Developer Economics 2012: Chancen und Herausforderungen für Mobile-Entwickler

Hartmut Schlosser

Die Branchen-Umfrage „Developer Economics 2012“ behandelt in ihrer dritten Folge den Mobile-Markt und zeigt auf, auf welches Ökosystem Entwickler für mobile Endgeräte derzeit stoßen. 2012 wird dabei als das Jahr der Ökosystem-Konsolidierung identifiziert, in dem sich die Branche zunehmend auf die Hauptplattformen iOS und Android fokussiert.

Für die Umfrage wurden 1.500 Entwickler und Industrie-Experten aus 82 Ländern in einem Online-Verfahren sowie in persönlichen Interviews befragt. 76 Prozent der Teilnehmer gaben dabei an, für die Android-Plattform zu entwickeln, 66 Prozent für iOS. Andere Plattformen wie BlackBerry, BREW und Bada haben hingegen deutlich an Zuspruch verloren. Die Marktkonsolidierung lässt sich auch daran ablesen, dass Entwickler 2011 durchschnittlich noch 3.2 Plattformen bedienten, im Jahr 2012 nur noch 2.7.

Die Außenseiter: Windows Phone, Java ME, BlackBerry

Eine Ausnahme deutet sich indes bei Windows Phone an. Während die Umsätze mit 2.6 Millionen verkauften Geräten im ersten Quartal 2012 noch enttäuschten, scheinen sich Entwickler zunehmend für die Microsoft-Mobile-Plattform zu interessieren. 57 Prozent der befragten Entwickler gaben an, sich mit Windows Phone beschäftigen zu wollen. Windows Phone wird im Bericht als der „coole“ Neuling bezeichnet – eine Plattform, die in Entwicklerkreisen große Erwartungen wecke. Die Frage allerdings, wie sich dieses Interesse kommerziell nutzen lässt, stehe und falle mit der Vergrößerung der Reichweite.

Immer unbedeutender wird Java ME, das als Feature-Phone-Plattform der Smartphone-Konkurrenz nicht standhalten kann. Java Apps werden nur über einzelne Telco App Stores verkauft, die über sehr geringen Download Traffic verfügen. Spiele-Anbieter haben sich fast gänzlich aus diesem Markt zurückgezogen. Außerdem wird in dem Bericht kommentiert, dass Oracle nach der Übernahme von Sun auch wenig dafür getan habe, Java ME voranzubringen, und mehr damit beschäftigt gewesen sei, Schadensersatz von Google zu fordern.

Auch BlackBerry (RIM) sei auf dem besten Weg, eine vom Aussterben bedrohte Species zu werden. 41% der Entwickler haben BlackBerry den Rücken gekehrt, und 14% derjenigen planen abzuspringen, die RIM bisher als Primärplattform nutzten.

Dennoch sind BlackBerry-Entwickler aktuell die bestbezahlten. Monatliche 3.900 US-Dollar pro App springen für sie heraus, ein Spitzenwert. Es folgen iOS- und Android-Entwickler. iOS liegt vor Android, laut Bericht aufgrund demografischer Indikatoren (Apple User sind kaufkräftiger), hochwertigeren Contents (größere Anzahl von kostenpflichtigen Apps), Tabletverbreitung (Tablet-App-Preise liegen höher) und Zahlmodalitäten (400 Millionen Apple-Accounts mit einem 1-Klick-Bezahlmodus).

Interessanterweise sind die Entwicklungskosten pro App für die iOS-Plattform am höchsten. Mit 27.000 US-Dollar pro iOS-App sind diese um 21% teurer als Android-Apps und sogar 81% teurer als Blackberry-Apps. Die Kosten für die App-Entwicklung verteilt sich zu 25 Prozent auf das User Interface. 10 Prozent muss für den Unterhalt aufgewendet werden, weitere 10 Prozent fließt ins Marketing.

Mobile Web: Auf dem Weg vom Hype zur Realität

Wie auf der obigen Grafik zu sehen, steht das Mobile Web an dritter Stelle in der Entwicklergunst. 53% der Entwickler bauen mobile Webanwendungen. Dennoch liegt der Wert leicht unter dem des Vorjahres, worin die Studie ein Abflauen des Hypes sieht, die mit der Konfrontation mit den Schwierigkeiten des Mobile Web zusammenhängen könnte: HTML5-Fragmentierung, Performance-Limits und das Fehlen von Verteilungs- und Monetarisieungskanälen.

Die Studie geht davon aus, dass native Plattformen auch zukünftig in diesen drei Gebieten die Nase vorn haben wird. HTML5 APIs müssten sich damit begnügen, stets den nativen Plattformen hinterherzuhinken.

Tablets als Mainstream Devices

Smarphones und Tablets haben den Browser als Mainstream-Plattform für die Entwicklung und das Deployment mobiler Services abgelöst – das ist sicherlich eine der zentralen Ergebnisse der Umfrage. Die Verkaufszahlen von Smartphones lagen im ersten Quartal 2012 deutlich über denen von PCs und Laptops.

Für Entwickler werden Tablets immer relevanter. Bereits 51% der Befragten entwickelt für die Touchcomputer (gegenüber 34.5 Prozent im Vorjahr), bei iOS-Entwicklern liegt die Zahl sogar bei 74%.

Mobile Entwickler-Typen

Für Entwickler ist sicherlich die Analyse interessant, dass die Industrie das Potenzial des mobilen Sektors längst erkannt hat und Millionen dafür ausgibt, geeignete Entwickler anzuziehen. Dazu gehören nicht nur typische Mobile-Firmen, sondern Unternehmen jeder Art und Provenienz. Genauso divers wie die Unternehmenslandschaft ist auch die zur Verfügung stehende Entwicklerschaft. Die Studie identifiziert acht Entwicklertypen: Hobby-Entwickler, die Forscher, die Jäger, die Vertragselite, die Produkterweiterer, die Redakteure für Digitale Medien, die Goldsucher und die Corporate IT Developer. Jeder Typus verfügt über spezifische Motivationen, typische App-Formen und bevorzugte Plattformen. Welcher Entwicklertyp sind Sie?

Der Developer Economics Report 2012 wird von den Marktanalysten VisionMobile durchgeführt und von BlueVia gesponsort. Er enthält zahlreiche weitere Indikatoren zu Brachensegmentierung, App Marketing, Entwicklungskosten und lokale Verteilung des Marktes. Der Bericht kann kostenfrei unter http://www.visionmobile.com/product/developer-economics-2012/ bezogen werden.

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Hartmut Schlosser
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