JAX Blog: Tag 2

"Developers to the front line!"

Marc Teufel

Schon mal Kick-Ass-Development ausprobiert? Mit dieser Frage begann Sven Peters seinen erfrischenden und erheiternden Vortrag „So funktioniert Kick-Ass Software Development“ und stellte natürlich auch gleich zu Beginn klar, wozu Kick-Ass Development führen kann: Nämlich zu besserer Software, kürzeren Entwicklungszyklen, zufriedenen Kunden – aber vor allem führt es zu glücklicheren Entwicklern.

Nein, für Kick-Ass Development gibt es kein Manifest oder so etwas, dahinter verbergen sich nichts anderes als frische Ideen und die Art und Weise, wie bei Atlassian – Hersteller bekannter Tools wie JIRA und Confluence – entwickelt wird.

Haben Sie schon mal den Begriff „Legacy Team“ gehört? Das sind Teams, die für jeden Schritt im Entwicklungsprozess Regeln und Prozesse brauchen. Das sind die, die quasi per Definition wenig bis keine Innovation zulassen können, weil ja ein etablierter, in Stein gemeißelter Entwicklungsprozess besteht. Und an diesem darf weder gerüttelt noch geschüttelt werden, wurde er doch erst vor fünf Jahren genauso definiert…

Sven Peters (Atlassian): „So funktioniert Kick-Ass-Softwareentwicklung“

Die Atlassianer gehen hier ganz bewusst einen anderen Weg. Das Team ist nicht legacy sondern experimentiert und probiert immer wieder auch mal ungewöhnliche Methoden aus. Da werden Oberflächen zum Beispiel mittels Paper Prototyping entworfen und „getestet“ – eine Methode, die ganz ohne Rechner auskommt. Man malt die einzelnen Oberflächenkomponenten auf Papier, setzt das UI sozusagen aus Schnipseln zusammen und spielt und verändert dieses Oberflächen-Puzzle solange, bis das finale Layout steht. Erst wenn ein solches Paper Prototyping erfolgreich durchlaufen wurde, startet die eigentliche Entwicklung.

Auch im Umgang mit Kunden-Feedback geht Atlassian im Rahmen seines Kick-Ass-Bestrebens anders vor als andere es tun. Sven Peters berichtet, dass bei Google den Entwicklern Kunden-Feedback nur gefiltert serviert wird. Dieser sogenannte „Shit Umbrella“ (ja, diese Begrifflichkeit scheint da wirklich zu kursieren) schützt die Entwickler. Anders bei Atlassian. Die sehen sich nämlich als Soldaten, und jeder muss an „die Front“. Entwickler müssen also immer wieder auch mal in den (First Level) Support und treten dort in direkten Kundenkontakt. Das zeigt dem Kunden, dass ihr Feedback auch direkt beim Entwickler ankommt und stärkt den Zusammenhalt im Team selbst. Vor allem aber verleiht der Einblick in den Support dem Entwickler ein viel klareres Bild, wo es tatsächlich drückt in der Software. Natürlich sind nicht alle Entwickler gleichzeitig im Support – dann würde ja niemand mehr entwickeln – vielmehr wird in regelmäßigen Abständen gewechselt. Eine sehr interessante Idee, oder um es mit den Worten von Sven Peters auszudrücken: „Ass-Kicking!“

Gleiches gilt auch für’s Testen. Nicht nur die Tester selbst prüfen neue Features, sondern vor allem auch die Entwickler. Das Testen kann dabei in unterschiedlicher Form erfolgen. Beim „Pair Testing“ etwa testen zwei Entwickler zusammen – andersherum gibt es sogenannte „Split Sessions“, wo zwei Entwickler die gleichen Tests unabhängig voneinander durchführen, um sich dann zusammenzusetzen und die Ergebnisse abzugleichen. Den Vogel schießen aber ganz sicher die „Blitz-Tests“ ab. Hier ist die gesamte Firma, also nicht nur Tester und Entwickler, aufgerufen, mitzumachen und neue Funktionen zu testen. Beim Kick-Ass Software Development ist somit nicht nur die Qualitätssicherung für die Sicherstellung der Qualität zuständig, sondern ein Jeder wird hier in die Pflicht genommen, für Qualität zu sorgen. Alle tragen Verantwortung.

Letztendlich hat diese Session gezeigt, dass, wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist, sich selbst einbringt und offen und flexibel auch ungewöhnliche Ideen umsetzt, dies ein spannendes Umfeld für Software-Entwicklung ist. Kick-Ass Software Development eben.

Marc Teufel arbeitet als Software-Architekt bei der hama GmbH & Co und ist dort für die Entwicklung großer Java-Anwendungen im Logistikzentrum zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Java und .NET, hat drei Bücher zu Web Services publiziert und spricht regelmäßig auf Fachkonferenzen.
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Marc Teufel
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