Technologien sind nicht alles

Der wahre Grund für den Erfolg von Microservices

Michael Thomas

© Shutterstock.com/madpixblue

Über das Für und Wider von Microservices wird nach wie vor lebhaft diskutiert. Während manche dem neuen Architekturstil eher zurückhaltend und abwartend gegenüberstehen, werfen sich ihm andere mit offenen Armen entgegen. Vor allem für letztere hat Christian Posta, Middleware-Spezialist und Architekt bei Red Hat, aktuell einen Tipp parat: Demnach geht es bei der erfolgreichen Arbeit mit Microservices in erster Linie nicht um bestimmte Technologien wie Docker, Kubernetes oder SpringBoot.

Vielmehr, so Posta, sei der Erfolg (oder Misserfolg) von Microservice-Architekturen auf einer viel tief liegenderen, elementaren Ebene zu verorten: Der zugrundeliegenden Organisationsstruktur. Organisationen, die kleine und funktionsübergreifende Teams mit einer flachen, selbstverwalteten Struktur erlauben, so Posta weiter, erreichen ein Innovationsniveau, das in herkömmlichen Unternehmen undenkbar ist.

Kleine Teams

Durch seine Zusammenarbeit mit Amazon lernte Posta die dort gängige „Zwei-Pizza“-Regel kennen: Dieser zufolge dürfen Teams nur in etwa so groß sein, dass etwa zwei große Pizzas ausreichen, um alle satt zu kriegen (bei Amazon normalweise zwischen 6 und 8 Personen; wie der Sozialpsychologe Richard Hackman heraus fand, sollten die Gruppen keinesfalls mehr als 10 Personen umfassen).

Der Hintergrund: Man möchte nicht mehr, sondern effektivere Kommunikation. Je kleiner die Teams, desto schneller und besser lernen sich alle Mitglieder kennen, außerdem ist das Gruppendenken in diesem Fall weniger ausgeprägt, auch das Soziale Faulenzen hat einen schwereren Stand. Ergo: Je größer die Gruppe, desto unproduktiver ist sie.

Funktionsübergreifende Arbeit

Trennt man die Menschen von den Konsequenzen ihrer Arbeit, fördert man Posta zufolge sich negativ auswirkende Verhaltensweisen. Ein Beispiel: Existieren separate Datenbank-, QA- und Ops-Teams, kann es demnach leicht passieren, dass ein Entwickler Aspekte von qualitativ hochwertigem Code, wie etwa Sicherheit, Performance, Skalierbarkeit, aus dem Blick verliert und sich nur noch auf die Implementierung von Features konzentriert.

Im Gegensatz dazu stehen funktionsübergreifende Teams, die aus Mitgliedern der verschiedensten Bereiche bestehen bzw. in denen einzelne Mitglieder mehrere Rollen einnehmen. So fühlt sich jeder umfassend für das Produkt verantwortlich – die meisten großen Internet-Unternehmen, also Amazon und Co., arbeiten auf diese Art.

Das Gesetz von Conway

Die vom amerikanischen Informatiker Melvin E. Conway festgehaltene Beobachtung führt die beiden letztgenannten Punkte zusammen: Das Gesetz von Conway besagt, dass „Organisationen, die Systeme modellieren, […] auf Modelle festgelegt [sind], welche die Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.“

Soll heißen: Rigide hierarchische Organisationen liefern Produkte, die zumindest grobe Kopien dieser Struktur darstellen. Will man mithilfe von Microservices also skalierbare Systeme bauen, so muss auch die Organisation skalierbare Strukturen aufweisen. Folgt man Conways Gesetz, sind kleine, lose verbundene und funktionsübergreifende Teams die Grundvoraussetzung für Erschaffung entsprechend aufgebauter Systeme.

Im Grunde, so Posta, stellen derartige Teams ein Abbild kleiner Open-Source-Projekte dar: Sie arbeiten gut zusammen, ihre Mitglieder teilen ihre Ansichten und Meinungen frei mit und legen Herzblut in ihre Arbeit. Als Entwickler, Tester usw. arbeiten alle auf ein gemeinsames Ziel hin. Und genau das, so Posta, sei schließlich genau das, worum es bei DevOps und Microservices gehe.

API Confernce 2020
Milecia McGregor

The 3 Axes of Scaling APIs

Milecia McGregor (Flipped Coding)

 

Aufmacherbild: Abstract illustration of cross functional team von Shutterstock / Urheberrecht: madpixblue

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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