Des Teufels Geldbörse rettet Java

Hartmut Schlosser

Nur die Dollars des „Großen Satans Proprietäre Software“ halten Open Source am Leben. Was soll also das Geschrei gegen Oracle, Microsoft, Apple & Co?

Diese Frage stellt sich nicht ein Steve Ballmer, Larry Ellison oder Steve Jobs, sondern Matt Asay, seines Zeichens Board Member der Open Source Initiative (OSi), in seinem Beitrag: „Devil’s dollars drive open source. Irony, thy name is ‚proprietary‘.

Hat Open-Source-Enthusiast Asay plötzlich die Fronten gewechselt und ist ins Lager der proprietären Großverdiener übergelaufen? Seine Argumentation kurz nachgezeichnet:

The Great Satan of proprietary software

Asay stellt zunächst fest, dass der Großteil von Open-Source-Software nicht von typischen Open-Source-Unternehmen wie Red Hat geschrieben wird. Alle großen Open-Source-Bewegungen wie Linux, Apache, MySQL, Eclipse und auch Java haben ihren Erfolg der Zahlungskraft proprietärer Großunternehmen wie Oracle, IBM, Intel, Google etc. zu verdanken.

Google contributes more open-source software than Red Hat, for example, most recently open sourcing an Apache server module for improving website performance. And as the software world moves to the web, Facebook, Yahoo!, Twitter, and even Microsoft (gasp!) will outpace their open-source peers in terms of open-source software contributions. Matt Asay

Immer mehr bestätige sich die Gleichung: Je weniger Software für den direkten Umsatz eines Unternehmens verantwortlich ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese unter einer Open-Source-Lizenz bereitgestellt wird. Und dies sei vornehmlich bei Unternehmen der Fall, die sich niemals als „Open Source Company“ bezeichnen würden.

Doch findet sich ein Großteil der Open-Source-Projekte nicht in Foundations wie Apache oder Eclipse wieder? Ja genau, kontert Asay, bei Foundations, die fast vollständig von Anbietern proprietärer Technologien finanziert werden.

Why? Because they can afford to contribute cash and developers to open-source projects that (wait for it) serve as free complements to their paid, proprietary offerings. The core development of every major open-source project I’m familiar with is done largely by developers employed by companies whose business is selling proprietary software, hardware, or services. Matt Asay

Was bedeutet das nun für Java?

Tritt man einen Schritt zurück, erkennt man, dass das, was mit Sun passiert ist, bei weitem kein Einzelfall ist. Immer häufiger sei zu beobachten, dass ein mit idealistischen Werten freier Software-Entwicklung angetretenes Start-Up angesichts schwindenden Einkommens die Segel streichen müsse oder von einem Großunternehmen geschluckt werde.

So where will all those venture-backed open-source companies go to appease investors? They’ll run into the arms of proprietary software companies, who stand ready to acquire them. Who else can afford them? Matt Asay

Deshalb könne sich Oracle auch als rettender Anker für Sun/MySQL erweisen – trotz des großen Mistrauens, das Big Red seitens der Community entgegengebracht werde.

Oracle, for all the weeping and wailing and gnashing of teeth it inspires, may prove Sun/MySQL’s best friend, in large part because Oracle chief executive Larry Ellison has been churning out proprietary profits for decades, profits that are now funding significant investments in core open-source technology. Matt Asay

Also Leute, schreit schön weiter gegen die proprietäre Software-Maschinerie an – vielleicht lässt sich der ein oder andere Riese ja dazu herab, sich einige der Community-Wünsche zumindest anzuhören. Vergesst dabei aber nicht die Tatsache, dass eure geliebte Technologie ohne diese IT-Riesen gar nicht mehr überlebensfähig wäre.

By all means, we in the open-source world should continue to rage against the proprietary software machine. But it’s also worth remembering who ultimately pays to make Linux, Apache, MySQL and the rest hum. The Great Satan of proprietary software. Get used to it.Matt Asay

Oracles Versagen

Offensichtlich möchte Asay in seinem Beitrag bewusst provozieren und darauf aufmerksam machen, dass Java unter Sun in den letzten Jahren nicht unbedingt große Schritte nach vorne gemacht hat.

Dennoch stellt sich die Frage, ob Asay nicht über die Stränge schlägt, wenn er alle proprietären Software-Anbieter über einen Kamm schert. Schließlich haben sich Großkonzerne wie Google und IBM in Sachen Community-Building durchaus verdient gemacht – und nicht das proprietäre Geschäft wird Oracle derzeit vorgeworfen, sondern ein Versagen in genau den von anderen Unternehmen wohl beherrschten Bereichen des Community-Einbezugs und der offenen Kommunikation über die Weiterentwicklung eines Projektes.

Es ist eben doch nicht nur die Geldbörse, die zählt.

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Hartmut Schlosser
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