Deutsche Börse startet zentralen Handelsplatz für Cloud-Computing-Ressourcen

Diana Kupfer

Ab 2014 wird die Deutsche Börse einen anbieterübergreifenden Handelsplatz für Cloud-Computing-Ressourcen anbieten. Das gaben Michael Osterloh und Maximilian Ahrens, Mitglieder der Geschäftsführung des neu gegründeten Joint Ventures Deutsche Börse Cloud Exchange (DBCE) AG, am heutigen Dienstag in einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt. Die Idee: IT-Kapazitäten sollen „wie Wertpapiere, Energie und Rohstoffe standardisiert und vollelektronisch gehandelt werden können“, so Osterloh.

Dieser zentrale Handelsplatz für Cloud-Ressourcen soll Angebot und Nachfrage im Bereich Cloud Computing enger zusammenführen: Anbieter erhalten dadurch die Möglichkeit, Speicher- und Rechenleistung einer Vielzahl an potentiellen Kunden zugänglich zu machen. Künftige Kunden können indes aus einem breiten Angebot an Infrastruktur-Providern die für sie passende Lösung auswählen. Zur Zielgruppe des DBCE zählen neben Unternehmen und dem öffentlichen Sektor auch Organisationen wie Forschungseinrichtungen.

Mit dieser Meta-Plattform, die bereits ab dem ersten Quartal 2014 verfügbar sein soll, verfolgt der DBCE AG das Ziel, aktuelle Marktbarrieren auf dem Cloud-Markt abzubauen. Die drei größten Hemmnisse aus Konsumentensicht sind laut einer IDC-Studie, die Osterloh auf der Pressekonferenz zitierte, der Gerichtsstand des Anbieters, Datenschutz und Datensicherheit und mangelndes Vertrauen. Der DBCE begreife sich als „neutrale Instanz“, so Osterloh. Durch finanzielle, rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen möchte das Joint Venture bessere Voraussetzungen zur Teilnahme am Cloud-Markt schaffen. Damit agiert der DBCE einerseits als Gatekeeper für den Konsumenten, andererseits als „Katalysator“ für den Cloud-Markt, wie Osterloh mehrfach betonte. Als weitere Vorteile nannten die Referenten einheitliche Zulassungskriterien, gemeinsame Sicherheitsstandards, Preistransparenz, Vergleichbarkeit der Services, einen standardisierten Zugriff auf die Ressourcen und Überwachung der Leistung. Der Fokus liegt zunächst auf dem Bereich Infrastructure as a Service (IaaS). Hier sehen Osterloh und Ahrens die größte Nachfrage bei klassischen Konsumenten, Cloud-Providern und Cloud-Brokern. Auf der Angebotsseite soll der DBCE nicht nur für große Cloud-Provider wie Amazon, sondern auch für Hosting-Services und IT-Service-Provider wie T-Systems attraktiv gemacht werden.

Im Vertrag, der laut Osterloh nach wie vor direkt zwischen Endnutzer und Anbieter geschlossen wird, werden neben einer Asset-Klasse (Speicherklasse/Rechenkapazität) die Vertragsdauer, der Ort der Rechenzentren sowie die Service Level Agreements definiert. Der Ort soll anfangs nur grob (EU/USA), zu einem späteren Zeitpunkt dann feingranularer definiert werden können (z. B. Frankfurt/London).

Maximilian Ahrens, Michael Osterloh

Die Initialzündung zu dem Projekt erfolgte im Oktober 2012. Bis Ende des Jahres werden im Rahmen eines Early-Adopter-Programms verschiedene Use Cases erprobt. Ahrens gab sich angesichts der Ergebnisse aus dieser Testphase zuversichtlich. Als Vertriebskanal sei der DBCE „für Provider äußerst interessant“, so der Referent.

Abgewickelt wird der Handel mit Cloud-Ressourcen über eine IaaS-Management-Software-Suite des Unternehmens Zimory. Dieses versteht sich seit seiner Gründung 2008 als Mittler zwischen Cloud-Anbietern und Rechenzentren in aller Welt. Dass die Verwaltungssoftware, der Dreh- und Angelpunkt des unabhängig agierenden DBCE, von einem Unternehmen im Alleingang entwickelt wird, tue der Anbieterneutralität keinen Abbruch, so Ahrens, einer der Gründer von Zimory, gegenüber JAXenter. Es handle sich schließlich nur um eine „dünne Schicht“ an Software, die zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für die Unternehmens-IT der verschiedenen Provider biete.

Obwohl der DBCE seinen Markt international ausbauen möchte, wird der Standort Deutschland im Zentrum stehen. Der Derivate-Markt soll 2015 starten.

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Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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