächlich ist es schwer, universelle Tipps zu geben. Vieles scheint leichter gesagt, als getan. Das meint auch Necco Ceresani in einem aktuellen Blogpost: Er hat sechs gängige Fehler bei der Implementierung von DevOps zusammengestellt, die wir im Folgenden diskutieren möchten:

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Fehler 1: Unausgeglichene (Macht-)Verhältnisse

DevOps impliziert die Zusammenlegung von verschiedenen Teams, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, so sollten alle Team-Mitglieder am gleichen Strang ziehen sowie ihre Anliegen als gleichwertig anerkannt werden, so Ceresani. Dieser Umgang „auf Augenhöhe“, so Ceresani weiter,  bilde eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von DevOps – eine Missachtung desselben verbietet sich für ihn deshalb.

Fehler 2: Kein Plan!

Jeder, der etwas länger in einer Firma tätig ist, weiß, wie schwer es ist, festgefahrene Strukturen zu ändern: Neuerungen umzusetzen ist meist deutlich leichter gesagt als getan! Genau davor warnt Necco Ceresani: Die Umstellung auf DevOps sollte keinesfalls dem Motto „Learning-by-Doing“ folgen, sondern wohl durchdacht und geplant ablaufen. Er rät, viel Zeit in die Planung zu investieren und alle Vorgänge zu dokumentieren, die bei der Umstellung helfen könnten. Am Ende sollte dabei ein Plan stehen, mit dessen Hilfe sich die Umsetzung der DevOps-Philosophie als realistisches Ziel präsentiert.

Fehler 3: Unklarer Ablauf

Jeder „Dev“ und jeder „Ops“ ist ein Spezialist in seinem Gebiet. Welche Prozesse aber dazugehören, um eine Software insgesamt zum Erfolg zu bringen, erfährt man im Grunde nur, wenn man einen Blick über den eigenen Tellerrand wirft. Und so rät Ceresani zu einer „Beispieldemonstration“: Wie soll beispielsweise eine App-Entwicklung von A bis Z ablaufen? Diese Vorstellung eines optimalen Ablaufs zeigt den Mitgliedern des Teams nicht nur auf, welche Nuancen zu dem Prozess dazugehören, sondern auch, wessen Expertise wann benötigt wird und wie diese Zusammenspielen können. Erst wenn das klar ist, jedes DevOps-Mitglied also eine Vorstellung von dem (erhofften) Ablauf hat, so Ceresani, können sich die erforderlichen Synergien bilden.

Fehler 4: Halbe Sachen machen

Grundlegende DevOps-Methoden lassen sich recht schnell in den Workflow einbauen. Von solchen „halben Sachen“ rät Necco Ceresani allerdings ab: Auch wenn es einen deutlichen Mehraufwand bedeute, DevOps-Methoden in ihrem vollen Umfang einzuführen, so zahle sich dieser Aufwand letztendlich aus. Halbherzige Aktionen würden hingegen nur dazu führen, dass das Projekt irgendwann während seiner Entstehung scheitert, so Ceresani.

Fehler 5: Ein neues Team bilden, anstatt alte Teams zusammenzulegen

Anstatt alte Teams zusammenzuführen, scheint die Bildung eines neuen DevOps-Teams für manchen vielleicht reizvoll. Doch Vorsicht! Existierende Teams aus den Bereichen Dev, Ops und Qualitätssicherung zu übergehen, birgt Konfliktpotential. Am Ende, so Ceresani, drohen Missgunst und ein deplaziertes Konkurrenzdenken zwischen den „alten“ Teams und dem neuen DevOps-Team.

Fehler 6: Mangelnde Weitsicht

Begeht man die oben genannten Fehler, so könnte das unmittelbar zwar noch keine allzu starken Effekte zeigen. Auf lange Sicht zahlt es sich allerdings aus, nicht nur die methodische Herangehensweise an DevOps zu planen und vorzubereiten, sondern eben auch die Bedürfnisse der Menschen, die das DevOps-Team bilden, zu berücksichtigen. Dann könnte die Implementierung von DevOps auch auf lange Sicht zu wenigen Komplikationen – und später zum Erfolg – führen, so Ceresani.

Fazit

Wie auch schon Erkan Yanar in seinem Interview feststellt, ist die Philosophie, die hinter DevOps steckt, für viele noch nicht ganz greifbar. Aber auch wenn man nicht genau sagen kann, wie man diese umsetzt, so spiegeln die Fehler, die Nicco Ceresani listet, das Zusammenspiel zweier wichtiger Komponenten wider: Auf der einen Seite steht das Methodische, dessen Umsetzung gut planbar scheint. Auf der anderen Seite steht der Mensch. „Der Mensch ist bei DevOps keine austauschbare Ressource mehr“ konstatierte Peter Roßbach im Rahmen eines kürzlich veröffentlichten Videointerviews auf JAXenter. Und hier liegt möglicherweise auch eine der größten Herausforderungen: Ging es jahrelang um Kosteneffizienz und Co., so steht jetzt etwas viel komplexeres im Fokus: der Mensch.

Aufmacherbild: A businessman who made a mistake. von Shutterstock /Urheberrecht: file404

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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